Paukenschlag und Glockenklang,
4. September 2008
ganz im Trend der Zeit „Heute schon an Weihnachten denken!“ bestellte Frau … äh … Mutti soeben das erste Weihnachtsgeschenk.
Desweiteren gibt es zu vermelden, dass die schwangere Schnecke nunmehr unschwanger ist und ich gerne Eier auf die Reise schicken werde. Alle zukünftigen Schnecken-Züchter mögen sich bitte erneut bei mir melden, da ich sämtliche mails zum Thema verschludert habe. Ähem.
Ich habe mich entschlossen, Eier zu versenden, weil das wahrscheinlich am allereinfachsten ist und weil doch auch die Bindung viel größer wird, wenn man solch ein neugeborenes Schnecklein erstmal in Händen hält. :-)) Ich verschicke jeweils zwei Eier. Sollte da nix schlüpfen, bin ich mir sicher, dass wir mal wieder drei, vier Eier zuviel hätten, die wir dann für einen neuen Versuch abgegen könnten.
Für die Anfangszeit reicht ein Marmeladenglas mit gelochtem Deckel. Oder solch eine Plastikverpackung, wie man sie beim Türken um die Ecke kriegt, wenn man Oliven kauft. Natürlich immer Löcher in den Deckel bohren!
Sind die Schnecklein größer, wohnen sie gerne in diesen großen Plastikdosen, die es im Supermarkt gibt, befüllt mit einer unverschämten Menge von Gummibärchen.
Bei Fragen … einfach noch mal mailen.
So. Zeit für die Weihnachtsdeko den Haushalt.
Doch noch eins. Frage des Tages: Wo kommt diese wirklich große, rosa-weiß gestreifte Plastiktüte von Victoria´s Secrets her? (sie ist SO groß, dass entweder sehr viel drin war oder etwas unschmeichelhaft Großes. Heidis Flügel, eventuell.)
Lieber bunt als brav?
3. September 2008
So steht´s im neuen IKEA-Katalog auf Seite 278.
Stoff, Meterware in weiß, blau, grau, schwarz. Von bunt keine Spur. So wie im ganzen Katalog nicht. Einzig die rote Küche mit der pinkfarbenen Wand leuchtete ins Auge, ansonsten: aschgrau, mausgrau, steingrau, schwarz und weiß.
Die coolen Jugendzimmer mit Platz zum Surfen vernachlässigen den Platz, den Jugendliche zum Erledigen der Hausaufgaben brauchen und die Möbel mit den sonnigen Akzenten sind wunderbar gelb. Ansonsten aber zweckfrei, denn wer braucht einen Beistelltisch mit geschwungenen Beinen? Oder die auf den ersten Blick hübsche Kommode, die aber auf den zweiten Blick … äh … wofür ist?
Nein, Ihr lieben IKEA-Designer, diesmal habt Ihr´s nicht geschafft. Den Katalog hatte ich in zehn Minuten durch, ganz ohne das Bedürfnis, Räume zu streichen, umzustellen oder wenigstens neue Vorhänge zu nähen. Vielleicht begleitet mich IKEA schon zu lange, vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, aber kann es sein, dass im Katalog gar nicht sooo wahnsinnig viele, neue, innovative Möbel, Stoffe, Teller, Tassen, Blumenvasen gezeigt werden? Alles irgendwie schon mal gesehen und wegen vernichtendem „langweilig!“-Urteil aus dem Gedächtnis verbannt.
Eventuell bin ich aber auch einfach zu eigen für IKEA geworden.
mal eben
3. September 2008
das Nähzimmer aufräumen findet nun seit fünf Stunden statt.
Ich bin ein Hamster.
Ich möchte bitte kein Hamster sein.
Ich habe gemistet und mich von vielen Stoffen getrennt, die eh nur im Schrank lagen, weil sie da jemand reingetan hat.
Ich habe merkwürdige Wolldeckenstoffe rausgeschmissen, Polyestersünden und Komisches in komischen Farben.
Ich habe Minifitzelchen weggeschmissen.
Ich habe mich auch von „oh, das brauche ich, falls ich mal eine Applikation mit giftgrünem Frottee machen will“ oder „hm, da könnte ich was draus machen“ oder „ah, interessant, mal sehen, was sich ergibt“ getrennt.
Ich habe die Kommode und den Schrank geleert, entrümpelt und wieder befüllt. Obwohl der Fußboden knöcheltief mit Stoffen und Fetzen bedeckt ist, sind sowohl Kommode und Schrank wieder brechend voll. Da stimmt was nicht.
Jetzt habe ich noch vier Kisten und die Regale über dem Tisch vor mir. Ich gehe ohne Furcht und voller Tatendrang zurück ans Ausmisten. (falls das jüngste Kind jemals mit seinen Hausaufgaben fertig werden wird)
Gefunden habe ich übrigens die Samen für rosa und weiße Bechermalven, die ich diesen Sommer eigentlich gerne in meinem Garten gehabt hätte. Ausserdem vier unvollendete pompaduras, deren Existenz schon lange vergessen war und einen Plüschteddy, den ich mal für die Geburt eines Baby gekauft hatte, das Abschicken dann aber versäumt habe (wahrscheinlich, weil ich das Tier verlegt hatte), das Kind dürfte mittlerweile nahezu volljährig sein.
Sollten mich die Kräfte nach dem Ausmisten der Stoffe nicht verlassen haben (oder das Fieber mit voller Macht zurück gekehrt sein), werde ich mich den Schnickeldi-Regalen, -Schubladen, -Gläsern, -Kisten und -Kästen widmen. Gnadenlos.
(und falls alles schief läuft und ich von Mut und Elan verlassen werden, rufe ich Frau Budenzauber.)
Don´t feed the trolls,
2. September 2008
ja, liebe Frau Ami, Sie haben so recht. (Beifall zum Artikel!)
Aber manchmal … manchmal kommt eine mail, die möchte man ans Licht zerren, weil sie wahrscheinlich das ausspricht, was so viele denken. Und dass es deshalb wichtig ist, dass mal Klartext gesprochen wird.
„Liebe Mutti,
offensichtlich ist ihnen nichts heilig, um Anerkennung in ihrem Blog zu bekommen. Wenn die eigenen Wehwehchen nichts mehr hergeben, dann müssen eben die „Probleme“ der Kinder herhalten. Sie stellen ihre Kinder bloß und lassen ihnen keine Intimsphäre. Sie fragen sich, was ihre Kinder in zwanzig Jahren von ihnen denken? Sie fragen sich das wirklich? Sie werden denken, dass ihre Mutter sich besser um sie hätte kümmern sollen, statt im Blog zu fragen, ob sie Medikamente verabreichen soll. Es ist nämlich einfacher Medikamente zu verabreichen, statt zu erziehen und Zeit für die Kinder zu haben.
Kopfschüttelnde Grüße, XXX“
Es ist eine dieser mails, die mich nicht kalt lassen. Eine dieser mails, die mich (ätsch!) nicht an meinem Handeln, Lebensstil, Blogverhalten zweifeln lassen, sondern eine, die mich darin bestärkt, die „Probleme“ meiner Kinder immer wieder zu thematisieren.
Und zwar deshalb weil ich weiß, dass es da draußen viele, viele Mütter gibt, die genauso wie ich manchmal daran verzweifeln, dass ihr Kind/ihre Kinder so gar nicht dieser dubiosen Norm entsprechen wollen und die deshalb schiefe Blicke und blöde Bemerkungen ernten. Mütter von Kindern, die mit neun Jahren noch einnässen und -koten, ohne dass sexueller Missbrauch, organische Schäden oder massive seelische Störungen vorliegen. Mütter von Kindern, die Hausaufgaben, Fahrkarten, Schlüssel, Zahnspangen, Brillen und die teure Winterjacke vergessen, verlegen, verlieren. Mütter von Kindern, die keine Draufgänger sind. Mütter von Kindern, die eine eigene Meinung haben, einen eigenen Stil und einen eigenen Weg gehen. Mütter von Kindern, die einfach irgendwie auffallen, anders sind, nicht ins Bild passen. Mütter von Kindern, die Medikamente einnehmen, damit sie klarer denken können.
Für diese Mütter (Entschuldigung, auch für diese Väter) schreibe ich hier, in diesem, meinem Blog über diese, meine Erfahrungen über diese, meine Kinder. Ich tue dies respektvoll, ich mache mich nicht über meine Kinder lustig und ich bezeichne sie nicht als „Plagen“ oder „Nervsäcke“ (alles schon gelesen, ja wirklich).
Es ist erstaunlich, dass ein solcher Artikel von mir immer wieder ähnliche Reaktionen hervorruft: ernstgemeinte Ratschäge, wunderbare Diskussionsansätze und Denkanstöße, großartig! Das will ich erreichen. Ich will, dass man lesen kann, dass Kinder nicht perfekt (übrigens: definieren Sie bitte „perfekt“) sein müssen, um dennoch großartige Kinder zu sein. Ich will eine Art Solidarität mit Müttern/Vätern „besonderer Kinder“, so in der Art: zusammen sind wir unausstehlichstark!
Manchmal erreichen mich, auch Wochen später nach einem solchen Artikel, mails, in denen ich persönliche Geschichten, Schicksale erzählt bekomme, die mich schlucken lassen. Irgendwelche Menschen, die mein Blog lesen, schreiben mir aufgrund eines Artikels, schreiben sich ihren Frust von der Seele und immer ähneln sich die Geschichten: Kind nicht perfekt, niemand hat die Nöte ernst genommen, immer allein.
Es gibt virtuelle Umarmungen, Kopfstreichler und gedrückte Daumen, die immer zu gebrauchen sind. Das ist wichtig zum Seeletrösten, denn jeder „offene“ Artikel, gibt viel mehr von mir preis, als ich es zugeben möchte.
Und dann gibt es immer wieder, meistens per mail, die Kritiker. Manche beschimpfend, beinahe pöbelnd, andere sarkastisch. Trolls. Neider. Wasweißich. Armselig. Erbärmlich.
Doch manchmal offensichtlich erfolgreich, denn sonst gäbe es diesen Artikel nicht.
Nur ein Blick,
2. September 2008
nur einmal lunsen möchte ich.
Ganz kurz mal reinschauen in die Zukunft, vielleicht ins Jahr 2030. Ich möchte wissen, ob die Entscheidungen, die wir heute getroffen haben, die richtigen waren. Möchte wissen, ob meine Kinder mich noch mögen. Ob sie sich gerne an ihr Leben bei uns erinnern und ob sie sowas wie „das hat Mama immer gemacht, weißt du noch?“ in ihrem Leben haben.
Ob das jüngste Kind angekommen sein wird? Ob die Mittlere tatsächlich Französischlehrerin geworden ist? Ob der Große in Lebenstil und Aussehen seinem Vater ähnelt?
Werde ich in dort, in der Zukunft, gemütlich zurückgelehnt auf der Gartenbank sitzen und zufrieden sein oder werde ich bereuen und mich mit „ach hätte ich nur“ herumärgern?
Nur ein paar Kapitel vorblättern, gar nicht bis zum Schluss.
Es ist so wahnsinnig quälend, wieder einmal entscheiden zu müssen.
Ok. Keine Kryptik.
Dinkelmamas, Impfgegner, Zuckerkugelfans und kategorische „Medikamente für Kinder“-Ablehner lesen an dieser Stelle nicht weiter.