I survived

12. Mai 2006

Kindergeburtstag!

Das jüngste Kind lud vier Freunde und verlangte nach Muffins und Gegrilltem. Ausserdem wollte es Spiel, Spaß und Spannung.
Wir boten alles und können rückblickend sagen: gelungenes Fest.
(so sehr gelungen, dass der eine Gast sogar seine Auswärts-Schlaf-Premiere bei uns wagen wird)
Das jüngste Kind ist glücklich und ich gebe zu, dass Kindergeburtstage irgendwie doch nicht sooo fürchterlich sind. Auch wenn es eine Stunde vor Beginn blitzt, donnert und regnet und das Ende der Welt und der mütterlichen Nervenvorräte erreicht zu sein scheint.

und wer entdeckt Ball und Pfeil?

Einen schönen Abend wünsche ich. Auf mich wartet ein Lagerfeuer.

„Ach bitte!“,

12. Mai 2006

fleht die Mittlere mit großen Augen (bambieyes), „Ich würde SO gerne zusehen, wie eine Kuh geschlachtet wird!“

Auslöser dieses Wunsches war ein Beitrag einer Pseudo-Wissens-Sendung im Privaten, in dem ein Metzger portraitiert wurde. Ja, ich gestehe, ich war angetan von der Hingabe, die dieser Mensch für seinen Beruf empfindet und ich wünsche jedem Arbeitnehmer genauso viel Freude am erlernten Beruf. Mein Ding wäre es nicht, bis über die Ellenbogen in Hackfleisch zu stecken, aber ich muss es ja auch nicht.

Den Wunsch der Tochter im Kopf betrat ich die Fleischerei meines Vertrauens, um die bestellten Grillwaren für die „aburtstagsfeier“ des jüngsten Kindes heute abzuholen. Fackeln soll es geben, das sind dünne Streifen aus Bauchfleisch, die um einen Stock herum gewickelt im Feuer sehr knusprig werden und köstlich sind. Die Fackeln waren noch nicht fertig, weil der Metzger ein paar Brocken Fleisch in die Nachbargemeinde fahren musste und so hatte ich die einmalige Gelegenheit, dem Gespräch zwischen Metzgersfrau und anderer Kundin zu lauschen. Man unterhielt sich lautstark und bemerkenswert ungeniert (naja, bei dem ganzen, nackten Fleisch um uns herum) über Nierenkoliken, Blasensteine und den Schmerzen beim Pinkeln, wenn Gries abgeht. „Ich war froh, als ich endlich sehen konnte, was da weh getan hat!“, erzählte die Metzgersfrau der zustimmend nickenden Kundin und ich betrachtete interessiert die Nieren in der Auslage.
Schließlich wurden mir aber auch die fertig gewickelten Fackeln überreicht und ich konnte Töchterleins Wunsch anbringen. „Ja sicher!“, strahlte die Metzgersfrau, „es ist wichtig, dass die Kinder wissen, wie eine Kuh aussieht! Gell, Metzgermann, sie kann zusehen?“
Der Metzger brummte Zustimmung und verschwand im Hinterhof, wahrscheinlich um ein paar Kühe zu schlachten oder so.
Die Metzgersfrau nahm mich vertraulich beiseite und erklärte mir, dass die Mittlere beim eigentlichen Töten des Tieres nicht dabei sein sollte, denn Bullen würden per Kopfschuss getötet und der Knall der Pistole sei doch recht laut. Danach schneide man dem Tier den Kopf ab und entferne die Wirbelsäule. „Wegen dem BSE-Kram halt.“ Das könne Töchterlein aber gerne betrachten und der Metzgersmann wäre gerne bereit, Herz, Lunge, Darm und die Fleischstücke für Rouladen, Gulasch und Steak zu zeigen. Und natürlich auch die richtigen Namen zu sagen, weil die meisten Leute wissen nur noch, was ein Filet ist, kennen aber keine Hochrippe mehr.

Wie schön, dass Töchterleins Wunsch so leicht zu erfüllen ist. Bleibt nur noch mein Wunsch, dass sie keine „Erinnerung an ein unvergessliches Erlebnis“ mit heim bringt. Einen Huf oder ein Horn. Oder einen Schwanz. Oder eine Darmschlinge. Das jüngste Kind hat schon einen Hahnenkralle samt Schwanzfedern mitgebracht, das Zeug hängt am Küchenregal. Für Rinderhufe habe ich gerade keinen passenden Platz.

ok,

11. Mai 2006

Es ist halb neun, ich habe ein Glas Wein neben mir und habe meinem zehnjährigen Sohn gerade erklärt, was Inflation ist.

Mich kann heute nichts mehr erschüttern.

(Schon mal kindgerecht Inflation erklärt? Nein? AHA!)

oh, wie hübsch!

11. Mai 2006

fussball freies blog

ganz in meinem Sinne, Frau Zorra, ich baue dankend ein.

Und ergänze: Wegen mir müsste es dieses Gerangel um den Ball nicht geben.
Frau … äh … Mutti schickt ein inniges „Danke!“ an wen auch immer, weil der Kelch der fußballbegeisterten Menschen an ihr vorüber ging. Der beste Vater meiner Kinder mag lieber Volleyball und will seit vier Jahren wieder regelmäßig ins Training, der Große fand Fußball als Dreijähriger ungerecht, weil niemand den Ball abgab und beendete die hoffnungsvolle Karriere und der Kleine singt gerne „zieht den Mainzern die Lederhosen aus“, kennt aber keine einzige Fußballregel. Die Mittlere hat noch nie einen Hauch von Interesse gezeigt und auch Frau … äh … Muttis Zeiten auf dem Fußballplatz, schmachtend und anhimmelnd, sind, äh, zwanzig? DREINUNDZWANZIG Jahre vorbei.Allerdings … das letzte WM-Finale gab´s per Beamer auf Leinwand bei uns in der Halle, mit sehr vielen Menschen, grillen und einer Brasilianerin, die zur Feier des Tages Caipirinhas mixte. DAS war schon nett. Es hätte aber auch der Grand Prix d´Eurovision sein können oder die 679 Folge Lindenstraße :-)

Und wenn ich noch einmal dieses dümmliche Fußballlied vom blonden Pseudo-Komödianten hören muss, werde ich wahrscheinlich schreien.

Kitsch as Kitsch can

11. Mai 2006

Nachdem ich mich als Garten-Deko-Figur-Besitzerin bei ihr geoutet habe und scheinbar die Einzige bin, die so etwas besitzt, komme ich ins Grübeln: Was ist Kitsch? Wo fängt „urx, ist das kitschig“ an und hört „das iss ja mal originell“ auf?

Ich habe einen eindeutigen Hang zu Kitsch :-) Ich mag rosa und pink (und grün und rot und lila und gelb und orange und blau und weiß und türkis und …), es darf auch mal glitzern und Plastik hab ich auch, wenn auch kein rosafarbenes, glitzerndes.
An meinem Schlüssel hängt ein Katzentier, auf meinem Bücherregal sitzt ein Schwein und vor meinem Bad eine Ratte.
In meinen Blumentöpfen sitzen flower fairies (der INBEGRIFF von Kitsch), ich habe etwa 2 Millionen Teelichtgläser in verschiedensten Ausführungen, auch eines in pink. In meinem Johannisbeerstrauch steckt ein Straußenkopf, im Wohnzimmerregal steht ein geschnitztes Nilpferd. Ich war kurz in Versuchung, mir den gleichen Kronleuchter, den die Mittlere im Zimmer hat, ins Wohnzimmer zu hängen (aha, Kinderzimmerlampe, die Frau kann nicht erwachsen werden).
Ich mag Feen und Elfen und finde die Vorstellung, dass jede Blüte ihre Elfe hat, sehr hübsch. Ich suche seit Jahren eine Peter Pan Figur aus dünnem Blech, die ich in den Holunder hängen will.

Ich mag Streublümchenstoffe und Cord in leuchtenden Farben. Ich mag Rüschen und Spitzen, ersteres zwar nicht an mir, aber es gefällt, Letzteres nur untendrunter und im Geschirrschrank an der Regalkante.

Gartenzwerge finde ich hässlich, aber ich kenne einen Garten, der ist so konsequent vergartenzwergt, dass er einfach Klasse aussieht. Orientalischen Klöterkram finde ich auch doof, aber die Wohnung einer Freundin finde ich richtig gut, trotz Teegläsern, Wasserpfeife und rotem Brokatzeugs.

Meine allerliebste Freundin hat einen Godzilla als Türstopper und noch einige Merkwürdikeiten, die ganz klar in die Kategorie Kitsch fallen. Ich sag Ihnen was, käme mir NIE ins Haus, aber es passt zu ihr.

Irgendwie läuft dieser ganze Text auf die Blabla-Aussage: „leben und leben lassen“ hinaus. Vielleicht auch auf „die Geschmäcker sind verschieden“ Und das ist eben so. Und wichtig, ein paar eigene Akzente in den allgegenwärtigen IKEA-Brei zu bringen.

Die Maus in unserem Garten, die 35 cm hohe Garten-Deko-Figur mit dümmlichen Grinsen und unnatürlicher Haltung – mag ich auch nicht. Aber ich liebe die Geschichte, die hintendran steht und die dazugehörige Erinnerung an einen lustigen Abend und eine unheimliche Nacht.