Wie sag ich´s den Kindelein?
25. August 2006
„Liebe Kinder, wir fahren nicht auf´s mittelalterliche Fest, weil Regen, Sturm und sibirische Kälte gemeldet sind. Stattdessen wollen wir die Halle aufräumen! Freut ihr euch?“
oder
„Liebe Kinder, wollt ihr nicht auch wissen, was hinten links in der Halle gestapelt ist? Spannend, nicht wahr? Morgen finden wir es heraus … weil wir fahren nicht nach Manderscheid. Da regnet es sowieso.“
oder
„Liebe Kinder, das Wetter ist doof, alles ist doof, deswegen müssen wir daheimbleiben und die Halle aufräumen!“
oder
„Liebe Kinder, wer hilft morgen mit, beim Aufräumen der Halle? Wie? … mittelalterlicher Markt und Zelten? Es ist doch schlechtes Wetter gemeldet, lest ihr denn keine Zeitung?“
mistmistmist. Ich würde ja auch lieber nach Manderscheid fahren.
Kitsch as Kitsch can
24. August 2006
Frau Jette ist entsetzt: Frau … äh … Mutti steht auf Kitsch.
Aber mal ehrlich, wer noch?
Zeigen Sie mal her, Ihr kitschigstes Teil. Und schreiben Sie, warum Sie es mögen.
Ist wohl so ´ne Art Stöckchen und deshalb werfe ich das mal ganz dreist zur Frau Hofgeschnatter, zur Frau Miest und zur Frau Brüllen.
Und wer mag noch?
so pink
24. August 2006
Garten – Stichworte
24. August 2006
– die Tomaten haben die Braunfäule und wurden mit Stumpf, Stiel und Wurzeln entsorgt.
– drei grüne Tomaten ohne Fäuleflecken liegen zum Nachreifen auf der Fensterbank
– die Birnen haben komische Punkte und eine verhärtete Schale
– ein gutes Dutzend perfekter Birnen liegen zum Verzehr in der Obstschale
– fröhliche Würmer winken aus den Äpfeln, ich weiß nicht wohin mit dem Fallobst
– wir werden uns von Apfelmus ernähren, die nächsten zwei Jahre
– es ist ein Apfeljahr, nächste Jahr wird es kaum welche geben (zum Glück)
– Kermesbeeren haben einen ganz eigenen Charme
– mein Garten ist somit ziemlich charmant (gewesen), vier Säcke voll Kermesbeerenschnitt
– Wer braucht Holunder? Ich lade hiermit zum Pflücken. Kaffee und Apfelkuchen werden gestellt, einen Entsafter hätte ich auch.
– Wer braucht Nacktschnecken? Hübsche, gesunde Exemplare von aussergewöhnlich leuchtender Färbung, bis zu zwanzig Zentimeter lang. Selbstsammeln ist Bedingung.
– Ich mag Maulwürfe. Nur nicht bei den Paprikas.
– es regnet immer dann, wenn ich mich warm geschafft habe. Dann aber heftig.
– die Nachbarin glaubt, dass meine Kindelein unterernährt sind. Sie legte mir Mangold für eine zehnköpfige Familie auf´s Mäuerchen. (die Kinder mögen Mangold nicht)
– die Pfefferminze und der Oregano blühen wunderschön.
– leider haben Regen und Sturm beides platt auf den Boden gedrückt, was die Bienen und Hummeln aber nicht weiters stört, nur das ästhetische Befinden der Gärtnerin dreht sich angewidert zur Seite.
– im Grunde genommen werden japanische Steingärten, in deren Kiesböden man wunderschöne Muster harken kann, völlig unterschätzt
– auch gerade Betonflächen sind ungemein praktisch
– ich bin ein wenig, wie soll ich sagen, gartenmüde.
Schwätzchen am Gartenzaun
23. August 2006
„Wissen Sie, Frau … äh … Mutti“, sagt die über 80jährige Nachbarin, „ich verstehe die Leute nicht mehr. Schauen Sie mal, ich habe so viel zu ernten und weiß nicht wohin damit. Aber wenn ich etwas verschenken will, dann lehnen die Leute ab. Gehen in den Supermarkt und kaufen Mangold, von dem ich hier ein großes Beet habe. Warum sind die Menschen so? Warum nimmt niemand mehr ein Geschenk an?“
„Hm“, sagt Frau … äh … Mutti, „vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass man sich sofort verpflichtet fühlt, eine Gabe zu vergelten. Sie haben mir gerade 20 Erdbeerpflanzen geschenkt. Ich weiß, dass Sie sie sowieso ausrupfen mussten, aber dennoch könnte ich mich verpflichtet fühlen, Ihnen im Gegenzug etwas dafür aus meinem Garten zu geben.“
„Ach!“, winkt sie ab, „Wenn ich etwas gebe, dann will ich doch nichts zurück! Ich will doch nur, dass ich es nicht wegwerfen muss! Heute morgen habe ich anderthalb Kilo Himbeeren geerntet, zum Glück hatte ich noch Gelierzucker. Nur – ich mag keine Marmelade und die Kinder wohnen so weit weg und wollen auch keine. Oder schauen Sie mal meine Spargel an. Im Frühjahr weiß ich nicht wohin damit, ich mag ja selbst gar keine!“
„Dann reissen Sie die Spargel doch raus“, schlägt Frau … äh … Mutti vor.
„Wissen Sie, Spargel machen kaum Arbeit. Die schneide ich im Herbst zurück und sehe zu, dass der Boden drunter sauber bleibt. Ich kann ja auch nicht mehr so, wie ich will. Schauen Sie sich doch um, es wuchert zu.“
Frau … äh … Mutti schaut sich um und sieht den Garten ihrer Träume. Zwischen den Karotten blüht die Cosmea, Ringelblumen leuchten zwischen Petersilie und Schnittlauch. Die Herbstastern knospen, in den Apfelbäumen hängen dicke, rote Äpfel, das Spargelkraut sieht so fedrig aus und die Beete sind säuberlich mit Feldsteinen begrenzt. Darauf wachsen Moos und Dachwurzen. Jede Ecke blüht oder duftet oder sieht einfach nur zum Anbeissen aus.
„Ich wünschte, mein Garten sähe so aus wie Ihrer!“, seufzt Frau … äh … Mutti.
„Ach was“, winkt die Nachbarin ab, „Sie schaffen das auch noch. Übrigens, wollen Sie ein bißchen Mangold haben? Morgen lege ich Ihnen welchen auf´s Mäuerchen.“
„Gerne!“, sagt Frau … äh … Mutti und beschließt die Nachbarin zu adoptieren.