Der Beweis:
16. April 2010
haarige Wucherungen
15. April 2010
Sehr erstaunt entdeckte ich neulich, dass ich ein paar dunkle Haare an den Beinen habe.
Hatte ich noch nie. Ich bin ja blond, an den Beinen. Und kurzflaumig. Jedenfalls hatte ich noch nie diese Last, mir die Beine rasieren zu müssen.
(und hier jetzt bitte keine Diskussion darüber, ob es frauenfeindlich oder -verachtend ist und die Werbung uns da komische Schönheitsideale vorsetzt und dass früher nie jemand sich die Beine rasiert hat)
Lange Rede, kurzer Sinn: ich habe mir die Beine rasiert. Das ist ja lästig! Und obwohl ich mir eingebildet habe, sehr sorgfältig gearbeitet zu haben: verschieden lange Härchen stehen senkrecht von meinem Bein ab. Das allerdings sieht sehr witzig aus. Punk-Beine. Meine Haut findet gar nix lustig, sie schuppt sich und ich kann gar nicht genug cremen.
Ich werde es lassen. Habe ich halt dunkle Haare an den Beinen. Die bleichen im Sommer bestimmt aus.
Vor ein paar Jahren habe ich mal mit Heißwachs experimentiert. Sie kennen das vielleicht, das Bikinizonenproblem. Eine Freundin hatte ein Töpfchen Heißwachs übrig und ich war gar nicht erst auf die Idee gekommen, weswegen sie welches übrig haben könnte, wenn das doch so toll ist. Klugerweise startete ich den Heißwachstest nicht in der empfindlichen Bikinizone, sondern am Schienbein. Großzügig schmierte ich das in der Mikrowelle erhitzte Wachs auf zwei verschiedene Stellen (HEISS!), klebte das „mit einem Ruck abziehen“-Papier darüber und zog mit einem Ruck ab. Mein Schmerzensschrei ließ einige Spiegel im Haus springen. Den zweiten Streifen wusch ich mit sehr viel Wasser und noch mehr Seife und dann nochmal Wasser und ein wenig Nagellackentferner, ein bißchen Schmiergelpapier und 30%er Salzsäure ab. Haarfrei waren beide Streifen, aber die Bikinizone wurde weiterhin mit der Schere eingekürzt.
Ein Epiliergerät liegt hier auch. Warum ich mir einbildete, das Epilieren weniger schmerzhaft als heißes Wachs sein sollte, diesem Geheimnis gehe ich erst gar nicht auf den Grund.
Apropos schmerzhaft: Augenbrauen zupfen. Damit stehe ich schon seit einigen Jahren auf dem Kriegsfuß.
Donnerstag, viel Zeit.
15. April 2010
Als wir vor über einem Jahr die Diagnose bekamen, nahmen wir uns fest vor, offen und ehrlich zu sein. Mit uns und den Kindern. Nicht schonungslos, aber ungeschönt. Und seit einiger Zeit ist der Donnerstag der Oma-Opa-Tag, der Tag, an dem die Kindelein nach der Schule zu den Großeltern gehen, von Opa bekocht werden und einen langen Nachmittag dort verbringen. Hausaufgaben machen, 11er raus spielen und viel zu viel fernsehen.
Vielleicht, so hoffe ich insgeheim, sind dies die Tage, an die sie sich später gerne zurück erinnern.
Und für mich sind diese Donnerstage auch ganz toll, denn ich muss nicht kochen, kann tun und lassen was ich will und muss nicht reden. Luxustage.
Um den Luxustag heute perfekt zu machen, nahm ich meinem Krankengymnastiktermin wahr. Vorher aber sagte ich an der Anmeldung noch anstehende Termine ab, mein Rücken ist seit dem letzten einrenkenden Krachen in den Osterferien wie neu.
Der Termin heute aber musste sein und weil der Rücken fit ist, widmete sich Herr Physiotherapeut Frau Knie. Eher beiläufig („Und übrigens, GANZ WICHTIG, mein Knie, das zickt!“) hatte ich erwähnt, dass Frau Knie sich ab und an meldet. Ich musste beugen und strecken und Frau Knie schwieg. Kein Knacken, kein Knirschen. Das sind dann die Momente, in denen ich an mir selbst zweifele und mir Hysterie unterstelle.
Dankenswerterweise fanden wir dann doch eine Übung, die Frau Knie ein müdes „kniiiirsch“ entlockte. Laut genug, um den Herrn Physiotherapeuten aufhorchen zu lassen. Nix Dramatisches. Nur fehlende Muskulatur und ein paar unwillige Sehnen und die eine Narbe ist etwas hässlich.
Nichts, was sich nicht unter einem eleganten Band verstecken ließe.

Ein feines Tape, mit dem ich noch besser duschen, baden und saunieren kann. Und föhnen, falls es mir nass zu kalt ist. Diesmal eben in schwarz und ich bin gerne bereit, an seine Wirksamkeit zu glauben.
Ansonsten habe ich beschlossen, Frau Knie erneut zu ignorieren und erst im Winter nachzufragen, wie es ihr geht. Weil jetzt, wo es draußen warm ist, hat sie gefälligst Muskeln zu kriegen und zu funkionieren.
Weil ich hier schon die Leiden der jungen Pia R. ausbreite: Ihren Ratschlag, mal kräftig mit irgendwas auf das Ganglion zu hauen, habe ich indirekt beherzigt, indem ich mir herzhaft die Hand anschlug. Das führte lediglich dazu, dass das Ding jetzt noch größer ist und hübsch schillert. Und ich einen Abend lang mit flauem Gefühl im Magen (weil´s sehr weh tat) auf dem Sofa saß und keinen rechten Spaß an GA und PP hatte. Ich lasse es rausschneiden und einschicken. Scheint mir doch die allerbeste Lösung zu sein.
Und das ultimative Highlight des Tages, wenn Sie sich sowieso schon alt und kaputt fühlen, ist, wenn man Ihnen in der Apothe statt Traubenzuckerbonbons eine Packung Antihornhautcreme schenkt. Da helfen nur noch sehr viele leere Kohlenhydrate und eine Menge böses Fett. Ich brauche eine Pizza.
sonniges Kaffeepäuschen
14. April 2010
Es ist jedes Mal eine große Freude: das Umräumen des Kleiderschrankes. Die dicken Winterklamotten kommen in die großen, roten Kisten, Flatterkleidchen, Tops und die Sommerröckchen werden ausgeschüttelt und ordentlich ins Regal eingeräumt. Ich möchte „Hallo lilarotes Hängerkleidchen! Ich freu mich, dich zu sehen!!“ jubeln. Oder „Blümchenrock! Endlich treffen wir uns wieder!“
Entdecke beinahe vergessene Klamöttchen wieder und das Einpacken von den dicken Wollpullis hat was Rituelles: den Winter einmotten.
Und zu jedem Saisonwechsel dann der spannende Moment: was passt noch? Was passt wieder? Was passt zwar, ist aber einfach hinüber?
(Rubrik: Alltagsfreuden, leicht gemacht)
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Manchmal möchte ich sagen:
Hör mal, es nervt mich, dass du dir so sicher bist, die Unterschiede zwischen Frau … äh … Mutti und der echten Pia zu kennen … nur weil wir uns vor zehn Jahren (!) ab und zu getroffen haben. Natürlich ist Frau … äh … Mutti eine andere als Pia. Aber Pia kennst Du nicht mehr. Mach dich mal frei.
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„Frühstücken wir heute bei McDonalds?“, fragte Frau … äh … Mutti heute morgen.
„Könnten wir.“, antwortete der beste Vater meiner Kinder.
Und bevor Sie jetzt entsetzt nach Luft schnappen, weil Frau … äh … Mutti, die immer gegen Tütchenkochen wettert und Biokisten-Abonnentin ist, zum Frühstück ins amerikanische Spezialitäten Restaurant „Unter den goldenen Arkaden“ geht … glauben Sie mir, diesen Dialog führen wir, seit zum ersten Mal vor fünf? sechs? sieben Jahren Frühstück bei McDonalds angeboten wurde. Vor zwanzig Jahren war ich in Amerika und lebte begeistert von den Cinnamonrolls, die es dort gab. (und auch von Tacoshells von Taco Bell´s.)
Als ich vor Jahren las, dass es Frühstück bei McD gibt, war mir klar: das muss ich probieren und vielleicht gibt´s dort ja auch die leckeren Cinnamonrolls. Naja, die Zimtröllchen mache ich jetzt lieber selbst und diese Eier/Schinken/Burger machen mich eher nicht an, naja, und geizig bin ich auch. Geblieben ist also nur der Dialog. Und der ist Synonym für Nähe und Vertrautheit, vielleicht auch Ausdruck für „lass uns wieder was zusammen unternehmen, egal ob Bierchen im Garten hinten trinken oder schick essen gehen“. Und auch ein Beweis dafür, dass das, was man von anderen Menschen aufschnappt, nicht unbedingt verlässliche Rückschlüsse auf deren Art und Leben zulässt.
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Kann bitte mal jemand einen Beamautomat erfinden?
Sie hier?!
13. April 2010
staunte mein Lieblingsorthopäde vor etwa einer Stunde.
Behutsam wurde mein eiskaltes Händchen (die Aufregung!) untersucht und tatsächlich: es ist ein Ganglion.
Als alter Profi ließ ich direkt eine ungefähr zehn Zentimeter (mindestens! ungefähr. beinahe …) lange Nadel in meinen Finger bohren. Punktieren kenen ich ja schon von Frau Knie. Leider kam da gar nix raus. Weder Gelenkflüssigkeit noch Blut noch Spinneneidotter.
Und weil das Ding ja eben stört und größer wird und niemand Knubbel am Finger haben soll, wird es nächsten Donnerstag herausgeschnitten. Und ich hoffe, dass ich zusehen darf.
(„Wie es ihrem Knie geht, frage ich erst gar nicht, oder?“ , sprach Herr Orthopäde. Entweder liest er mein Blog oder ich humpele sehr auffällig.)
