Mal eben rasch …
3. Januar 2015
zur IKEA fahren. Dachten wir so. Denn von ehemals 16 Müsli/Suppen/immer-in-Gebrauch-Schüsseln sind nur noch sechs übrig und das ist doch ein ausreichender Grund, um sich gleichzeitig noch den Jahresvorrat an Kerzen und Servietten zuzulegen. Gemeinsam mit uns hatten sehr viele andere Menschen die gleiche Idee und somit war es bei IKEA kuschelig voll. Und da fällt mir nebenbei ein: „Wir fahren zu IKEA“ oder „wir fahren nach IKEA“? Letzteres schnappte ich im Vorbeigehen auf und das habe ich noch nie so gehört. Aber hier gehen ja auch Menschen „bei Aldi“, alles ist möglich.
Wir erstanden 16 Müsli/Suppen/immer-in-Gebrauch-Schüsseln und zuerst einmal macht mich das glücklich, dass ich auch für mehrere Gäste einheitlich den Tisch decken kann. Ich bin da etwas eigen. Doof allerdings ist, dass wir nun erneut sechs Schüsseln übrig haben, die nicht zum Rest passen. Erneut weil: wir haben dieses Spiel schon ein paarmal gespielt. Wir haben einen hohen Schüssel-Verschleiß und ersetzen immer, bevor keine einzige mehr da ist. Allerdings gibt es das aktuelle Gebrauchsmodell nicht mehr, so dass wir eben mittlerweile Schüsselreste im Schrank haben. Fünf flache weiße, vier bunte, sechs hohe weiße und 16 neue für den täglichen Bedarf. Bei einem bundesweiten Schüsselnotstand wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an uns.
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Nach IKEA (wo wir auch noch nebenbei zwei Lampen für die Küche, eine neue Tischdecke und ca. 20 verschiedene Glühbirnen kauften) landeten wir im Supermarkt, damit wir am Wochenende nicht hungern müssen. Während wir einkauften, hatte es in dicken Flocken zu schneien begonnen. Wundervoll! Faustgroße Schneeflocken klatschten auf uns hernieder und ich war die einzige weit und breit, die das prima fand. Sonst nur mürrische Gesichter zwischen hochgezogenen Schultern. Der Schnee ging dann schnell in Regen über und damit konnte ich mich stimmungsmäßig anpassen.
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Und weil es grau, kalt und eklig war und ich obendrein hinter den beiden Schokoladennikoläusen zwei Schokoladenosterhasen im Schrank fand, machte ich die Familie und mich mit Schokoladenflammeri glücklich. Ich habe vor Jahren das Rezept hier mal aufgeschrieben, wiederhole das aber gerne, weil eine Suchfunktion gibt´s im Blog nicht.
Man nehme:

Schokoladenhohlkörper (wenn die Schokolade sich weiß verfärbt hat, tut das dem Geschmack nix) oder Tafelschokolade oder Blockschokolade und lasse sie in Milch baden. Schokoladenmenge nach Vorrat oder Geschmack. Beim Erhitzen der Milch schmilzt die Schokolade und wenn Sie rühren, brennt nix an. Ist die ganze Schokolade geschmolzen, können Sie entscheiden, ob Sie die Schokoladenmilch trinken oder ob Sie Stärke hineinrühren wollen, damit Sie ein Flammeri (=Pudding) erhalten. Pro halbem Liter Milch nimmt man 40g Speisestärke. Diese wird in einem Schluck kalter Milch verrührt und dann mit Hilfe eines Schneebesens in die kochende Schokoladenmilch gerührt. Sofort von Platte oder Gas nehmen, Rühren verhindert Hautbildung. Wir mögen Haut, aber da scheiden sich die Geschmäcker.
Flammeri schmeckt warm sehr lecker! Kalt angeblich auch, aber das weiß ich nicht aus eigener Erfahrung.

Laserlöffel und Schaummaus sind optional, Sahne darf gereicht werden, muss aber nicht.
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Und jetzt schreibe ich mir dieses Rezept auf die allererste Karteikartei, die dann in meinen niegelnagelneuen Rezeptesammelkarteikasten kommt!
Noch ein Vorsatz,
2. Januar 2015
nein eher ein „lange aufgeschoben und jetzt sollte ich mal“: System in meine Rezepte zu bringen.
Viele meiner (unserer) Lieblingsrezepte habe ich im Kopf, dort geht es ihnen ganz prima. Wollen aber der beste Vater meiner Kinder oder die Kindelein eines dieser Rezepte kochen, müssen sie immer erst fragen. Das ist umständlich.
Andere Rezepte stehen in einem Büchlein, dass ich vor zwanzig Jahren anlegte. Der Einband hat sich längst verabschiedet, viele Seiten sind eingerissen, fleckig oder verblasst. Im Büchlein liegen etliche lose Zettel mit Rezepten, die ich irgendwann irgendwo aufgeschnappt habe oder die mir irgendjemand irgendwann irgendwo aufschrieb.
Einige Rezepte stehen auf Zetteln, die sich in der Rezeptesammelmappe meiner Oma befinden. In ihrer Handschrift, mit Dekagrammangaben oder diesem geschnörkelten Pfundzeichen. Und mit Zutaten, die ich einfach nicht mehr bekommen oder nicht genau weiß, wie sie noch heißen könnten: „Schmer“* zum Beispiel. Ohne Gradanzeichen für den Backofen, ohne Länge der Gardauer. Kochen nach Gefühl und die meisten Rezepte schmecke ich noch auf der Zunge, habe mich aber bisher nicht getraut, sie nachzukochen. Wegwerfen geht aus sentimentalen Gründen natürlich auch nicht.
*meine Oma buk daraus Schmerkipferl. Ein blättriges Hefegebäck mit Zwetschgenmusfüllung. Ich würde alles dafür geben, dürfte ich nochmal eines essen! Schmer könnte das Schweine-Pendant zu Rindertalg sein, ich bin mir aber nicht sicher.
Manche Rezepte stehen in diesem Internet. Ich weiß, wer sie gebloggt hat und so werfe ich bei Bedarf den Namen des Gerichts und des Blogs in die Suchmaschine meines Vetrauens und hoffe, dass das Blog nicht zwischenzeitlich geschlossen wurde. Es hat fünf Jahre gedauerte, bis ich mir das Rezept für das geliebte Zitronenhuhn wenigstens ausgedruckt habe, statt es immer wieder neu zu suchen. Bei dieser Gelegenheit nun auch endlich: „Danke für dieses und viele weitere Rezepte, Frau Zorra!“
Wenige Rezepte habe ich bei Meisterkoch (o.ä.) gefunden, doch gerade jetzt zu Silvester, als ich auf der Suche nach perfekten Fonduesoßen war, wurde ich dort nicht so recht glücklich. Das lustigste Rezept war für die Honig-Senf-Soße. „Man nehme Honig, Senf, ein bißchen Salz und zwei Prisen Zucker.“ Zucker? Warum?
Mir schwebt ein liebevolle, handgeschriebene Sammlung vor, die regelmäßig ergänzt und erweitert wird. Mit kleinen Anmerkungen, was dazu passt und wessen Lieblingsgericht es ist. Vielleicht auch ein ansprechendes Bild dazu. Ob in einem Karteikasten oder einem Ringbuch, das weiß ich noch nicht. „Machen Sie doch einfach“, sagen Sie da draußen ganz sicher, aber das ist gar nicht so einfach. Es scheitert nämlich mittlerweile daran, dass ich dieses Schreiben mit der Hand ziemlich verlernt habe. Meine einst gar nicht mal so schreckliche Handschrift hat sich in etwas verwandelt, das den Spuren eines aufgescheuchten Huhnes ähnelt. Tippen geht viel schneller. Und fehlerfreier. Und ist nicht so anstrengend, wie ich beim Schreiben der wenigen Weihnachtskarten bemerken musste.
Ich schiebe das also vor mir her, obwohl mir eine sortierte Rezeptsammlung das Leben garantiert erleichtern würde. Spätestens nächstes Silvester, wenn ich auch der Suche nach dem Rezept für diese rote, scharfe Soße, die alle so sehr mochten, verzweifele. (weil ich diese Soße nämlich irgendwie zusammengerührt habe und es kein Rezept zum Nachbauen gibt. Jedenfalls nicht, solange ich es nicht aufschreibe.) Also. Nächste Woche, wenn hier langsam wieder der Alltag einkehren wird, fange ich an. Sammeln, zusammenstellen, aufschreiben. Mit meinem neuen Schönschreibfüller.
Egozentrisch und narzistisch, Teil X
27. Dezember 2014
Frau … äh … Muttis Jahresrückblick. Outtakes und Bilder ohne künstlerischen Anspruch, wie jedes Jahr.
(vgl. Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI, Teil VII , Teil VIII und Teil IX)
Januar

Silvester war völlig unspektakulär. Die Tochter feierte auswärts, als Ersatz kam der Freund des Großen. Gemeinsam vertilgten wir größere Fleischberge, indem wir sie zuerst in heiße Brühe und danach in unterschiedliche Soßen tunkten. Danach verschwanden sämtliche Jungs und Männer an die Computer, vernetzten sich und schlugen wilde Schlachten. Ich vergnügte mich im Nähzimmer und nähte (m)einen Silvesterquilt. Um Mitternacht böllerte das junge Volk sein Taschengeld in den Himmel, den ich vergebens nach Schneewolken absuchte. Den ganzen Januar übrigens – kein Schnee für Frau Mutti.
Kein Schnee und kein Frost ließen aber auch zu, dass wir das volle Gartenprogramm starten konnten! Wir starteten mit dem Bau des Fundaments für die Fasssauna und ebneten hinten im Garten den Platz für das Rosa Gartenhüttchen. Viele Pläne wuchsen in meinen Kopf, viele habe ich tatsächlich verwirklichen können.
Ich ließ mir einen echten Undercut schneiden, bleichte ihn fast weiß und war froh, als er wieder rausgewachsen war. Der Figur und einer Freundin zulieb kaufte ich eine weitere Zehnerkarte für den Kardiobereich der örtlichen Muckibude. Während sie ihrem Kummer auf dem Laufband davonlief, strampelte ich auf dem Crosstrainer. Diese Zehnerkarte arbeitete ich ab, auf der nächsten sind noch drei Felder zu stempeln. Nun ja.
Zwei entzückende Mädchen buchten einen Nähkurs bei mir und hatten sehr viel Spaß dabei. (so viel, dass die eine sich zu Weihnachten eine Nähmaschine wünschte!) Beide wollen im nächsten Januar wieder zum Nähen kommen.
Wir speisten mehrmals sehr köstlich in der eigenen Küche, wurden nicht weniger köstlich bekocht und machten das erste Picknick des Jahres oben im Wingert.
Februar

Auf den meisten Bildern von mir aus diesem Monat, sieht man mich irgendwo in Decken oder dicke Jacken gehüllt sitzen.
Das war natürlich nicht immer so, denn draußen im Garten ging es weiter, wenn das Wetter es nur einigermaßen zuließ. (es gab noch immer keinen Schnee, dafür aber Regen und einen wirklich fiesen Wind) Das Fundament der Fasssauna wurde fast fertig, wir warteten auf höhere Temperaturen für den Beton.
Ich reiste zur Klecksefrau an den Niederrhein und mit ihr und zwei weiteren liebgewonnenen Menschen aus dem Internet weiter zur Hausmesse der Firma Swafing. Mit Gesichtern zu Instagramaccounts und Blogs und der Erkenntnis, dass ich nie genug Stofflagerplatz haben werde, fuhr ich wieder heim.
Wir feierten den 15. (FÜNFZEHN!!) Geburtstag des jüngsten Kindes und Ende des Monats ertappte ich mich dabei, wie ich um bunte Tulpensträuße herumschlich. Im Garten zeigten sich Blätter am Holunder, dicke Knospen am Flieder und die ersten blühenden Krokusse. Der Winter, der fiese, schneefreie, wenig Frost habende Winter neigte sich dem Ende zu.
März

Der Höhepunkt des Monats war ganz sicher die Feier des bestandenen Abiturs des großen Sohnes. (hier sehen Sie uns erwartungsfroh zum rauschenden Abiball anreisen.) Diese Feier bestimmte den ganzen Monat, denn passende Kleidung, insbesondere ein schmales Hemd, dessen Ärmel nicht knapp nach dem Ellenbogen enden für den wirklich großen Sohn, musste gefunden werden. Und ein paar Schuhe, in denen er laufen kann, in denen er sich nicht verkleidet fühlt und die so aussehen, wie seine geliebten Nike-Turnschuhe. Es war kompliziert, doch zuletzt gelang es uns, ihn angemessen feierlich zu kleiden. Und als er da so vor mir stand, knapp zwei Meter hoch, in Anzug und feinen Schuhen, mit einer Art Frisur auf dem Kopf – musste ich gewaltig schlucken. Und innerlich die „Tschakka!“-Faust in die Luft stoßen: Nummer eins hat den Schulabschluss in der Hand.
An den anderen Tagen des Monats bauten wir die Fasssauna auf und weihten sie ein. Einen echten Traum haben wir uns da erfüllt! „Möge der kommende Winter lang und streng sein!“, hofften wir von Stund an beide.
Doch zuerst kam der Frühling mit aller Macht! Ich lief barfuß im Trägerhemd durch den erwachenden Garten, säte Tomaten, Zucchini, Kürbis und Paprika und buk, als echter Lemming, meine allererste Regenbogentorte, die wir an einem sonnigen Nachmittag auf der Terrasse verspeisten. Und beim ersten Grillversuch des Jahres kippten wir Gambasspieße in die Asche. Grillen kann man über Winter verlernen. :)
April

Zum allersten Mal ließen der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib die hinreißenden Bestien für fast eine Woche allein daheim. Zu zweit wanderten wir ein paar Tage den Rheinsteig entlang, schliefen in Jugendherbergen und lustigen Hotels und entdeckten, dass das Leben nach den Kindern ein gutes sein wird. Außerdem lief ich mir so heftige Blasen, das der Arzt mich zu zwei Tagen „Füße hoch und gar nichts machen!“ verdonnerte. Und mir eine Auffrisch-Tetanus-Impfung in den Arm jagte, denn „an den Füßen ist das nicht so ohne.“
Wir feierten Ostern mit der allerbesten Freundin, mit feinem Kuchen auf der Terrasse. Traditionell suchten die Kindelein Ostereier im Garten, traditionell fanden wir eines der (vorher abgezählten) Schokoladeneier nicht.
Sonja von Kunterbuntdesign sorgte dafür, dass es meine heißgeliebten Toffee Noses nun auch als Stickdatei gibt und das machte und macht mich immer noch sehr stolz.
Töchterlein beschloss, dass wir etwas für unsere Beweglichkeit und gegen den schlaffen Muskeltonus tun sollten und nötigte mich jeden zweiten Tag zu beschämenden Verrenkungen auf dem Wohnzimmerboden. „Pilates“ nannte sich der Spaß und wir turnten nach irgendeinem youtube-Video. Wir turnTen, denn die Osterferien gingen und nahmen Zeit und Lust mit. Meinen schlaffen Muskeltonus trainierte ich lieber weiter im Garten beim Kampf gegen das, was der milde Winter nicht dezimiert hatte.
Mai

Ich beschloss, dass es Zeit für eine neue Haarfarbe war. Auslöser war übrigens ein Stoff, in dem ein ganz entzückender Violetton zu sehen war. Verständlich, dass das ausreicht, um sich die Haare ebenfalls violett zu färben.
Mit lüla Haaren fuhr ich nach Berlin zu re:publica. Zuerst teilte ich mir das Kloscheiben-Hotelzimmer mit Frau Brüllen, später, in der Verlängerung des Berlinaufenthaltes, mit dem besten Vater meiner Kinder. Nach der re:publica waren Frau Brüllen und ich fest davon überzeugt, dass wir bei der nächsten re:publica eine Menge zu erzählen haben würden, doch im Laufe des Jahres flaute dieses Bedürfnis ab. Schließlich sogar so weit, dass wir zwar gemeinsam nach Berlin reisen könnten, aber ohne Ticket für die re:publica15. Ich hielt diesen Vorsatz bis Heilig Abend durch. Bis zu dem Moment, als ich eine Eintrittskarte für die kommende re:publica auspackte.
Ebenfalls im Mai feierten wir die Konfirmation des jüngsten Kindes. Bei wunderbarstem Wetter auf der Terrasse und hinterher konnte ich auf der langen „was wir mit den Kindern noch erledigen müssen“-Liste auch das letzte Kind beim Thema Konfirmation abhaken.
Im Garten schuftete der nun schullose große Sohn am Fundament des Rosa Gartenhüttchens und einen weiteren Anlass zum Sekt trinken hatten wir, als die schrägen Nachbarn nicht ohne lautstarkes Schimpfen und Drohen endlichendlichendlich auszogen. (das Häuschen, in dem sie lebten, steht immer noch leer und bedarf umfassender Sanierungsarbeiten. Ich wünsche den Ex-schrägen-Nachbarn auf diesem Wege alles Gute, insbesondere dem Neugeborenen, das als Frühchen in dieser Familie landete und hoffentlich bessere Chancen bekommt, als seine Geschwister.)
Juni

Zweimal kam der Kran des Baustoffhändlers und hievte Sand, Kies und sehr viele Pflastersteine in meinen Gemüsegarten, damit der große Sohne nicht arbeitslos würde. Schubkarre um Schubkarre fuhr er Sand und Kies nach hinten in den Garten zum ausgehobenen Fundament, kippte ab und rüttelte alles eben.
Ich erntete Gurken, Salat und Kohlrabi im kleinen Gemüsegärtchen und erkannte, als beide Zucchini und der Kürbis in Fahrt kamen, dass ich viel mehr Platz zum Gärtnern brauche. Eine Idee, ein Wunsch, keimte auf …
Wir schickten die Kinder zum Jugendkirchentag, damit sie dort auf andere Kinder und Jugendliche aufpassen konnten und nutzten das freie Wochenende, um Platz für eine weitere große Neuanschaffung zu machen. Das Nähzimmer musste komplett aus- und umgeräumt werden und der beste Vater meiner Kinder opferte seinen Home Office Schreibtisch, damit das große Laufband in die freie Ecke passte. Nachdem nämlich Frau Knie sehr deutlich gemacht hatte, dass sie zwar regelmäßiger Bewegung nicht abgeneigt war, diese aber bitte ohne umgeknicke Füße oder nennenswerte Steigungen, hielten wir diese Lösung für die Beste. Und heute kann ich sagen: prima! Ob ich nun auf dem Band renne oder schnell gehe, Frau Knie ist dankbar und ich bewege mich völlig ohne Angst, zu stolpern und dabei etwas kaputt zu machen. Der Lohn ist ein schmerzfreies Knie.
Gemeinsam mit Mme Ouvrage reisten der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib erneut an den Niederrhein, um gleich zwei Geburtstage zu feiern. Nach der Feier blieb noch Zeit für einen Abstecher in die Niederlande und als Mme Ouvrage und ich viele Stunden auf dem Heimweg im Stau standen, hatten wir Muse, um einen weiteren geneinsamen Ausflug im kommenden Frühjahr in die Niederlande zu planen.
Juli

(der #wanderspiegel auf Instagram wurde geboren)
Der Großteil dieses Monats hatte mit dem Rosa Gartenhüttchen zu tun. Der große Sohn lernte dort pflastern und Pflaster rütteln, ich strich etwa eine Million Latten zweimal mit irgendwelchen Schutzlasuren, danach in weiß, bzw. rosa. Der Schreinerfreund und die ganze Familie halfen beim Aufbau, der jüngste Sohn und der beste Vater meiner Kinder nagelten bis in die Dunkelheit Dachpappe auf´s Dach. Töchterlein lackierte die letzte Wand rosa. Wir kauften Gartenmöbel, ich nähte Kissenbezüge und Vorhänge und als alles endlich fertig war, saßen wir stundenlang im Rosa Gartenhüttchen und liebten es. In Der Abenddämmerung zogen wir die Vorhänge wegen der Stechmücken zu, tagsüber waren wir dankbar für jeden Luftzug der hindurchging. Wir frühstückten dort, aßen zu Mittag und zu Abend, tranken Kaffee, Wasser, Sekt und Rotwein, hielten Mittagsschlaf und empfingen sehr viel Besuch, der sich ebenfalls nur schwer wieder losreißen konnte.
Wenn ich nicht im Gartenhüttchen lebte, schuftete ich mich durch den Garten. Erntete, jätete, goß und grub um. Genoß den ersten Sommer seit vielen Jahren, in dem mich einzig Vogelgezwitscher statt Gekeife begleitete.
Die Sommerferien begannen und ich schickte die Familie zum Wandern, blieb eine Woche allein daheim, ohne Langeweile oder Wehmut. Ein perfekter Sommermonat!
August

Sommerferien. Der geregelte Alltag setzte aus. Die Kinder schliefen lange, ich war lange vor ihnen auf und im Garten, der beste Vater meiner Kinder musste noch arbeiten.
In Nierstein eröffnete ein neues Café, in das wir uns alle sehr verliebten. Wir frühstückten dort oder tranken einfach nur Kaffee. Ein Stündchen dort ist wie ein Miniurlaub auf dem heimischen Marktplatz.
Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib entdeckten das Schwimmen wieder. Abends fuhren wir rasch für ein Stündchen an den Baggersee, schwammen hin und her und rannten daheim in die Sauna. Von sommerlichen Temperaturen war nämlich lange Zeit nichts zu bemerken. Es regnete viel. Passend zum Zeltlager, in das wir alle drei Kinder schickten. Unsere kinderfreie Zeit nutzten wir gut für uns. Wir packten uns jeden Tag unser Frühstück ein und genossen es an oder in einer der vielen Hütten hier in den Weinbergen. Oder am Rhein, in einer kleinen Bucht. In den Urlaub fahren wollten wir nicht, nach der vielen Schufterei der letzten Monate im Garten, hielten wir uns dort so gerne auf. Warum wegfahren?
Ich begann höchstmotiviert für den Weihnachtsmarkt zu nähen. Verlor mich aber in Stoffbestellungen und verschob das Ganze dann doch. (bis Mitte Septemberer, um dann gewohnt panisch wieder anzusetzen.)
Der große Sohn begann sein FÖJ im Waldkindergarten, musste aber direkt Sonderurlaub für das Zeltlager nehmen.
September

Ringelfranz ließ sich in die Wange beißen. Es entwickelte sich eine Entzündung, die tierärztlicher Behandlung bedurfte. Zum Glück ließ er diese lammfromm über sich ergehen. Nur der Kragen, den er tragen sollte, damit er sich die Wunde nicht aufkratzt, störte ihn so, dass er einmal quer durch unser Schlafzimmer pinkelte. Matratzen, Deckbetten, sogar der Vorhang, alles verpinkelt. Unglaublich, welch Volumen solch eine Katzenblase hat. Wir nahmen ihm den Kragen ab und die Wunde verheilte rasch.
Die Kindelein kamen müde, schmutzig, ein bißchen durchgefroren, voller Geschichten und sehr erfüllt aus dem Zeltlager wieder. Eigentlich bräuchten sie jetzt noch eine Erholungswoche, doch die Schule begann und der Große musste in den Kindergarten.
Mit dem Schulbeginn war der Herbst da. Das Obst an den Bäumen reifte, ich fing an Mus vom Fallobst zu kochen. Das Gemüsegärtchen lieferte Bohnen, Zucchini, Auberginen, Paprika und die ersten Kartoffeln. Nur die Tomaten waren mir während des langen Regens im August verfault. Hmpf.
Oma Eis und ich verbrachten wieder Zeit im Nähzimmer, wurschtelten ein bißchen und planten für den Weihnachtsmarkt, der doch noch so fern schien!
Mit Freunden aßen wir Leberknödel, das hat Tradition! Danach feierten wir zuerst mit Mme Ouvrage, dann mit der Tochter Geburtstag. Siebzehn ist das Töchterlein nun und am Tag ihres Geburtstages schrieb sie eine Mathearbeit und bestand die Führerscheinprüfung! Ich bin also wieder auf den Rücksitz verbannt, denn als führerscheinloser Mensch darf ich sie natürlich nicht beim Fahren begleiten, das übernimmt der beste Vater meiner Kinder. (der hat auch bessere Nerven als ich)
Ich begleitete und betreute die allerbeste, aber sehr ungeduldige, Freundin zu und nach einer kleinen Operation und drückte mir selbst die Daumen, dass ich bald sehr viel mehr Gartenarbeit als bisher haben würde.
Ende des Monats ging das Gärtnerinnenblog online. Ein Blog für alle Themen rund um den Garten, das ich zusammen mit Frau Nessy mit Inhalten zu füllen versuche. Hurra!
Oktober

Der Oktober ist immer besonders vollgepackt. Nicht nur, weil ich ernsthaft mit der Weihnachtsmarktvorbereitung beginne, sondern auch weil das „Federkuchen und Zwiebelweißer“-Fest in der Grünen Villa sich als Tradition etabliert hat. So reisten auch in diesem Jahr viele Gäste von nah und fern an, stapften mit mir durch den Wingert und den Oppenheimer Untergrund, bevor sie mit Zwiebelkuchen und Federweißer versorgt wurden. Dieses Jahr gab es keinen heimischen Federweißer, denn die Lese war zum Zeitpunkt des Festes schon beendet, aber ein paar Kilometer rheinaufwärts war sie noch in vollem Gange. Fest gerettet.
In den Vogesen waren wir auch (wieder mal). Diesmal mit den ältesten längsten Freunden. Ein bißchen wandern, ein bißchen essen, ein bißchen trinken, ein bißchen zusammen lachen. Würde ich auch gerne wiederholen!
Wir feierten das Jahresfest des CVJM und waren bei der Ehrung des über 90jährigen Ziehvaters des Schreinerfreundes für seine langjährige Arbeit als Archivar bei der Feuerwehr.
Und seit dem 21.10. hat der Oktober einen Geburtstag mehr, den wir feiern werden. Den Oktober muss sich der beste Vater meiner Kinder nun mit einem kleinen Mädchen teilen, dessen Ankunft nicht nur die Eltern entgegenfieberten und -bangten. Willkommen in der Welt, kleine Kämpferin!
Um den Monat noch richtig zu füllen, mit echtem Spaß im und auf dem Haus, beauftragten wir Dachdecker, Maurer und Maler. Ein neues Dach und eine Farbauffrischung für die Grüne Villa. Wer nachlesen will, wieviel Vergnügen ich mit den Handwerkern hatte, der kann die Handwerker-Soap in fünf Akten lesen, die Frau Nessy aus meinen Tweets während dieser Zeit zusammenstellte.
November

Der Spaß mit den Handwerkern ging weiter. Sehr viel Krach, Dreck, Präsenz von fremden Menschen in meiner Privatsphäre. Es war anstrengend. An den Wochenenden saß die ganze Familie auf dem Dach oder kletterte auf dem Gerüst herum. Hätten wir ein paar Euro übrig, hätten wir einen Sitzplatz auf´s Dach bauen lassen, die Aussicht von dort ist grandios!
Wir feierten den 19. (!!) Geburtstag des großen Sohnes und einen Tag später eine diamantene Hochzeit. Diamanten! Wir feiern nächstes Jahr den zwanzigsten Hochzeitstag, das scheint mir schon eine kleine Ewigkeit.
Die „ich muss fertig werden!“-Panik im Nähzimmer nahm ernsthaftere Formen an, vor allem auch deshalb, weil mich die Handwerker nicht konzentriert arbeiten ließen. Ursprünglich hatte ich geplant, an zwei Weihnachtsmärkte zu verkaufen. Als ich diesen Plan verwarf, hatte ich plötzlich wieder Luft.
Wir brunchten mit Herrn Skizzenblog und ließen uns vom Schreinerfreund brasilianisch bekochen. Pünktlich zum ersten Advent buk ich Plätzchen und verabschiedete die Dachdecker. Maurer und Maler kommen im Frühling noch mal.
Die Tochter und der große Sohn besuchten eine Berufsinformationsmesse, von der der große Sohn mit einer klaren Idee und weiteren Plänen für seine berufliche Zukunft zurückkam. Der jüngste Sohn leistete ein Praktikum beim ortsansässigen Gas- und Wasserinstallateur ab und war davon so begeistert, dass er sich um einen Ausbildungsplatz für kommenden Herbst bewarb. To make a long story short: er hat einen Ausbildungsplatz bekommen. Wie froh und glücklich wir darüber sind, werden treue Leser sich sicher vorstellen können!
Zu guter Letzt erfuhr ich, dass ich ab sofort sehr viel mehr Gartenfläche bewirtschaften darf. Der Garten der Zieheltern des Schreinerfreundes liegt wegen des hohen Alters der beiden seit ein paar Jahren mehr oder weniger brach. Ich darf das Stück, das nur vier Meter neben unserem Grundstück liegt, vor dem Verwildern bewahren.
Dezember

Ich schließe mit einem Bild von heute morgen. Es schneite den ganzen Tag mal mehr oder weniger heftig. Schnee macht mich einfach glücklich! Hoffentlich bleibt er noch ein bißchen liegen.
Der Monat begann mit meinem 44. Geburtstag. Mein Binzessinnentag und wie es sich gehört, bastelten mir die Kindelein wieder eine Krone. Ich wurde reich beschenkt und liebevoll gefeiert, sogar die Gerüstbauer kamen zu meiner Feier und bauten rasch das Gerüst um die Grüne Villa herum ab. Geburtstage mag ich genauso wie Schnee.
Am zweiten Advent stellte ich mich mit Oma Eis und Mme Ouvrage auf den Niersteiner Weihnachtsmarkt. Viele Besucher kamen, viel Glühwein wurde getrunken. Ich verkaufte so viel, dass für ein Schaufenster hier im Blog nichts mehr übrig blieb.
Am Ende des Weihnachtsmarktes, nach dem Abbau der Stände, fingen wir einen klitzekleinen Igel, der durch den Park brummte. Viel zu leicht und zu klein für die Jahreszeit, obendrein wimmelnd von Parasiten. Wir nannten ihn Henry the Weight und zuerst sah es so aus, als könnten wir ihn aufpäppeln. Doch trotz Antibiose vom Tierarzt, vieler Daumen aus dem Internet und ausgewählter Mahlzeiten lag er eines Morgens tot im Schlafkistchen. Jetzt liegt er im Garten, neben Sauerstein. Schlimm, wie rasch einem auch stachelige Tierchen ans Herz wachsen können.
Ich begann ein bißchen zu kränkeln, aber irgendwie war das nix Gescheites, deshalb ließ ich es wieder. Den Ringzeh brach ich mir trotzdem noch nebenbei am Sofa. Wir halfen einem Freund beim Umzug, irgendwann war ich zu einem Weihnachtsessen der Weltladenmitarbeiter eingeladen und zack! Weihnachten. Die „wir schenken uns nix“-Geschenkeberge hatte ich rechtzeitig in Papier gehüllt, den Baum hatten die Kinder geschlagen, der Große durfte schmücken. Die allerbeste Freundin reiste pünktlich zum Niersteiner Weihnachtsblasen an und am zweiten Feiertag wieder ab. Dazwischen gab es sehr viel zu essen, eine Menge zu trinken und gerade, als man es vor lauter Glückseligkeit nicht mehr aushalten konnte, bekam der Jüngste Fieber.
Aber kranke, große Kinder legt man einfach unter eine Decke auf das Sofa und befiehlt ihnen, so lange Filme zu schauen, bis sie wieder gesund sind. Damit sind sie glücklich und zufrieden und man selbst kann sich mit reinem Gewissen und dem besten Vater meiner Kinder in die Sauna setzen und danach nackt Schneeengel im verschneiten Garten machen.
Das Silvester-Programm lautet: Sauna und im Schnee abkühlen zusammen mit der allerbesten Freundin, danach Fondue auf Wunsch der Kinder. Irgendwie, wahrscheinlich lachend und schwätzend am Tisch, die Zeit bis Mitternacht herumbringen und danach rausgehen und schauen, welche Nachbarn eine Funkuhr haben.
Ein paar Vorsätze für das nächste Jahr habe ich tatsächlich auch, aber nur einer betrifft Sie: ich nehme mir ein Beispiel an Frau Brüllen und steige alle zwei Tage auf den Crosstrainer blogge täglich. Wahrscheinlich wird da viel belangloses Geschwurbel dabei sein, aber was macht das schon.
Bis dahin aber noch ein kleines Päuschen, ich muss dieses wunderbare Jahr noch in Ruhe zu Ende bringen.
Rutschen Sie gut ins neue Jahr und naja, wie jedes Jahr: immer die Ihre!
#allebekloppt
9. Dezember 2014
Ich hörte neulich, dass es nun sogar schon im Kindergarten an der Tagesordnung ist, sich gegenseitig wegen uncooler Kleidung auszugrenzen. Vor etwa zwei Jahren fingen die KINDERGARTENmädchen damit an, jetzt ziehen die KINDERGARTENjungen nach: „Wenn du keine Hose von Engelbert Strauss anhast, darfst du nicht mitbuddeln.“
Ich habe das nicht erfunden. Leider.
Im Stuhlkreis, bei der Frage, was sich die Kinder zu Weihnachten wünschen wieder: „Eine Hose von Engelbert Strauss, die ist toll.“, erzählt eine eher hilflose Erzieherin, die nicht weiß, wie sie in dieser Situation reagieren soll.
Mit dem #allebekloppt meine ich ganz sicher nicht die Kinder, sondern die Eltern, die um die „richtigen“ Klamotten einen derartigen Bohei veranstalten, dass KINDERGARTENkinder lernen: es gibt richtige und falsche Klamotten. Und ohne die richtigen Klamotten hast du keinen Spaß und darfst nicht mitspielen. Da ist ja die rosa-hellblau-Empörung fast schon lachhaft dagegen.
Jaja. Früher war alles besser. War es natürlich nicht, aber ich weiß noch sehr gut, dass die einzige Sorge meiner Kindergartenkinder der Frage galt: „Wer ist heute Chef der Kindergartenbande im Außengelände?“ Und meine einzige Kleidesorge war, ob wir womöglich die Buddelhose heil bis ans dritte Kind vererben können.
Was hat sich geändert? Und warum?
Vorweihnachtsfreuden
5. Dezember 2014
Mitunter erwähne ich es: ich mag große Menschenansammlungen nicht. Starke Gerüche sind mir zuwider und wenn dann noch laute Musik dazukommt, ist mein Unglück perfekt.
Warum ich trotzdem eine heimliche Liebe für Weihnachtsmärkte habe, kann ich nicht vernünftig erklären. Vielleicht weil alles glitzert. Und leuchtet. Und hemmungslos bunt ist. Wir schmücken hier daheim eher zurückhaltend, auf dem Weihnachtsmarkt kann ich mehrfarbig blinkende Sterne genießen. Und staunen, wenn sie obendrein noch die Melodie von „Jingle Bells“ spielen.
Ich bewundere die großen Weihnachtspyramiden, halte mir heimlich die Nase bei den Duftölen und den Kräuterbonbons zu und frage mich, wer diese ganzen Silicon-Backformen eigentlich kauft? Jedes Jahr will ich mir eine richtig große Bienenwachskerze kaufen, jedes Jahr vergesse ich das, weil ich zu voll von den ganzen Eindrücken bin.
Glühwein gehört auch dazu, aber meistens riecht der nur fein, schmeckt dafür eher unterirdisch. Das hält natürlich die meisten Weihnachtsmarktbesucher nicht davon ab, ihn in großen Mengen zu trinken. Und irgendwann gegen Abend, wenn immer mehr Menschen immer mehr Glühwein getrunken haben, ist für mich der Zeitpunkt gekommen, den Weihnachtsmarkt zu verlassen. Dann, wenn Weihnachtslieder gegröhlt werden, man dazu fröhlich schunkelnd und dabei jede Menge Glühwein und Kartoffelpuffer über anderen Menschen verteilt, die sich dicht gedrängt an den Ständen vorbeischieben. Genug o du fröhliche Weihnachtsstimmung für mich und ich habe dann ja auch ein Jahr Zeit, um diesen eher unangenehmen Aspekt des Weihnachtsmarktes zu vergessen.
Ganz anders ist es übrigens auf dem beschaulichen Weihnachtsmarkt im Niersteiner Gemeindepark. Oder ist es jetzt der Stadtpark? Seit Nierstein eine Stadt ist, hat sich ja einiges geändert. Wir hatten zum Beispiel einen echten Mord mit fünfzehn Schüssen. Wie in einer richtigen Stadt! Aber ich schweife ab und ein Mord ist nun auch nicht die ideale Werbung für einen kleinen Weihnachtsmarkt.
Versuche ich es nochmal anders.
Der Niersteiner Gemeindepark ist im Grunde genommen nur eine große Rasenfläche, um die ein Weg herumführt. In einer Ecke ist ein Springbrunnen, der im Sommer ein echter Spaß für Kinder ist, an der Rückseite des angrenzenden Rathauses gibt es eine Bühne. Und einen größeren Platz davor, der wiederum von wunderschönen, uralten Platanen überwachsen ist.
Angeblich gab es eine Zeit, da der Weihnachtsmarkt so groß war, dass die Stände die gesamte Rasenfläche umrandeten. Ich habe das noch nie erlebt, aber es ist tatsächlich so, dass der Markt von Jahr zu Jahr kleiner wird.
Dieses Jahr sind es nur noch 24 Stände.
Sollten Sie sich tatsächlich überlegt haben, diesem Markt einen Besuch abzustatten, habe ich einige Geheimtipps für Sie: der Glühwein am Stand der SPD ist sensationell gut! Der verwendete Rotwein ist nicht der schlechteste und jede Menge Orangenstückchen und wenig Zucker verhindern, dass man nach einer halben Tasse sinnlos betrunken in der Ecke liegt. Oder am nächsten Morgen die zweite Hälfte der Tasse bitterlich bereut.
Die Wildbratwurst ist der Knaller! Manchmal gibt es sogar zwei Stände mit Wildbratwurst, nehmen Sie unbedingt die vom Stand am Ein/Ausgang Mühlgasse. Der Jäger brät persönlich und wenn er dieses Jahr wieder diesen grandiosen Wildburger macht, ist der Hungertod für mich garantiert abgewendet.
Auch immer auf dem Weihnachtsmarkt vertreten ist „FruchtSinn“. Mainzer kennen die beiden vielleicht vom Wochenmarkt, dort verkaufen sie ihre Chutneys, Gelees, Liköre und viele Leckereien mehr. Alles übrigens in sehr schöne Gläser und Flaschen gefüllt und liebevoll (und kein bißchen kitschig) dekoriert.
Bei der CDU gibt es Kartoffelpuffer. Oma Eis sagt, die seien lecker. Ich kann das nicht beurteilen, ich mag die nie, egal von wem gebacken. Letztes Jahr gab es auch Eierwein bei der CDU und ja, den mochte ich auch, aber das ist schon etwas Spezielles.
Die AWO (Arbeiter Wohlfahrt) verkauft Weihnachtsgestecke, aber vor allem das weltbeste Quittengelee. (Und andere Gelees)
Am CVJM-Stand stehen nicht nur die klügsten und schönsten Jugendlichen die ich vor vielen Jahren geboren habe, es gibt auch köstliche, fluffige Waffeln und – neu im Programm – heißen Kakao für die Kinder, damit die nicht immer diesen gruseligen Weihnachtspunsch trinken müssen.
Kreatives gibt es auch immer. Gestricktes, Gehäkeltes und hoffentlich ist die Frau da, die diese tollen Filzhüte gestaltet. Ich habe dieses Jahr die Vorbesprechung versäumt und weiß daher nicht, wieviele Stände mit Handarbeitlichem da sein werden.
Mme Ouvrage leistet mir am Stand Gesellschaft und verkauft ihren bezaubernden Schmuck, Oma Eis hat 27 Kilo Plätzchen gebacken und ich habe einen Koffer voller Sterne und ein bißchen Schnickeldi dabei.
Der Niersteiner Weihnachtsmarkt ist mehr so ein Treffpunkt für die Niersteiner. Muss man mal ein Wochenende nicht kochen und kann schon nachmittags um vier Rotwein trinken. Dabei ein bißchen den Killianos zuhören, wenn sie Weihnachtslieder posaunen. Der Nikolaus verteilt Schokolade an die Kinder, der Bürgermeister hält eine getragene Ansprache und wenn es tatsächlich ein bißchen schneit, dann wäre es gar nicht seltsam, wenn Rory und Lorelai Gilmore um die Ecke bögen.
Besuchen Sie uns, ohne große Erwartungen. Und sagen Sie mir hallo! Ich bin die mit den Blumen an der Mütze und dem Wartturm auf dem Muff.