Nach der Show

17. Mai 2006

ist vor der Show.

Das gigantische Gewitter samt Sturm und an die Scheiben klatschenden Regens bewunderten der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib mehr oder minder warm und gemütlich im Wintergärtchen sitzend, da der Fernseher sowieso ausgefallen war. Schon beeindruckend, wie sich der Kirschbaum neigte und die Birke der Terrasse immer näher kam.
„Gut, dass meine Tomaten noch winzige Pflänzchen sind“, kicherte Frau … äh … Mutti, „sonst brächen die jetzt ab!“
„Gut, dass ich den Draht für die Himbeeren noch gespannt habe“, erklärt der beste Vater meiner Kinder, „sonst lägen die jetzt um!“

Tatsächlich. Weder Tomaten noch Himbeeren haben größere Schäden davon getragen.
Dafür liegt der Hartriegel flach. Und die Akeleien. Und die Glockenblumen, Mohnblumen, Katzenpfoten, Jungfer im Grünen und Cosmea.
Was nicht vom Sturm niedergedrückt wurde, ist vom Regen weggeschwemmt worden. Oder wird gerade von den Schnecken gefressen.

Es ist schon merkwürdig, dass weder Brennnesseln noch Disteln noch Schöllkraut noch Klettenlabkraut noch Hahnenfuß einen Schaden davon getragen haben.
Für das nächste Jahr überdenke ich mein Gartenkonzept radikal.
Bis dahin gehe ich rupfen. Und zupfen. Und stützen. Und Schnecken in den Nachbargarten werfen. Ganz heimlich, versteht sich.

Kindermund

16. Mai 2006

tut Wahrheit kund.

*seufz*

jüngstes Kind: „Mama, dein Bauch ist so dick?!“
Frau … äh … Mutti zieht den Bauch ein.
jüngstes Kind: „Kriegst du ein Baby?“
Frau … äh … Mutti rechnet hektisch nach und hält die Luft an: „Nein, liebes Kind. Ich bin nicht schwanger und ich habe auch keinen dicken Bauch. Nicht wahr, großes Kind? Ich bin nicht dick?“
gößtes Kind: „hm. Ich muss mal nachsehen!“ und schiebt der Mutter das Kleid hoch, „nein, die Unterhose schiebt den Bauch nur so hoch.“

Danke, danke, danke. Nie wieder esse ich was.

work out

16. Mai 2006

Nachdem nun auch das letzte Röckchen um die zierliche Hüfte spannt, hat Frau … äh … Mutti beschlossen, dass sich da was ändern muss.
Der erste Gedanke war, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und sich neu einzukleiden. Kleinliche Gründe wie „das ist aber ganz schön teuer“ und „ich liebe meine alten Röckchen“ zerschmetterten diesen Gedanken.
Bleiben nur Konsequenz und Schweiß und halb soviel Schokolade. Auf Schokolade habe ich gestern komplett verzichtet, dafür habe ich die letzten vier Stücke Muttertagskuchen gefuttert. Soviel zur Konsequenz. Der Schweiß aber – ja der läuft in Strömen. Statt Joggen hechte ich die Treppen hoch und runter, beladen mit Bio-, Rest- und Plastikmüll, Wäschekorb und Staubsauger. Letzterer in voller Aktion, weil auf den Treppenstufen genug Erde zum Gras säen lag. Nach dem Saugen folgt das Wischen, dann das Fluchen, weil ein schlammverkrusteter Stallschuh des jüngsten Kindes die gesamte Treppe von oben nach unten herunterpolterte und sich dabei säuberlich abklopfte.
Küche saugen, wischen.
Bad saugen, wischen.
Flur saugen, Arbeitszimmer ansatzweise (um das ausgeklappte Bett herum) saugen.

Entsetzlichen Hunger kriegen, unglaublich konsequent und standhaft einen Apfel essen.

Mit durch und durch schlechter Laune auf dem Sofa sitzen und sich fragen, ob die alten Fetzen wirklich so hübsch sind. Und wer zum Teufel das Gerücht von den Glückshormonen nach getaner Arbeit in die Welt gesetzt hat? Ich hab gar nix, nur das Bedürfnis zu duschen. Aber dann sehe ich, dass das Elternbad auch mal wieder geputzt werden muss.
Trainingsplan für morgen.

Oh, wie nett:

14. Mai 2006

Suchen Sie sich ihre Lieblingsmutti aus, Kinder die Hälfte.

Zeitreise

13. Mai 2006

ins finstere Mittelalter stand heute auf dem Programm.
In der Nachbargemeinde, in und um die Burgruine, Ritter, Marketender, Bader und Gaukler.

Schrecklicher als alle anwesenden Sarazenen, Wikinger und Hunnen war aber der Moment, als ich bemerkte, dass der kleine blonde Ritter von meiner Seite verschwunden war. Zehn sehr lange Minuten rannten der beste Vater meiner Kinder und die allerliebste Freundin in die beiden möglichen Richtungen. Zehn endlose Minuten weinte die Mittlere um ihren Bruder und hielt der große Bruder meine Hand ganz fest. Zehn ewige Minuten gingen mir die allerschlimmsten Bilder durch den Kopf.

Ungefähr zehn Minuten und zwei Taschentüchter brauchte die glückliche Familienzusammenführung.  Gerade hat er mich zur Guten Nacht geküsst, der jüngste Sohn, und hat recht nachdrücklich „schlaf gut“ im Sinne von „lass mich endlich los, Mama“ gesagt. Mein Kloß im Hals ist immer noch verdammt dick.