Ranzige Romanze
29. Juni 2006
„Mama“, sagt die Mittlere, „ich habe mich verliebt!“
„Oh!“, sagt Frau … äh … Mutti, „In wen denn?“
„In den M aus meiner Klasse!“, schwärmt das Kind, das doch erst vorgestern geboren wurde, „Der hat so schöne braune Augen und so braune Haut, da leuchten die Augen ganz doll im Gesicht!“
„Finde ich gut, dass du dich verliebt hast!“, sagt Frau … äh … Mutti, „Verliebt sein ist wunderschön!“
„Ich liebe nur DICH!“, sagt das jüngste Kind und wird zum Dank zu Boden geknutscht.
„Mein Freund ist auch verliebt!“, teilt das große Kind mit.
„Oh? In wen?“, fragt Frau … äh … Mutti.
„In K aus unserer Klasse, er hat ihr auch einen Liebesbrief geschrieben!“, berichtet der Große.
„Das ist aber mutig!“, staunt Frau … äh … Mutti.
„K fand den aber doof!“
„Hat sich dein Freund keine Mühe gegeben?“
„Naja, ich habe ihn diktiert!“, beichtet der Nachwuchs-Cyrano.
„Und WAS hast Du diktiert?“, interessiert sich Frau … äh … Mutti, nun mehr SEHR neugierig.
Der Große steht auf und schmettert:
„Oh, du geliebte Dingsdabums, voll Federn und voll Teer!
Ach tralali und tralala der Text ist furchtbar schwer!
Ich stehe hier, ich fühl mich dumm
und gleich da bin ich gänzlich stumm.
Was soll ich tun, mein liebes Suppenhuhn?“*
„Sie fand es beleidigend“, meint er, „naja, sie ist wohl zu cool für Ritter Rost!“
*“Ranzige Romanze“, aus „Ritter Rost und Prinz Protz“
Wo isse denn?
28. Juni 2006
Sie sitzt im Sommerloch, die Frau … äh … Mutti.
Oder besser: sie würde gerne drinsitzen.
Stattdessen streitet sie sich ein bißchen mit den hinreissenden Bestien, die schlichtweg ferienreif sind und das sehr deutlich spüren lassen. (murr, muffel, maul)
Wenn mir bitte jemand mal ganz sanft und pädagogisch in den Hintern treten würde, damit ich besagten hochieve und meinen Kindern ein wirklich spannendes und tolles Programm biete …
Schultütenbefüllungsplanung
27. Juni 2006
Das jüngste Kind wechselt nach den Sommerferien von der Vorschule in die erste Klasse. Zur Einschulung in die Vorschulklasse bekam es eine wunderschöne Schultüte, die mit allerlei wichtigen und tollen Dingen prall gefüllt war.
Um das jüngste Kind nicht als einziges Kind ohne Schultüte inmitten von frischgebackenen ABC-Schützen stehen zu lassen, wird die alte Schultüte erneut aktiviert und befüllt. Wenn auch nicht ganz so prall.
Frau … äh … Mutti: „Kind! Womit sollen wir denn deine Schultüte befüllen?“
jüngstes Kind: „Nicht so viel, die ist sonst so schwer.“
FäM: „Oh, aha. Was WÜNSCHTS du dir denn? Was soll rein?“
jK: “ … ein Erdnußbutterbrot …“
FäM: “ … uuund?“
jK: “ … eine Brotdose?“
FäM: „NOCH eine Brotdose?!“ (der Schrank ist voll)
jK: “ … jaaaa. Und vielleicht ein Dino.“ Oder ein Pferd. Aber ein echtes!“
FäM: „Du wolltest doch, dass die Schultüte nicht so schwer wird?! Dann KANN kein Pferd rein!“
jK: „Ich Dummkopf! *haut sich gegen die Stirn* Dann ein Eis.“
FäM: „aber das schmilzt!“
jK: „Dann eine Brotdose mit einem Erdnußbutterbrot. Lass mich jetzt, ich will lesen.“
FäM: „…“
So. Nun gut. Eine Brotdose mit einem Erdnußbutterbrot. Diese Schultüte wird sicher nicht zu schwer.
Premiere
27. Juni 2006
Gerade eben schiebt eine junge Mutter ihr winziges Baby im Wagen unter meinem Küchenfenster entlang. Das Baby schreit und schreit und schreit.
Und ich denke: „Kann mal bitte jemand dieses Kind abstellen?“
Wow.
Ich bin erschüttert.
Trotz massiv hüpfender Eier in der Zyklusmitte nervt mich das Gekreisch und ich habe nicht das Bedürfnis, meine Brust zum Stillen auszupacken.
Ich freue mich mal vorsichtig drüber.
Auf´m Dorf
27. Juni 2006
Das Leben in einem relativ kleinen Ort hat ganz unbestritten den Vorteil, das es recht beschaulich zugeht.
Von Nachteil aber ist, dass der morgendliche Einkauf sich endlos in die Länge ziehen kann. Die Nachbarn wollen Schwätzchen halten, um acht Ecken verwandte Menschen wollen wissen, wie es dem Nachwuchs geht und Oma Ernel will erzählen, dass sie keine zehn Pfund Erdbeeren ernten kann und das, obwohl sie stundenlang im Garten geschuftet hat. Der späte Schnee ist schuld, überhaupt der strenge Winter.
„Alla mach´s gut!“, sagt sie und tätschelt meinen Arm. Ich bin nicht zu Wort gekommen, aber das ist wohl nicht schlimm.
Im Obst – und Gemüseladen wird geunkt, dass die anstehende, reichliche Aprikosenernte garantiert noch vom Hagel zerschlagen wird. Aber wie gut es doch ist, dass es endlich ein bißchen abgekühlt hat, es war doch arg schwül.
„Brauchst du noch was?“, fragt die Verkäuferin im Obst- und Gemüseladen.
„Nur noch den Kopfsalat.“, antwortet Frau … äh … Mutti über die Schulter, während sie mit einer weiteren Nachbarin über Gartenschäden plaudert.
„Der Sturm hat die Kirschen vom Baum gerissen und die, die noch hängen, sind verwurmt. Obwohl wir gepritzt haben.“
„Bei mir hat es die hohen Stauden umgeweht und eine Tomate zerupft.“
„Aber schön abgekühlt hat es ja, das war auch wichtig!“
„Unbedingt!“, stimmt Frau … äh … Mutti zu.
In der Apotheke diskutieren Chefin und Angestellte darüber, ob die Klimaanlage heute nötig sei, denn es „hat ja merklich abgekühlt“.
Auf dem Heimweg spricht mich die Nachbarin der Freundin an und fragt nach Töchterlein. Ob alles in Ordnung sei, sie sei so lange nicht mehr in der Straße zum Spielen gewesen. „Aber es war ja auch so heiß, da wart ihr sicher im Schwimmbad!“
Der Nachbar gegenüber steht auf dem Gerüst, schwitzt und pinselt weiter am Pistazieneis herum: „Heiß ist es schon wieder!“, stöhnt er.
Und ich verkneife mir die Aussage, dass es aber doch gewaltig abgekühlt hat.