Warum ich blogge?
21. Mai 2008
Weil es mich daran hindert, handgreiflich zu werden, zu schreien oder einfach nur zu heulen.
Manchmal gibt es Situationen, da scheint dann alles zusammen zu kommen. Und es ist kein Gesprächspartner in Sicht- oder Hörweite, der mit Ohr und Schulter leihen kann. Dann öffne ich meine Eingabemaske und beginne zu schreiben.
Manchmal weine ich beim Schreiben, aber das ist mir nicht peinlich, denn das sieht ja niemand.
Manchmal beisse ich mir auf die Fingerknöchel oder nage am Daumennagel, aber das sieht ja keiner.
Indem ich einen Blogeintrag verfasse, bin ich gezwungen, den nötigen Abstand zu finden. Den Abstand zu dieser Scheisssituation mit der Mittleren gerade, zum nervenden Großen, der mir wie ein Hündchen hinterherläuft, der Wut auf den Jüngsten, der die zwanzigste verschissene Hose des Monats liefert. Hier kann ich meine Wut, Trauer, Hilflosigkeit rauslassen, hier kann ich wüten, toben, schimpfen, mich ungerecht behandelt fühlen und vom Leben im Stich gelassen oder so.
Im echten Leben versuche ich zu klären, zu beschwichtigen, zu erziehen, zu lächeln, verständnisvoll zu sein, der Rest wandert ins Blog.
Bloggen ist so eine Art Therapie. Den ganzen Frust und Müll loswerden. Manchmal hilft es, „geht mir auch so“ in den Kommentaren zu lesen, meistens braucht es das gar nicht. Der Moment des Abschickens ist wie das Leeren des Mülleimers: weg damit, erledigt.
Warum ich dies allerdings öffentlich tun mag … das weiß ich nicht.
Manchmal
20. Mai 2008
darf man sich selbst mögen.
Herzlichen Dank, lieber Michael!
Hier
19. Mai 2008
19.05.1995, 13 Jahre
Ich habe diesen großen Tag mal wieder vergessen, doch der beste Vater meiner Kindere brachte einen wunderbar duftenden Block echtes Bienenwachs mit. Sozusagen als unser beider Hochzeitsgeschenk: Bienenwachs zum Wachsen von Bogensehnen
Heute vor dreizehn Jahren regnete und graupelte es, der Standesbeamte sprach von Blumen und Dünger und wachsender Liebe, während ich mir die Wangen blutig biss, um nicht unfeierlich zu lachen. Der Blick auf die Mülltonnen hinter dem Fenster des Beamten war ebenfalls hilfreich.
Der Ringtausch war völlig unspektakulär, die erste Unterschrift mit neuem Namen verlief völlig ohne Schwierigkeiten und Bedauern und der besiegelnde Kuß war in etwa so erotisch wie das, was damals Samstag abend bei RTL lief.
Vor dem Standesamt warteten die Kommilitonen des besten Vaters meiner Kinder um großzügig Reis zu werfen. Milchreis, aber das macht ja nix, immerhin war er ungekocht. Die allerliebste Freundin und Trauzeugin (Hallo, meine Liebe, wo bleibt Deine Gratulation?! HE?!!) und Frau … äh … Mutti zogen sich nach dieser Attacke zuerst in die Waschräume des China-Restaurants zurück, um die Reiskörner aus dem BH zu pflücken. Den Reis gaben wir allerdings nicht in die Küche.
Am Tisch wartete die engste Verwandschaft und eine gar köstliche Pekingente samt sämtlicher Gänge, die dazu gehören.
Frau … äh … Mutti aß für zwei und wurde trotzdem später über die Schwelle der Haustür getragen.
Eine rauschende Hochzeitsnacht gab es nicht, die hatte vier Monate früher stattgefunden. Aber das ist eine andere Geschichte.
Unser Hochzeitstag ist uns nicht wichtig. Den letzten zum Beispiel feierten viele meiner Leser mit uns, wenn auch unwissentlich, bei der ersten Gartenparty. Dieses Jahr feierten wir an der Gartenparty das 17jährige :-)
Ich finde es viel wichtiger, dass wir uns noch immer jeden Tag küssen (es sei denn, ich habe solch ein Herpesdings) und uns gegenseitig im Vorbeigehen lüstern an den Hintern grabschen. Da verzichte ich doch dankend auf Blumen :-)
Noch ein Folgeschaden?
19. Mai 2008
Ob es sich um einen Folgeschaden durch häufige Nutzung handelt, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben.
Fakt ist: das jüngste Kind kam heute weinend nach Hause und zwar, Insider kennen ja nun die örtlichen Gegebenheiten, nicht durch die Haustür, sondern über die Terrasse. Sein Klingeln hatte nämlich niemand gehört, bzw. niemand hören können, da die Klingel defekt ist. Einen Schlüssel hatte er nicht dabei und sein Weinen auf der Strasse hörte die Frau … äh … Rabenmutti nicht. Wohl aber die aufmerksame Nachbarin von nebenan, die das Kind durch ihren Garten nach Hause schickte.
Fazit: die Sache mit den aufmerksamen Nachbarn ist doch keine so schlechte.
Und zuviele Gäste ruinieren die Klingel. :-)
Aufräumarbeiten
19. Mai 2008
nach einer etwas größeren Party brauchen erstaunlich wenig Zeit. Ein guter Kubikmeter Gartenerde, verteilt im oberen Geschoss der Villa, verschwand im Staubsauger. Die Spülmaschine gurgelte und röchelte und wunderte sich wahrscheinlich sehr, weswegen sie plötzlich so viele Bierkrüge spülen muss, wo die doch letzte Woche noch Mangelware waren. Die Waschmaschine kümmert sich um Tischdecken und zwei Fußabstreiferteppiche.
Und das war´s auch beinahe schon.
Beinahe, weil meine geschätzten Besucher mir durchaus noch mehr Arbeit mitgebracht haben. Da wären ganze Hortensienhecken zu pflanzen. Dazu ein dubioses Gewächs, das „Henne mit Küken“ heisst und angeblich unverwüstlich ist. Ha! Die Wette halte ich gegen. Meine selbst gesäte Cosmea wird vor Scham die ersten drei Spitzen wieder in die Erde ziehen, wenn sie die nahezu ausgewachsenen Büsche sieht, die es einzugraben gilt. Und die Schnecken wetzen schon die Raspelzähne, denn eine wunderbar altrosa Lupine will gepflanzt werden.
Apropos Schnecken: geschenkt bekam ich ein Büchlein mit dem aufschlussreichen Titel: „50 Tipps für Schneckenkiller“. Um meinen Ruf dann doch wieder zu verbessern, bot ich mich als Achatschneckenbaby-Vermittlerin an. (mit dem Erfolg, dass ich Mengen von Gurken, Bananen und Löwenzahnblätter herankarren muss, um die Brut satt zu kriegen.
Etliche Meter Stoff, Zackenband, Reissverschlüsse und bezaubernde Perlen warten im Nähzimmer auf kreative Verarbeitung. Im Nähzimmer, in dem es ausgesprochen köstlich duftet. In einer Pappkiste liegen dort viele bunte lecker riechende Klöße. Vom genießerischen Abschlecken wird allerdings abgeraten. Es handelt sich um selbst gebaute Badebomben. Manche Gäste reisten also nicht mit Axt, sondern mit Bombe an.
Die berauschenden Badebombendüfte sind allerdings nix gegen dieses ominöse Getränk namens „Rivella“, welches zu kontroversesten Diskussionen an meinem Küchentisch führte und auch zum Gegenstand einer Mutprobe der großen Jungs wurde: wer schafft die meisten Becher davon zu trinken. Angeblich waren sie nach dem sechsten Becher berauscht und fühlten eine leichte Übelkeit. Durchaus nachvollziehbar. Und sicherlich gibt es jemanden da draußen, der erklären kann, was GENAU der angepriesene Inhaltsstoff „LactoSerum“ ist. SEHR verdächtig.
Heute scheint die Sonne übrigens auch, aber irgendwie ist mir das heute nicht so wichtig wie am Samstag.
Danke für die reizenden Mitbringsel und überhaupt für den Mut, beinahe wildfremde Menschen zu besuchen und mit ihnen zu feiern. (dass ich komplett aufgeregt und wahnsinnig verunsichert war, merkten wahrscheinlich nur diejenigen, die mich gut genug kennen, um zu wissen, dass ich selten Wortfindungsstörungen habe, gar nicht stottere und nur sehr selten lispele. ßehr, ßehr ßelten.) Danke für wundervolle Berichte und Bilder in den Blogs, Danke für rührende Dankesreden und ein Danke auch an die mitreisenden Väter, die manchmal ein bißchen verloren in der Gegend herumstanden, in der einen Hand ein Bier und mit der anderen Hand ein kleineres Kind auf dem Kletterweg nach oben stützend. Danke an den Zuständigen für´s Wetter und auch an die Nachbarn, die es sich nicht nehmen ließen, die wichtigsten Informationen über die Geschehnisse in der Grünen Villa im Ort zu verteilen. Danke an die ganzen Kinder, die die den meisten meiner Pflanzen mit Respekt begegneten und alle Gummibärchen so schnell aufaßen, dass sie mich erst gar nicht in Versuchung bringen konnten. Danke an alle fleissigen Helfer im Vorfeld, zwischendrin und hinterher. Als ich Samstag nachmittag in die Küche kam und zwischen den Geschirrbergen vier schwatzende, lachende, spülende, abtrocknende und aufräumende Frauen fand, habe ich ein kleines bißchen schlucken müssen.
Danke auch an den besten Vater meiner Kinder, der so bereitwillig die abenteuerlichen Ideen und Pläne seines Weibes unterstützt und natürlich auch ein Danke an die hinreissenden Bestien, die ihre Zimmer, ihr Spielzeug und IHREN Garten zur Verfügung stellten und sich obendrein an sämtliche vorher getroffenen Abmachung hielten. Diese Woche keinen Blumenkohl, meine Lieben.
Ein kleines bißchen auch: Danke, dass es rum ist.
Mein recht hoher Perfektionismus, der sich so gar nicht mit der Villa und der Wildnis vertragen will, war kräftezehrend. Diese verdammte Ungewissheit, wie das Wetter denn nun sein wird. Die Angst, dass solche laaangen, stillen Gesprächspausen entstehen. Die Sorge, dass der Garten womöglich zu klein ist. Reichen die Salate? Die Getränke? Das war alles auch anstrengend und zermürbend.
Nächstes Jahr werde ich viel gelassener und entspannter sein. (gelaßßener und entßpannter)