Oooohm! Oder so.
19. Februar 2010
Ich würde gerne schreiben, dass mich das Fasten zu einem besseren Menschen macht. Zu einem entspannten, gelassenen, geduldigen und von irgendwas irgendwie erleuchteten Menschen.
Nun. Dem ist nicht so.
Ich bin viel zu schnell von null auf hundert, extrem ungeduldig und meine Reizschwelle ist nicht mehr vorhanden. Lautstärke kann ich nur sehr schwer ertragen, Rumgewusel ebenfalls nicht. Das bedeutet, dass ich mich im Alltag schwer zusammenreissen muss, um die Kinder nicht an den nächsten Wanderzirkus zu verkaufen. Obwohl sie nicht anstrengender sind als sonst. Es liegt schlicht an mir.
Wahrscheinlich ist das der Grund, weswegen viele Menschen sich zum Fasten in eine ruhige Umgebung zurückziehen. Eigentlich ist man so sehr mit seinem Körper beschäftigt, dass kein Raum für andere Menschen bleibt. Wenn mich zum Beispiel ein Hüngerchen anfällt, dann kann ich keine Kinder um mich herum gebrauchen die mir erklären, was sie unbedingt aus dem neuen fit-z-Katalog brauchen, um den Sommer überleben zu können. Dann will ich langsam und bewusst eine Tasse Tee trinken und in mich hineinhören, ob Hunger in mir grummelt oder schlicht Esslust. Und ich muss in Ruhe Verträge mit mir aushandeln, die alle nur aussagen, dass ich sofort dieses Experiment abbreche, wenn ich mich mies fühle.
Mir ist also nicht nach Ablenkung zumute, sondern nach Erspüren, Grübeln und Aushalten.
Leise hoffe ich, dass ich in den nächsten Tagen ruhiger werde, weil ich kann mich selbst nicht leiden, wenn ich eine Xanthippe bin.
Tag 3 des Fastens
19. Februar 2010
und ich vermelde erfreut: die Kopfschmerzen haben sich verabschiedet.
Stattdessen habe ich ungeahnte Energien in mir entdeckt und die passende Kraft dazu gefunden.
Beim freitäglichen Kaffeeklatsch (für mich nur Tee) mit der Mutter der allerbesten Tochterfreundin gesellte sich ein laut knurrender Magen zu uns an den Tisch. Der ließ sich aber mit einem Glas Tomatensaft vertreiben.
„Wie lange willst du fasten?“, fragt die Mutter der allerbesten Tochterfreundin und das kann ich gar nicht so genau beantworten. Mindestens sechs Tage, heute wäre dann also Halbzeit. Wenn ich mich wohlfühle auch länger, längstens zwei Wochen.
Es geht mir ausgesprochen gut. Einzig der Gedanke an das anstehende Kochen für die Kindelein heute mittag entzückt mich nicht allzu sehr. Das hat aber nicht unbedingt mit dem Fasten zu tun, sondern viel mehr mit der Tatsache, dass ich heute eher unkreativ am Topf bin und den Nudeljoker diese Woche schon zweimal ausgereizt habe. Und Pfannkuchen gab´s auch schon.
Was meine „Ernährung“ anbelangt: ich trinke am Tag ca. vier Liter Tee (morgens eine Kanne Rooibostee, danach eine Kräutermischung). Das klingt sehr viel, aber ich trinke auch in normalen Zeiten sehr viel. Wenn der Magen knurrt, trinke ich Tomatensaft. Oder Karottensaft. Oder Gemüsesaft. Nicht mehr als einen Dreiviertelliter. Und zum Aufstehen ein Glas Orangensaft, wie jeden Morgen. Insgesamt habe ich eine Kalorienzufuhr von etwa 200 Kalorien. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Körper alles bekommt was er braucht. (auch wenn er behauptet, er bräuchte auch Kaffee)
Angeblich braucht man beim Fasten weniger Schlaf. Das kann ich noch nicht behaupten. Ich gehe spätestens um zehn ins Bett, lese maximal noch eine halbe Stunde und schlafe dann gut acht, neun Stunden tief, fest und erholsam. (Es sei denn es prügeln sich zwei durchgeknallte Katertiere direkt vor meiner Schlafzimmertür, morgens um halb vier. Dann werde ich doch wach, knurrend.)
Heute morgen nach dem Aufstehen stieg ich wieder auf meine doofe Waage, die mir erneut erzählte, ich habe zugenommen. Nach dem Nullen behauptete sie, ich habe kein einziges Gramm abgenommen. Und später, als ich mich beim Badputzen mit Jeans und Hausschuhen trotzig draufstellte, jubelte sie über den Verlust von zwei Kilos. Zahlen gibt es also keine verlässlichen, doch die weite, gemütliche Jeans kann ich herunterziehen, ohne sie öffnen zu müssen.
Faszinierend. Und erschreckend.
18. Februar 2010
100ml schwarzr Kaffee, lauwarm und die Kopfschmerzen sind weg.
An Stelle der Kopfschmerzen: Energie.
(und die Sonne ist auch da!)
Zwölf Stunden Schlaf später:
18. Februar 2010
ein frohgemuter Sprung auf die Waage: + fünf Kilo.
Das wunderbare weiße Modell aus dem blaugelben Möbelhaus neigt dazu, sich über nacht heimlich zu verstellen, so dass manche unerklärliche Gewichtsabnahme eigentlich doch ganz leicht erklärbar ist. Deshalb hielt sich mein Schrecken in Grenzen und ich nullte die Waage, bevor ich erneut draufstieg. Ein Kilo weniger. `ne Menge Wasser weg.
Eine weitere Bestandsaufnahme ergab: keinen Hunger, aber für einen Kaffee begänge ich einen Mord. Einzig die Kopfschmerzen halten mich vom Gesetzesbruch ab und ein Tässchen Tee im Bett geht ja auch. Feste Nahrung gab´s auch in Form meiner täglchen Eisenration und einer Schmerztablette. Und ein Glas O-Saft, nicht fasten-konform, aber wichtig für die Eisenaufnahme.
Das Wetter da draußen ist vor allem eins: nass. Das motiviert kein bißchen zu Aktivitäten an der frischen Luft und eigentlich hatte ich ja auch gar keine Zeit dafür. Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib meldeten nämlich heute morgen das jüngste Kind an der weiterführenden Schule an. Das dauerte ewig und als es zur Pause klingelte, öffnete der Hausmeister sein Budchen. Diesem entströmte ein gar köstlicher Duft nach Käsebrötchen und irgendwo im Lehrerzimmer brodelte eine Kaffeemaschine. „Fasten wird überbewertet“, schoss mir durch den Kopf. Aber ich bin ja meistens konsequent, „stur“, würde der beste Vater meiner Kinder wahrscheinlich ergänzen, und deshalb mache ich weiter. Weil ab dem dritten Tag wird´s ja auch ganz toll. Bestimmt.
Jetzt, endlich wieder daheim, werde ich mindestens einen Liter Tee trinken und mein Fitnessprogramm in Form von Hausarbeit absolvieren. Die Kindelein sind an die Großeltern verkauft und werden nicht vor heute abend zurück erwartet. Eine Menge Zeit für mich und ich glaube, die brauche ich heute auch.
Ich hätte da mal ein Hüngerchen.
17. Februar 2010
So viel Tee kann ich gar nicht in meinen schmollenden Magen hineinschütten, dass dieser nicht mehr unfreundlich vor sich hingrummelt. Der Kopf zieht nach und meldet das, was ich schon öfter in Abstinenzzeiten erlebt habe: Koffeinentzug. Jetzt einen Kaffee! Mit viel Milch, bitte. Und einen Käsekuchen dazu.
Nix gibt´s. Doch – Kräutertee. Und heute abend ein Glas Tomatensaft.
Das Hungergefühl ist übrigens gar nicht mal das Schlimmste, auch nicht das Kochen für die liebe Familie. Schwieriger finde ich es, die eigenen Gewohnheiten zu durchbrechen. Ich bin nämlich so eine Koch-Nascherin. Hier mal ein Fitzelchen Schinken, da ein Stückchen Käse und beim Abschmecken gleich noch einen Löffel voll, nur um sicher zu gehen, ob das wirklich lecker ist. Und dann noch einen, WEIL das lecker ist. Böse Sache, das. Jedenfalls dann, wenn man es nicht mehr machen will.
Beim Abräumen einer halbgeleerten Auflaufform (Nudeln/Schinken/Wirsing/Käse) ertappe ich meine Finger im Pinzettengriff um eine besonders ansehlich gebackene, goldbraune Nudel. Nix da. Hier wird gefastet.
Zum Fasten gehört ja auch diese Darmentleerungssgeschichte und die ist kein reines Vergnügen, weswegen ich mir und Ihnen explosive Details erspare. Nur so viel: Glaubersalz wirkt durchschlagend und es wird nicht empfohlen, während des Abführungsprozesses zu lachen.
Heute war ich also mehr oder weniger ans Haus gefesselt, um in Sekundenschnelle zur Toilette sprinten zu können. Morgen aber werde ich mich um das Fastenzusatzprogramm kümmern: Bewegung an der frischen Luft. Kochen muss ich wohl nicht, da die Kindelein von Opas Pfannkuchen schwärmten und von ihrer großen Sehnsucht nach Oma/Opa-Verwöhneinheiten. Wie könnte ich diese verweigern?
Statt Käsekuchen wäre mir auch ein trockener Keks recht. Gerne ein Dinkelkeks, obwohl ich um die sonst eher einen großen Bogen mache. Oder eine Banane. Die liegen nämlich so gelb lächelnd in der Obstschale.
Na gut. Ich hebe meine neun-Kräuter-Tee-Mischung und warte auf die Fasteneuphorie, die angeblich spätestens ab Tag drei über mich hineinbricht, zu ungeahnten Energieschüben und Ideenausbrüchen führt und mir zeigen soll, dass es sinnvoll ist, einfach mal nix zu essen.
Und zum Jammern hab ich ja das Blog :)