weg

7. März 2008

mit alten Zöpfen. Oder so ähnlich.

Ich würde mich gar grässlich fürchten, hätte mir nicht eine klitzkleine mail von Frau Düne ein breites Grinsen ins Gesicht gemalt. Danke, Sie Liebe! Und ja, ich denke an Sie.

Noch 28 Minuten.

Frühling auf dem Sofa

5. März 2008

Nach dem tragischen Verlust der alten, wunderschönen Sofakissen und nach ausgiebiger Trauerzeit, ratterte die Nähmaschine und das Sofa erstrahlt in neuem Glanze:

Die allerheiligsten Stoffe wurden verarbeitet. „Allerheiligst“ weil es sie nicht mehr gibt. Der rosafarbene und der grüne Cordstoff sind aus dem blaugelben Möbelhaus. Vor fünf, sechs Jahren kauften die allerliebste Freundin und ich dort ein, sie rosa/grün, ich blau/orange. Die Stoffreste der allerliebsten Freundin durfte ich nun verarbeiten.
Der braune Stoff mit den Blumen ist aus der vorletzten Kollektion des Schweden, der gestreifte aus der aktuellen.

Liebe IKEA-Designer,

wäre es Euch vielleicht möglich, für die nächste Stoffkollektion etwas weniger tief in den Farbtopf zu greifen und auch das Muster etwas weniger „wild“ zu gestalten?
Oh ja, Cord! Bitte wieder Cord im Sortiment aufnehmen.

Der nächste Härtetest der Kissen steht an, nachdem sich das Tigertatzikatzi mit schlammigen Pfoten für ein Nickerchen auf dem größten Kissen niederließ. Immerhin habe ich keinen roten Samt verwendet … auch wenn die Versuchung groß war.

Die Idee, Kissenbezüge aus vielen unterschiedlichen Stoffstreifen zu nähen (und diese dann aufwändig abzusteppen) hatte Lisa Congdon, in diesem Buch zeigt sie zwei entzückende Beispiele.

damals …

5. März 2008

Das Schlunz

Das Schlunz zeichnet sich durch völlige Antriebslosigkeit und mangelnde Eigeninitiative aus. Es neigt dazu auf dem Sofa zu hängen und „Mir ist sooo langweilig“- Gemecker von sich zu geben.

In den Kindergarten möchte es nicht, weil da alles doof ist. Aber abgeholt werden möchte es auch nicht: „Warum bist du schon da?“

Wenige Minuten, nachdem es „satt*“ vom Mittagstisch aufgestanden ist, steht es jammernd und vor Hunger brüllend vor dem Kühlschrank.

Abends ist es niemals müde, wohl aber dann, wenn es eine längere Strecke laufen soll.

Das Schlunz bevorzugt labberige Klei­dung, mindestens zwei Nummern zu groß, bunt bedruckt mit Sesamstraßen-Motiven und Hosen mit Gummizug. Der Versuch, ein Schlunz in eine Jeans mit Knopf und Reißverschluss zu stecken ist sofort zum Scheitern verurteilt; die Hose ist zu schwer und der Knopf drückt, unabhängig davon, welche Größe das ausgewählte Modell tatsächlich hat.

Die Lieblingsbeschäftigung des Schlunz ist das zur-Weißglut-Treiben der eigenen Eltern. Hierzu dienen nicht nur die oben beschriebenen Verhaltensweisen, sondern auch immer mehr das schlichte Wörtchen „warum“, der Abwechslung halber auch „wieso“ oder „weshalb“. Fällt eines dieser Worte, dann ist Geduld und meistens umfassendes Wissen gefragt – es wird bis zur Erschöpfung (der Mutter) diskutiert. Die Funktionsweise einer Kläranlage wird rasch beim Mittagessen abgehandelt, danch widmen wir uns der Krebsheilung.

Das Schlunz ist ungeheuer aufgeweckt und klug, weiß dies aber geschickt durch schlaffe Körperhaltung zu tarnen.

*nichts außer Nudeln, bitte

Über sieben Jahre nach Entstehung des Textes (und Bildes):

Das Schlunz ist ein Schlacks geworden. Er hat lange Arme und lange Beine mit viel zu vielen Gelenken darin, weiß manchmal garnicht, wie er diese schlenkernden Teile koordinieren soll.
Die Sache mit der Antriebslosigkeit ist nicht ausgestanden, noch immer braucht das Kind den einen oder anderen Schubs. Seine Wissbegierde und Intelligenz helfen ihm in der Schule, trotz Minimalaufwand sind seine Leistungen gut.
(Der Speiseplan hat sich auch ungemein erweitert, selbst verdächtige Dinge wie Blumenkohl oder Lauch werden mittlerweile als Nahrungsmittel akzeptiert)

Der Große und ich sind zwei ganz verschiedenen Menschen. Er ist ruhig und besonnen, ich hibbele und zappele und bin die Ungedulg in Person. Ich bin neugierig, was die kranke Freundin hat, der Große bringt dem kranken Freund die Hausaufgaben und weiß hinterher nicht, was dem Freund fehlt. Mich zieht es bei Sonnenschein nach draußen, der Große schließt die Rollläden. Der Große liest eine Ballade zweimal durch und kann sie auswendig, ich lese sie zweimal durch und weiß nicht mal mehr die Seitenzahl, damit ich sie ein drittes Mal finde.
Das Leben mit dem Großen ist spannend für mich, gerade jetzt, wo die Pubertät Seiten zum Vorschein bringt, die mir an ihm gänzlich neu sind.

damals …

4. März 2008

Das Motz

 

Das Motz ist in den besten Familien anzutreffen.
Rein äußerlich gibt es keine besonderen Merkmale, so dass unbedarfte Menschen dazu neigen, das Motz als „niedlich“ und „süß“ zu bezeichnen. Tatsächlich ist das Motz auch in der Lage diesen Aussagen zu entsprechen, unserer Meinung nach jedoch aus reiner Berechnung.

Wie verhält sich das Motz?

Seine Äußerungen sind in der Hauptsache:

„NEIN!“

„DOCH!“
„(will) aber…“

„alleine machen“

„DAS GEHT NICHT!“
Da diese Äußerungen meist sehr laut und schrill getan werden, ist es nicht schwer, das Motz zu finden, sofern man das wirklich möchte.

Außerdem sieht man das Motz häufig, mit Händen und Füßen strampelnd, bäuchlings auf dem Boden liegen. Das Motz bevorzugt dabei
a) stark befahrene Strassen,
b) Supermärkte oder
c) Garderoben in engen Fluren kurz bevor
a) der Kindergarten beginnt,
b) der Zug fährt oder
c) ein Arzttermin ansteht.

Ein Motz beruhigen zu wollen ist ein lobenswertes Vorhaben, aber das ist der Vorsatz “nie wieder esse ich Schokolade” auch; mit anderen Worten: es ist unmöglich.

Auch hier behaupten Gerüchte, dass es sich lediglich um Phasen handelt, allerdings schweigt „man“ sich über die Länge der Phasen aus… nahtlos bis zur Pubertät?

Über sieben Jahre nach Enstehung des Textes (und des Bildes):

Es wird nicht mehr gemotzt, aber bei Gelegenheit geschmollt. Der „starke Wille“ aus dem Trotzalter hat sich in (manchmal übergroßen) Ehrgeiz gewandelt, die Einsicht, dass manche Fehler selbst verschuldet sind … fehlt immer mal wieder.
Der Wortschatz hat sich zum Glück enorm vergrößert, wird nur noch selten so laut und schrill vorgetragen und mit der vorpubertierenden Tochter sind großartige Gespräche möglich.
Niedlich ist sie immer noch, auch wenn sie das gar nicht gerne hört.

damals …

3. März 2008

Das Ranz

Seit zwei Wochen wird es immer wieder in unserem Garten beobachtet: ein ca. 80 cm hohes, unsicher auf zwei Beinen wankendes Wesen.
Matschbraun, sandgrau und grasgrün gefleckt ist es nur schwer zu erkennen.
Beim näheren Betrachten stellen sich die Tarnfarben als eine zentimeterdicke Patina aus Rotz, Erde, Sand und Rindenmulch heraus, offensichtlich ist das Ranz bestrebt in der freien Natur nicht entdeckt zu werden. Allerdings verrät es sich von Zeit zu Zeit durch laute Freudenjuchzer, zum Beispiel dann, wenn es eine neue Suhle gefunden hat.

In der Hauptsache ernährt sich das Ranz anscheinend von Sandkuchen und Schlammsuppe, wobei es auch diverses Grünfutter und Rindenstücke nicht schmäht.

Ein gefangenes Exemplar setzt sich zur Wehr, indem es Sand, den es in verschiedenen Taschen und Aufschlägen
gesammelt hat, sorgfältig verstreut.

Der Versuch, das Ranz annähernd zu reinigen ist nicht völlig zum Scheitern verurteilt, obwohl größte Wasser- und Seifenmengen nötig werden. Allerdings ist das Ranz bestrebt seinen ursprünglichen Zustand so schnell wie möglich wieder zu erlangen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht, fehlt es an Sand und Schlamm, dürfen es auch Banane, Kalbsleberwurst oder eingespeichelter Zwieback sein.

Die artgerechte Haltung des Ranz erfordert also eine große Dreck-Toleranz und die Bereitschaft mehrmals täglich die Kleidung zu wechseln, auch die eigene.

Bislang noch unbestätigte Gerüchte versprechen eine gewisse „Sauberkeits-Anpassung“ des Ranz‘ mit zunehmendem Alter… hoffen wir das Beste.

Über sieben Jahre nach Enstehen dieses Textes (und des Bildes):

Es gibt eine gewisse „Sauberkeits-Anpassung“, Messer, Gabel und Löffel sind keine fremden Gegenstände und werden sehr gut benutzt. Lediglich Nudeln mit Tomatensoße und Nußnougatcremebrötchen wecken manchmal leise Erinnerungen an die „Patina-Zeiten“, sind aber kein Vergleich mehr.
Hosentaschen und -aufschläge sind nach wie vor Sandsammelstellen und ich vergesse das immer noch und immer wieder, fluche öfter über Sandhaufen in der Badewanne oder auf dem Boden davor.

Mittlerweile wankt das Wesen natürlich nicht mehr und ist gute 50 Zentimeter größer. (die Haare sind immer noch lang und blond)