Beichte
12. September 2006
Um die körperliche Fitness der Frau … äh … Mutti ist es nicht so sehr gut bestellt.
Als Beweis für diese Aussage möge gelten, dass sie nach einem spannenden Dart-Match mit dem besten Vater meiner Kinder heute Muskelkater im Wurfarm hat.
Warum diese peinliche Tatsache der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, liegt wohl daran, dass diese Blogger doch eh alle nur Exhibitionisten sind.
Na? Was beichten SIE denn heute?
Du wirst gebraucht!
12. September 2006
sagt der Chef vom hiesigen Turnverein und das geht runter wie Öl.
Ausserdem sagt er noch, dass ohne mich die Veranstaltung nicht stattfinden kann, aber das ist ein bißchen dick aufgetragen. Schmeichelt natürlich trotzdem.
Und so kommt es also, dass Frau … äh … Mutti am 31. Oktober abermals die Kulissen koordiniert und schiebt, damit das Musical „Tanz der Vampire“ zum hoffentlich allerletzten Mal aufgeführt werden kann.
Hinterher gibt´s ´ne große Halloweenfete und ein paar Freigetränke für die Helfer. Wenn das kein Anreiz ist.
Und vielleicht stöpsele ich mir einfach den iPod in die Ohren, um das Rumgeschmachte der tanzenden Vampire nicht mehr zu hören. (andererseits singen und tanzen die Helfer hinter den Kulissen immer höchst enthusiastisch mit und das macht irgendwie auch Spaß)
Vor fünf Jahren
11. September 2006
Von ihm angeregt erinnere ich mich.
Ob der beste Vater meiner Kinder mich anrief oder ob ich die Meldung im Radio hörte weiß ich nicht mehr.
Aber ich erinnere mich daran, dass ich in strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse stand und in den Himmel sah. Und fürchterliche Angst hatte. „Die Kinder!“, dachte ich nur, „Was ist, wenn es nun Krieg gibt?“
Und dann holte mich der Alltag mit drei kleinen Kindern ein, da musste gespielt und beschäftigt werden, gewickelt und gefüttert. Nebenbei lief das Radio. Und alles schien unwirklich.
Der Fernseher stand damals ungenutzt in der Halle, doch an diesem Abend holten wir ihn nach oben und bastelten mit einer Zimmerantenne einen leidlichen Empfang. Im Spielzimmer der Kinder, eine Matratze davor und wir sahen die Bilder der Flugzeuge, die in die Türme rasten. Und die Menschen, die aus den Fenstern sprangen.
Ich weiß, dass mir die Tränen liefen und dass mir nach lauthalsem Schluchzen zumute war. Dass ich mich aber zusammenriss, denn der Große stellte viele Fragen, die ich doch auch nicht beantworten konnte. Ulrich Wickert ist mir in Erinnerung, wie er mit versagender Stimme und Tränen in den Augen die neuesten Meldungen ansagte.
Wir saßen bis spät in der Nacht vor dem Fernseher, schalteten von Sender zu Sender, sahen immer wieder diese Bilder und ich konnte mich nicht losreißen. Im Kopf ging ich hektisch die Liste der Freunde und Verwandten durch: ist jemand gerade in New York? Kann ich die Sorge, die ich empfinde auf einen Einzelnen richten?
Die Nachricht von zwei weiteren entführten Maschinen registrierte ich nur am Rande, zu sehr hatten sich die Bilder der brennenden und einstürzenden Türme in meine Augen gebrannt. Die Menschen, die durch die Luft flogen. Was muss in ihnen vorgegangen sein? Wie verzweifelt ist man, bevor man von ganz oben springt? Was dachten die Menschen in den Flugzeugen? Wem galt ihr letzter Gedanke?
Die Angst vor Krieg oder Anschlägen begleitete mich mehrere Tage. Und das schien mir so egoistisch, denn immerhin gab es tausende Menschen, deren Kummer und Angst begründet war. Ich war verwirrt und musst für die Kinder wieder funktionieren, denn der Alltag ging normal weiter. Ein fieser Zwiespalt.
Die Militäranlage der US-Soldaten im Nachbardorf wurde in eine Festung umgewandelt, Soldaten waren überall präsent in meiner kleinen, heilen Welt.
Das blanke Entsetzen und die Angst von damals haben sich in eine Art dumpfen Schmerz verwandelt. Bilder bringen mich immer noch zum Weinen. Meine Tochter war vor drei Monaten auf der Suche nach Informationen über New York für die Schule. Wir suchten in der wikipedia und stießen auf dieses eine Video. Ich habe geheult und die Mittlere schloss sich solidarisch an. Im nachfolgenden Gespräch versuchte ich die Begriffe „Terror“ und „Attentat“ begreiflich zu machen. Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist.
Bei meinem Zahnarzt hängt im Behandlungszimmer 1 ein Bild der New Yorker Skyline. DAVOR. Wir scherzen immer, der Zahnarzt und ich, dass dieses Bild bald sehr viel Wert sein wird.
Tschüss und viel Spaß!
11. September 2006
rief Frau … äh … Mutti dem Töchterlein nebst allerbester Freundin zu, als die beiden zusammen mit ihrer und drei weiteren Klassen zur Klassenfahrt aufbrachen.
Frau Miest hat den Packstress noch vor sich, ich habe ihn gestern abend hinter mich gebracht. Allerdings habe ich da eine gewisse Routine, da die Kinder auch regelmäßig ins Trainingslager fahren.
Der Große kam gestern abend von seinem spontanen Wochenendtrip aus dem Saarland zurück und erklärte sich erstaunlich bereitwillig bereit, seine Tasche allein auszupacken. („Ich mach das schon, Mama!“) Es entging mir trotzdem nicht, dass er die unbenutzten Waschlappen und das jungfräuliche Handtuch ordentlich in den Schrank zurücklegte. Die Zähne habe er aber geputzt, behauptet er.
Mädchen sind da ja ganz anders. Spannend ist da die Frage, in welcher Tasche ich die Klamotten von Töchterlein wiederfinde, da ein munteres Hin und Hertauschen der T-Shirts und Hosen mit den Freundinnen zu den Freuden einer Klassenfahrt gehört.
Und ob die etwas schusselige Lehrerin die Krankenversicherungskarten der Kinder wiederfindet, nachdem sie sie sicher in drei unterschiedlichen Taschen und Rucksäcken verstaut hat.
Alles wird gut, ich werde die Zeit mit nur zwei Kindern genießen und das Zimmer des Großen ein bißchen streichen.
Bulls Eye
10. September 2006
In der Halle hängt nun eine Dartscheibe.
Frau … äh … Muttis Geschick im Werfen kleiner Pfeile auf recht kleine Scheiben hält sich in Grenzen. Also wenn ich das EINSERfeld hätte treffen wollen, gleich mehrmals hintereinander …
Der beste Vater meiner Kinder hat da deutlich wirksameres Zielwasser getrunken, dafür war ich geschickter beim Zusammenbauen der Pfeile. Und ich werde üben. Heimlich.