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17. Dezember 2009
Also der Mond ist wohl nicht schuld daran, dass ich nicht schlafen kann. Ist ja gar keiner da.
Da geht man brav um elf ins Bett, weil man am nächsten Tag vielleicht mal drei Minütchen an der Stickmaschine übermütig sein will und dem besten Vater meiner Kinder drei Stunden in der Firma gönnen will und noch einen ganz kurzen Abstecher ins blaugelbe Möbelhaus wagen will (wegen der Bettwäsche, die das Töchterlein sich so innig wünscht) und steht eine Stunde später glockehellewach wieder auf.
Nur um dann im kalt werdenden Wohnzmmer rumzusitzen und dummes Zeug in die Eingabemaske zu tippen.
Ich bin nicht für die Vernunft geboren, scheint mir.
Von den Socken
16. Dezember 2009
In der Grünen Villa laufen zehn Füße herum.
Größe 36, Größe 39, Größe 40, Größe 42, Größe 43
Alle diese Füße sind im Winter mit Socken bekleidet, insbesondere die männlichen Füße mit schwarzen Socken.
Socken gibt es häufig in praktischen 5er-Packs, 35-38, 39-42, 43-45. Nach dem Waschen haben alle die Einheitsgröße 41, die niemandem hier passt.
Behalten sie ihre Größe sogar nach einer Fahrt durch den Trockner, beginnt eine neue Herausforderung: das paarweise Zusammenlegen. Beziehungsweise das Finden der passenden Paare. Es gibt nämlich schwarz in verschiedenen Abstufungen und nein, das ist nicht pingelig von mir. Es gibt dunkles, reines, tiefes Schwarz, das Schwarz ganz neuer Socken. Dann gibt es das ins Graue spielende Schwarz alter Socken. Und dieses Grauschwarz hat wirklich viele Variationen. Hellschwarz und Dunkelschwarz gibt es zwar nicht, aber manche Socken sind eben so und sind damit garantiert kein Paar. Das geht nicht gut.
Manche schwarzen Socken haben ein höheres Bündchen, bei anderen ist der Gummi oben etwas breiter und manchmal bleiben eine Socke in Größe 36 und eine in mindestens 45 übrig. Diese beiden dann hemmungslos zu verpaaren und in irgendeine Sockenschublade zu schmeissen … so skrupellos bin ich nicht.
Manche Socken haben eine etwas dünnere Ferse, andere beinahe ein Loch im Zehenbereich, die werfe ich dann weg. Ohne zu bedenken, dass da ein Partner alleine zurückbleibt. Sind Socken wie Schwäne, die sich nur einen einzigen Partner für´s Leben suchen? (Verzeihung, ich weiß nicht, was da mit mir passiert. Schwarze Socken haben natürlich nichts mit weißen Schwänen zu tun, auch wenn Schwäne von Natur aus dunkle Füße haben.)
Meine schwarzen Socken erkenne ich übrigens sofort, denn alle haben kleine Snoopys, Woodstocks, Klarabellas, Hello Kittys (heuteistmirnixpeinlich) und Micky Mäuse unterm Sockengummi.
Und obwohl der beste Vater meiner Kinder durchaus den Vorteil darin erkennt, weigert er sich strikt, ähnliche Socken zu tragen. Wochentage gehen auch nicht, wahrscheinlich ahnt er, dass er Stress bekommt, mit Mittwochssocken an Sonntagsfüßen, seine Frau ist da eigen.
Das jüngste Kind ist zwar weitestgehend modisch unschuldig, wehrt sich aber gegen Snoopysocken, das große Kind reagiert mit Vorschlägen diesbezüglich, indem er mir diesen Teenieblick (Oberlippe schief hochgezogen und finsterer Blick unter zusammengezogenen Augenbrauen, etwa so) zuwirft und den Raum verlässt.
Töchterlein verzichtet freiwillig auf schwarze Strümpfe. Stattdessen trägt sie alle Farben des Regenbogens an ihren Füßen, am liebsten aber die Socken aus meiner Schublade und zwar immer die, die am besten zu meinem Tagesoutfit oder-befinden passen würden. Und von den tollen gepunkteten Socken hat sie sich direkt die beiden Paare in türkis/pink, bzw. pink/türkis unter den Nagel gerissen. Weil das nämlich eine supersüße Idee ist, wenn ihre allerbeste Freundin und sie je einen pink/türkisfarbenen und einen türkis/pinkfarbenen Strumpf tragen. (liebe Mutter der besten Tochterfreundin, Du weißt davon noch nichts, weil Töchterlein diese witzige Sockenkombination Deinem Töchterlein zu Weihnachten schenken wird.)Meinen Vorschlag, sich doch öfter in der ewigen Singlesockenkiste zu bedienen, weil dort fänden sich noch witzigere Zusammenstellungen, wurde abgeschmettert. Mit diesem „Mamaaaa!“-Laut, so genervt-geleiert.
Leider habe ich mich nun im eigenen Text verloren und weiß auch nicht mehr so recht, was ich der Welt eigentlich mitteilen wollte oder ob ich gar eine Frage hatte.
Socken halt. Ewige Probleme mit Socken, kennt jeder. Musste halt mal erzählt werden.
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Vierzehn Gedankensprünge weiter frage ich mich, ob mit Unterhosen, auf denen Monatsnamen stehen, eine goldene Nase zu verdienen wäre? (wobei Nase in diesem Zusammenhang auch schon wieder ganz furchtbar ist)
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Wird Zeit, dass ich wieder voll einsatzfähig bin und keine Zeit für komische Ideen mehr habe.
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Und wenn ich hier rumjaule, dass alles gerade ganz doof ist, dann schaut mich der beste Vater meiner Kinder mit diesem Blick an und sagt: „Ohja, Liebste, du hast völlig recht. Es ist ganz doof, dass dein Knie nicht mehr weh tut und du es noch ein bißchen still halten sollst, damit das so bleibt.“
Das nimmt dem Jammerschiff den Wind aus dem Segeln.
spannend.
16. Dezember 2009
Ob die Cousins aus Rom bereits am Montag zu uns kommen oder doch erst an einem der Feiertage, ob der Schwager mit der Schwägerin und dem Mädchenbaby am ersten oder zweiten Feiertag kommt und bei uns übernachtet und wie lange die Cousins überhaupt bei uns wohnen und ob das eine Weihnachtsessen bei uns stattfindet oder bei den Schwiegereltern und wer es zubereitet … das ist alles noch nicht geklärt. Aber es ist ja auch noch ganz lange Zeit.
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Immerhin hatte ich klare Vorstellung, wie meine Weihnachtskarten aussehen sollen: schlicht und dezent, edel und einfach. So wie ich halt.
Weswegen nun ein Berg von Stoffresten, Pailetten, Zackenlitze und Glitzerstiften vor mir auf dem Tisch liegt, ist mir ein Rätsel. Wer hat das da hingelegt?
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Bisweilen liest sich ja zwischen den Zeilen, dass Frau … äh … Mutti ein gestörtes Verhältnis zu größeren Menschenansammlungen und Druck jeder Art hat. Damit habe ich mich arrangiert und übe mich in Konfrontationstherapie. Nicht neu im Neurosen-Sortiment, aber nun endlich als Problem artikuliert ist das „ich habe so viele tolle Ideen und Einfälle und ich packe den ganzen Kram in ein Päckchen und schicke es Dir sofort zu“. Ideen und Einfälle sind da, meistens auch schon in handfester Form. Doch es scheitert am Einpacken. Und am Wegschicken. Und obwohl ich immer ein Päckchen vor Augen habe, in dem viele kleine, liebevoll eingewickelte Kleinigkeiten liegen, ich krieg das nicht hin. Sitze wie gelähmt im Nähzimmer und denke: „jetzt aber. Los. Pack das ein. Such einen Karton. Mach jetzt. Stell den Computer weg. Leg das Buch hin. Pack ein, bring weg, TU ES EINFACH.“
Geht nicht. Ich schiebe auf und verdränge und vertröste und bin doof.
Genau wie jetzt. Denn eigentlich sollte ich schlichte, elegante (opulente, pompöse, überladene, kitschige) Weihnachtskarten basteln, diese beschriften, eintüten, verschicken. Und ein Päckchen auch. Und einen dickeren Umschlag. Und überhaupt. Weil ich mich freue, wenn sich andere freuen. Weia.
Sie lasen: hysterisches Vorweihnachtsouting.
Was ich noch so erzählen wollte:
15. Dezember 2009
Ich bin es gewohnt, dass Orthopäden bei mir ungewöhnliche Dinge feststellen und sich dazu mit gerunzelter Stirn äußern.
Nicht gewohnt und erfrischend neu ist, dass die mich heute untersuchende Orthopädin ihren Mann (der mich operiert hat) mit den Worten „Na, der wird sich aber freuen!“ ins Behandlungszimmer ruft. Und er freute sich wirklich. Das Knie ist schlank, ohne jede Flüssigkeitsansammlung. Die Kniekehle lässt sich bis auf die Unterlage drücken, die Ferse sich an den Hintern drücken (was nichts über die Ausmaße meines Hinterns aussagt, sondern nur Erfreuliches über die Beugefähigkeit des Knies!). Alles ist einfach nur: prima!
Mit strenger Miene und nachdrücklichem Ton ermahnte man mich zweistimmig zur Schonung, denn auch wenn Frau Knie Bäume ausreissen und Himmelstreppchen erklimmen will, muss sie dennoch erst heilen. Im Haus darf ich mich ohne Krücken bewegen, ausserhalb soll ich sie unterstützend benutzen. Noch so zwei Wochen. (Frohe Weihnachten, Frau … äh … Mutti!)
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Ich habe beschlossen, den Winter zu lieben.
Das ist rational nicht wirklich zu erklären, doch ich habe mir eingestanden, dass diese ganze Kälte ihren Reiz hat. Nicht nur weil sie rote Wangen und funkelnde Augen zaubert, sondern auch weil sie nach vielen bunten Schals und Mützen verlangt. Mag ich beides. Und dicke Strumphosen/Overknees/Stulpen zu Röcken mit Stiefeln sind einfach mein Winterding.
Ganz toll finde ich diese Spannung am Morgen, wenn ich den Rolladen hochziehe: Schnee?
Also: Winter ist toll. Erinnern Sie mich gegebenenfalls an meinen Vorsatz.
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„Wer ist eigentlich Oma Eis?“, las ich neulich bei Mme Ouvrage.
Es gibt sie tatsächlich und sie ist keine anonyme Frau … äh … Mutti.
Oma Eis ist Frau … äh … Muttis Mutti:

Die hinreissenden Bestien erfanden den Namen „Oma Eis“, um sie von der anderen Oma, meiner Schwiegermutter, unterscheiden zu können. Erleichternd bei der Auswahl des Namens war, dass meine Mutter seit vielen Jahren regelmäßig einmal in der Woche zu Besuch kommt. Früher tat sie das, damit ich ihr mein Leid und Elend mit den klitzekleinen Kindelein klagen konnte, heute nähen wir zusammen (klagen klappt aber immer noch). Nicht geändert hat sich auch, dass Oma Eis etwas mitbringt. Früher brachte sie immer Eis mit, deshalb „Oma Eis“. Weil die Kindelein nicht so sehr große Eisfans sind, schwenkte sie um auf Kaffeestückchen, doch „Oma Kaffeestückchen“ wollte sich nicht so recht durchsetzen, zumal das jüngste Kind damals noch seinen entzückenden Sprachfehler auslebte und der Name dann „Oma ´affee´ ückchen“ gelautet hätte.
Oma Eis bringt jetzt immer Brötchen mit. Und Fleischwurst. Doch das Eis bleibt kleben.
Alle Klarheiten beseitigt?
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Das große Kind wünscht sich eine große Lavalampe zu Weihnachten. Find ich total klasse.
Das Töchterlein wünscht sich mein Nähzimmer zu Weihnachten. Kein Zimmertausch, ich bin grausam.
Das jüngste Kind wünscht sich ein PfeilschießdingsmitLicht. Die Erzieherin in mir fällt in Ohnmacht.
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Nächste Woche ist Weihnachten. Kann mich mal jemand kneifen?
Vielfraßig.
14. Dezember 2009
Mit dem besten Vater meiner Kinder gemeinsam ein Kilo Maronen gegessen.
Zwar als Abendessen, ohne sonstige störende Beilagen wie zum Beispiel ein schwerer Salat, aber dennoch: ein Kilo.
Das halbe Kilo, das nun in meinem Bauch liegt und ab und zu noch kleine Rülpserchen nach oben schickt, wird morgen für weitere zwei Kilos auf meinen Hüften gesorgt haben.
Ich liebe Maronen. Vor allem das aus der Schale pellen. Auch wenn ich mir die Schal immer unter den Fingernagel haue. Das schmerzt auch am nächsten Tag noch.
Börps. Bin ich satt.