2:1
26. August 2009
„Also ich sehe das schon so, dass da dringend was gemacht werden muß.“, sprach der Orthopäde, dessen Namen ich leider nicht aussprechen kann, weil er so lang und indisch ist, „Aber vorsichtshalber hole ich mal einen Kollegen dazu. Denn momentan steht ja Meinung gegen Meinung.“
(ein Hoch auf Gemeinschaftspraxen)
Der Kollege sah es genauso. Und erklärte obendrein sehr anschaulich und plausibel, warum möglicherweise bei der ersten OP das eigentliche Problem nicht behoben wurde:
„Der Riss ist hinten innen am Menikus, wenn man so“, er bohrt seinen Kuli ins Plastikmodell, „reinschaut, sieht man das nicht. Man müsste mit einem Haken den Meniskus anheben, dann sähe man den Riss.“
Ausserdem erklärten beide, dass man höchstwahrscheinlich zwei Drittel des Meniskus´ erhalten könne, dass eine OP empfehlenswert sei, da die Verletzung sicherlich fortschreite und dass ich offensichtlich Schmerzen habe.
OP-Termin: Montag, 07.09.09
Bin ich jetzt erleichtert? Oder ängstlich? Oder gefrustet?
Keine Ahnung was ich bin.
Erleichtert sicherlich in der Hinsicht, dass ich wohl kein Hypochonder bin. („bist ´ne geschickte MRT-Bilder-Fälscherin“, stichelt der beste Vater meiner Kinder)
Ängstlich auch ein bißchen. Eine weitere OP, diesmal in Vollnarkose. Weitere Schmerzen, weitere Wochen mit und an Krücken, weitere Narben. Ich erwäge, mir einen Reissverschluss ins Knie einnähen zu lassen. Für alle Fälle. Der beste Vater meiner Kinder schlägt diese Aufblasventile vor, die man von Schwimmflügeln kennt.
Und gefrustet? Derzeit nicht. Ich habe beschlossen (erneut) einem Orthopäden mein Vertrauen zu schenken, denn irgendwann muss ich die Suche nach Kompetenz wohl aufgeben. Ich glaube fündig geworden zu sein. Mal schauen, was in acht, zwölf, zwanzig Wochen ist.
Das Mütter-Mantra ist also auch hier anzuwenden: Alles wird gut.
(Danke für Ihre Daumen!)
Unterlagen gerichtet,
26. August 2009
Bilder eingetütet, CD in die Tasche gestopft, Liste überflogen – in einer halben Stunde höre ich die siebenunddreissigste Meinung zum Krüppelknie. Ich werde berichten, unweigerlich.
*****
Ich habe heute nacht geträumt, das jüngste Kind sei in der ersten großen Pause nach Hause gekommen.
„Warum bist du schon da?“, fragte ich das Kind.
„Ich habe vergessen, wieder in den Klassensaal zu gehen.“, antwortete es.
Träume sind manchmal beängstigend real.
*****
Gibt es eigentlich noch „Watcha wearing Wednesday?“
Ich jedenfalls trage heute das gestern abend kurz erwähnte stark abgewandelte RömöRöckchen.

Ursprünglich hatte ich brav in Originallänge (über knielang) zugeschnitten und auch diese beiden Beulen an den Hüften nicht vergessen.
Nach dem ersten Anprobieren war aber schnell klar: eher nicht. Mein gebärfreudiges Becken hatte plötzlich die Ausmaße einesmittelgroßen Plantschbeckens und meine untrainierten Stelzenwaden lugten als dürre Ästchen unter dem Stoff hervor.
Also schnitt ich beherzt 25 Zentimeter ab und milderte die Hüftbeulen. Zumindest die Länge sagt dem besten Vater meiner Kinder jetzt zu, zur Stoffwahl (Restesackbeute aus dem blaugelben Möbelhaus) hat er sich nicht geäussert.
Ich habe, wie immer, eine Nummer zu groß genäht. Allerdings hatte ich, zum Ausgleich sozusagen, vorher zwei Nummern zu klein genäht. Keine Ahnung wie das passieren konnte. Entweder muss ich mich jetzt in den zu kleinen Rock hineinhungern oder ich nähe ihn noch weiter ab und schenke ihn der Mittleren. Die schien nicht abgeneigt.
Das grüne Cordjäckchen flog nach dem professionellen Fotoshooting direkt in die Wäsche, da sich der Joghurtfleck auf der Knopfleiste nicht verleugnen lässt.
*****
Möönsch. Ich bin wirklich aufgeregt. Was der Herr Orthopäde wohl sagen wird?
Miau
25. August 2009
Dienstags sitze ich vormittags immer mit Oma Eis im Nähzimmer. Sie hat heute Ratzfatz-Taschen zugeschnitten, ich habe sie bestickt.
Und während die Maschine ratterte, trudelte eine Mail ins Haus, die mich auch noch am Nachmittag, als glücklich alle Kindelein bei Freunden verteilt waren, ins Nähzimmer zog.
Ein paar Stunden später durfte die Stickmaschine abkühlen und aus dem ehemals knielangen und komisch hüftbeulenden RömöRöckchen wurde ein fescher Minirock.

Die Bude ist chaotisch, doch zum Aufräumen hab ich keine Lust mehr.
Aber für die Tochter musste ich noch rasch was fertig machen.

Ein Katzentier. Ein Katzentier, das die Zunge raustreckt und das ein Beweis dafür ist, dass Frau Rieger auch niedlich kann :-)

Ab Montag, den 31. August gibt es diese Katze und einige mehr (morgen zeige ich Ihnen noch welche) HIER.
gewettert
25. August 2009
Sie tut´s schon wieder, die Mutti, sie schreibt über´s Wetter. Aber – tschuldigung – das geht eigentlich gar nicht, das Wetter. Ich bin mir auch ganz sicher, dass es früher solches Wetter noch nicht gab. Das ist eine neumodische Erfindung, wahrscheinlich ein Virus aus dem Internet.
Wenn man durch die geschlossenen Fenster nach draußen schaut, beginnt man automatisch zu frösteln. Der Himmel ist grau mit einem fahlen Gelbstich, irgendwie leichenfarben. Die Blätter an den Bäumen hängen schlapp herum, die Blütenfarben wirken gedämpft, der Griff nach Fleecejacke und Wollsocken folgt automatisch.
Öffnet man dann Fenster, um den Raummief rauszulassen, wundert man sich ein bißchen. Eigentlich hat man sich auf eine kühle Brise eingestellt. Und in Erwartung dieser Brise die Jacke vor dem Bauch übereinandergeschlagen und die Arme um den Körper gewickelt. Und die Hände in die Jackenärmel hochgezogen.
Die kühle Brise kommt aber nicht.
Statt dessen kommt ein Schwall feuchter Luft in Körpertemperatur, der die Fleecejacke augenblicklich an den Körper klebt und einen Schweißfilm in den Nacken zaubert.
Jede unvorsichtige Bewegung, ein Wimpernaufschlag zum Beispiel, oder das Heben und Senken des Brustkorbs beim Atmen, führt zu weiteren Schweißausbrüchen. Der Schweiß kann aber nicht verdunsten und den Körper kühlen, weil die Luft nasser als der Schweiß ist. Und wärmer.
Der Kreislauf sagt deshalb: „Du kannst mich heute mal gern haben, ich leg mich flach“ und der Kopf sagt „Ohne Kreislauf kneif ich dir von innen in die Schläfe.“ Die Augen pienzen rum, weil sie nicht wissen, ob es eigentlich hell oder dunkel ist und die Frisur ist mir heute auch nicht gelungen. Auch daran ist das Wetter schuld. Wahrscheinlich.
Und wenn jetzt eine gute Fee käme, die mir einen einzigen Wunsch gewähren würde, dann wünschte ich mir: Schlaf. Ein traumlose, durchgeschlafene Nacht, sieben Stunden am Stück süßer Schlaf, dem ein erfrischtes Aufwachen folgen kann. Graues Wetter macht Schlafmangel noch grauenhafter.
Hausfrauenkreuz am Bande
24. August 2009
Und dann wollte ich noch anmerken, dass ich gerade selbstgebrautes Lattwersch nach einem Rezept (hier) von Daniela (Danke sehr!) in Gläser gefüllt habe.
Eine Stunde lang pellte ich Minikerne aus Minipflaumen, zum Glück wurmfrei. Zehn Minuten pürierte und matschte ich das Ganze zu einer feinen Pampe. Vier Stunden heizte der Ofen meine Küche und verheissungsvolle Düfte nach Nelken und Zimt waberten durch´s ganze Haus, während es in der Auflaufform träge vor sich hin köchelte. (und einmal verbrannte ich mir vorkostenderweise die Zunge, aber das gehört so.)
Da ja niemand ausser mir Lattwersch mag, habe ich nur etwas über ein Kilo Pflaumen verwurschtet. Und weil ich so arg figurbewusst bin, habe ich nur ganz wenig Zucker rein gepackt. Zweieinhalb Gläser Lattwersch gab´s. Der Geruch ist fantastisch und ich bin mir sicher, dass das saure Zeugs nicht nur auf frischem Roggenbrot köstlich schmeckt, sondern wahrscheinlich auch noch rostige Gartenwerkzeuge abbeizt und verstopfte Abflüsse freiätzt. Ein bißchen mehr Zucker wäre ok gewesen.
Ein Glas schenke ich der Freundin, die nie Zeit hat, damit sie wieder Germknödel machen und mich einladen kann. Ich bin so uneigennützig.