Was Hänschen nicht lernt,
3. Januar 2017
lernt Hans nimmer mehr.
So ein doofer, altmodischer Spruch und doch steckt da so viel Wahrheit drin.
Ich habe heute am Hundestrand in knapp einer Stunde anderthalb Kilo zerbrochenes Glas aufgesammelt. Eine andere Frau sammelte ebenfalls eine Tüte voller Müll auf. Ein großer Mülleimer, der regelmäßig geleert wird und nicht überquillt, steht direkt am Eingang des Hundestrands, es wären nur ein paar Schritte …
Dass es für Hundepfoten nicht super ist, wenn sie durch Glasscherben rennen müssen – das ist klar. Vielleicht streut da auch der eine oder andere Hundehasser Glasscherben, das kommt vor und ist kein bißchen in Ordnung, auch wenn der Hundehasser vielleicht fürchterliche Wut hat, weil im dauernd in den Vorgarten gekackt oder an die Hauswand gepinkelt wird. Fänd ich auch blöd, darf mein Hund nicht, Glasscherben streuen muss ich aber auch nicht.
Es ist wohl allgemein nicht so super, wenn Glasscherben oder Müll rumfliegen, da muss man nicht diskutieren. Oder sich als Hundebesitzer besonders drüber aufregen, sondern selbst vielleicht auch die Hinterlassenschaften der Viecher ordentlich wegräumen. Und die Kackbeutel dann bitte nicht in die Gegend schmeißen. Haben wir uns auch schon alle drüber aufgeregt, wir wissen es besser.
Und weil wir das so gut wissen, mit dem Müll, könnten wir es ja Hänschen beibringen. Vielleicht bin ich bald in dem Alter, in dem ich Eltern anspreche, wenn sie es ihrem Nachwuchs erlauben, die Quetschie*verpackung auf den Gehweg zu feuern oder die Schokoriegelumhüllung neben den Mülleimer zu werfen. „Tschuldigung, aber ich glaube, sie haben da was verloren!“, sage ich dann vielleicht, wenn ich mich mal traue. Weil ich glaube, es bereitet Kindern gar keine schlimmen, bleibenden Probleme, wenn man ihnen beibringt, wo Müll hingehört. Und warum. Vielleicht ist es halt ein klitzekleines Bißchen anstrengend, aber das ist halt diese Erziehungssache, da muss man im Training bleiben, wie beim Sport.
Dann erinnern sie sich vielleicht daran, wenn sie mit ihren Freunden am Ufer des Rheins ein Bier trinken und packen leere Flasche und Chipstüte wieder ein.
Ach. Das wäre schön.
* Oder ich verzichte als Elternteil direkt auf diesen Quetschiequatsch, weil das Zeug nicht nur gnadenlos überteuert ist, sondern auch unnötigen Müll verursacht.
2017? Wieder mehr Bücher lesen!
2. Januar 2017
Eigentlich kein echter Vorsatz, denn ich lese sehr gerne. Leider reicht es abends nur für drei Seiten, bevor mir das Buch auf die Nase fällt. So sollte der Vorsatz eigentlich: „2017? Früher ins Bett!“ lauten.
Damit mich neuer, spannender, interessanter, fesselnder Lesestoff ins Bett locken kann, suchte ich heute eine Buchhandlung(skette) auf. Und war schlichtweg überfordert vom Angebot. Ein Tisch voll sogenannter Frauenliteratur in sanften Pastelltönen, die Buchtitel mittels aufwändiger Typografie (erhoben oder eingekerbt, wenigstens glänzend) effektvoll gestaltet.
Auf dem anderen Tisch Krimis. Vorherrschende Einbandfarben: schwarz, grau, weiß mit blutrotem Buchtitel. Schreiend.
Ein Tisch voller Humor, ein Tisch voller George R.R. Martin.
Ich konnte mich nicht entscheiden, _wollte_ mich nicht entscheiden und hätte beinahe ein weiteres Kochbuch gekauft.
Als mir aber der Reader ins Auge fiel, erinnerte ich mich an mein Onleihe-Konto und an die vielen, vielen Bücher in der Onleihe! So viele Bücher die noch von mir gelesen werden wollen! Deshalb machte ich mir ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk:

Ein Tolino Vision 4 HD, die quietschgelbe Hülle gab es im Ausverkauf für 5,-€ dazu. Hach.
Nicht jede Bibliothek bietet eine Onleihe, unsere Onleihe-Bibliothek ist in Ingelheim. Die Auswahl ist großartig, es gibt eine Vormerkefunktion, Geliehenes lässt sich problemlos verlängern und für 7,50€ kann man ein Jahr lang so viel lesen wie man schafft. (oder hören, ebooks gibt es auch). Sie merken vielleicht: ich bin ein großer Fan der Onleihe.
Ein noch größerer Fan wäre ich, wenn ich die fälligen Gebühren einfach überweisen könnte. Oder meinetwegen ein Abonnement abschließen könnte. Das ist online alles nicht möglich, ich muss persönlich antanzen und 7,50€ auf den Tisch legen. Und weil mein Ausleih-Jahr gerade abgelaufen ist, kann ich meinen hübschen Reader erstmal nur ein bißchen streicheln bis ich nach Ingelheim komme. (oder halt lesen, was es frei zu laden gibt)
Die nächste Onleihe-Bibliothek ist in Osthofen. Etwas näher, sogar kostenlos, aber auch dort muss ich persönlich erscheinen um einen Bibliotheksausweis zu bekommen. Die haben gerade Betriebsferien.
Es könnte alles so leicht sein. Hmpf.
Traditionen pflegen.
1. Januar 2017
Hier in Nierstein werden wunderbare Traditionen gepflegt. Am 23. Dezember gibt es das Weihnachtsblasen, am ersten Januar das Silvesterknallen. Beide Traditionen versuchen wir hochzuhalten, wobei Letztere tatsächlich eher für Kinder ist. Es geht nämlich darum, der Verwandtschaft und Freunden so lange Böller vor die Haustür zu werfen, bis diese Silvestergeld rausrücken.
Die mittlerweile sehr großen Kinder tun das immer noch gerne, das finde ich klasse. Um Geld echt es da gar nicht, es geht ums „Proschd Neijohr!“ wünschen und um die kleinen Schwätzchen, die dann gehalten werden.
Beim ersten Stop gab es heute Kreppel, beim zweiten ein Glas Sekt, beim dritten ein weiteres Glas Sekt und Knabberzeugs. Beim dritten Stop blieben wir dann auch hängen, es ist unser „Jahresbesuch“. Obwohl es sich um Verwandtschaft handelt und wir nicht allzu weit auseinander wohnen – es ist halt die ältere Generation.
Amüsiert habe ich mich sehr, denn in breitestem Niersteiner Dialekt erzählen die beiden Alltägliches, fallen sie ins Wort, mahnen sich gegenseitig, machen sich übereinander lustig, verspotten sich. Loriot hätte seine helle Freude an den beiden gehabt.
„Uffm Friedhof leie die Reische quer und mei Muddär …“,
„… doi Muddär leid do ned!“
„Ei des saa isch doch aach ned, die hot kaa Geld, die leid längs. Die Reische leie quer. De XY leid do …“
„unn de XY aach. Die leien all quer!“
Und weil es gerade zu kalt zum Radfahren ist, beschäftigt er sich mit Kerzengießen. Sehr zu ihrem Leidwesen, weil seine gegossenen Kerzen explodieren und die Scheiben der Latern schon alle Sprünge haben. Und die vielen Wachsflecken im Hof!
„Isch nemm die klaane Worschtdose und do kimmt des Wachs rin. Unn enn Schnürsenkel oder ä Worschtkorddel unn donn brennd des halt.“
„Unn irrndwonn steggder des ganz Haus in Brand. Moie ramsche den Kram ford, donn isses rum.“
„Neggscht Johr isses donn aach wiedä rum.“, erwidert er zwinkernd und ich wünsche mir ganz arg, dass wir in 30 Jahren ein genauso verschrobenes, sich liebendes Paar sind.
Zuletzt: die guten Vorsätze
31. Dezember 2016
Weniger von dem Einem, mehr vom Anderen.
Den Unterschied zwischen „dasselbe“ und „das Gleiche“ nicht immer vergessen.
Mehr hiervon, weniger davon.
Längere Haare, kürzere Röcke. Oder umgekehrt.
Zeit, Liebe, Geduld, für andere, für mich.
Ruhig atmen statt zu hyperventilieren.
Mut! Noch mehr Mut!
Eine (beliebige) neue Sache (egal was) lernen, kennenlernen, ausprobieren, bewältigen oder schaffen.
Zufriedenheit feiern.
Egozentrisch und narzistisch, Teil XII
29. Dezember 2016
Frau Muttis Jahresrückblick. Outtakes und Bilder ohne künstlerischen Anspruch, wie jedes Jahr.
(vgl. Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI, Teil VII , Teil VIII ,Teil IX , Teil X und Teil XI)
Januar

Wenn ich ganz ehrlich bin: ohne Hund hätte ich das Haus im Januar eher selten verlassen. Schnee gab es keinen, dafür Regen und kalten Wind. Ich glaube, die Sonne zeigte sich höchstens viermal. Ohne Hund wäre ich daheim versauert und wäre vor lauter Wetterfrust fast schwermütig geworden. So … musste ich täglich raus, oft sogar zweimal. Und kam jedesmal sehr glücklich und gut ausgepowert wieder heim. Daheim räumte ich mein Nähzimmer um, damit vier (von treuen Lesern gespendete) Rechner darin Platz fanden. Ein kleines Internetcafé für syrische Flüchtlinge sollte entstehen und eine zeitlang wurde das auch sehr gerne angenommen. Am Küchentisch fanden Sprachkurse statt und bei gemeinsamen Essen lernten wir auch ein paar Brocken arabisch. (Sie fragen ab und zu, wie es „meinen Syrern“ nun geht: gut. So weit es gut gehen kann, wenn ein großer Teil der Familie weit weg ist.)
Ich versuchte die Tochter beim Lernen zu unterstützen und ihr die Aufregung vor den schriftlichen Abiturarbeiten zu nehmen. Das klappte ganz gut und wir stritten auch nur ganz selten.
Um es mir noch schwerer zu machen das Haus zu verlassen, konnte ich endlich meinen Traumberuf als Testschläferin für Matratzen antreten. Wie gefühlt bei der Hälfte aller Bloggerkolleginnen zog auch bei uns eine Testmatratze ein. (Wir schlafen darauf noch immer gut.)
Februar

Es blieb nicht den ganzen Monat grau und dunkel, die Sonne ließ sich blicken und manchmal lag eine Ahnung von Frühling in der Luft. Mehr als eine Ahnung, als die Mandelbäume zu blühen begannen. Ganze vier Wochen früher als sonst. Auch die Trauben begannen zu knospen und die Winzer schauten besorgt drein. (das tun sie aber eigentlich immer und deshalb darf man das ignorieren)
Wir versuchten unseren syrischen Gästen „Fastnacht“ zu erklären und scheiterten grandios, ließen uns aber gemeinsam mit ihnen die traditionell an Fastnachtssamstag gebackenen Kreppel schmecken.
Um der Tochter eine großzügige Spende für ihr Afrika-Projekt zu ermöglichen, verkaufte ich sämtliche Schnickeldi-Restbestände und Sie sorgten dafür, dass die Spende wirklich mehr als großzügig ausfallen konnte. Danke!
Wie jedes Jahr juckte mich der Renovierungsdaumen. Sehr zum Leidwesen der Söhne, die neben Lehre und Studium jetzt auch bei der Renovierung des Flures eingespannt wurden. Das Ergebnis macht mich noch immer sehr glücklich.
Der Jüngste feierte seinen siebzehnten (17!) Geburtstag und die Tochter bekam die überragenden Ergebnisse ihrer Abi-Arbeiten.
März

Der März verflog. Ich reiste zu einer Geburtstagsfeier bis fast an die niederländische Grenze und legte mich danach ein paar Tage mit allerschlimmstem Schnupfen ins Bett. Lange hielt es mich nicht, denn die Vorbereitungen für den Abiball waren letztlich umfangreicher als damals beim großen Sohn. Plötzlich musste ich mich mit Frisuren und Schminkerei beschäftigen, beim großen Sohn waren lediglich Hemd und Hose zu bügeln. :)
Die mündlichen Abiturprüfungen gingen vorbei und als die Tochter auf der Bühne stand, ein überragendes Zeugnis und Ehrungen überreicht bekam, war ich für wasserfeste Mascara überaus dankbar.
Wir feierten Ostern und ich begann in den Gärten herumzuwühlen. Und am Ende des Monats verabschiedeten wir unsere Pilgertochter für sechs Wochen. Ein erster Vorgeschmack für ein ganzes Jahr ohne sie.
April

In Hinblick auf den anstehenden Wanderurlaub suchten wir uns für die Wochenden Wanderrouten in der Nähe und gingen schließlich etliche Kilometer auf dem Rheinterrassenweg. Neben den Hunderunden war das ein prima Training für mich, denn bei dem Gedanken an lange Wanderungen, obendrein mit großem Rucksack auf dem Rücken, war mir ein klitzekleines bißchen mulmig.
Ansonsten war der April ein ruhiger Monat. Ich wurschtelte in den Gärten, räumte das Rosa Gartenhüttchen auf und ließ mir vom großen Sohn einen Zaun bauen. Von der Tochter kam am Ende des Monats die Meldung, dass Santiago di Compostela erreicht war, der Jüngste ergatterte seine erste Krankmeldung und der Kater klärte, wer der Chef im Revier ist und trug eine Bisswunde davon. Der Jüngste musste sein Bein schonen und der Kater täglich zum Spülen der Wunde zum Arzt, der beste Zeitpunkt, um die Verantwortung für dies alles dem großen Sohn zu überlassen …
Mai

… und mit dem besten Vater meiner Kinder und der Oppenheimer Freundin nach Berlin zur re:publica zu fahren. Die Freundin fuhr nach der re:publica direkt wieder heim, wir hängten noch ein paar Tage Berlin-als-Paar-Urlaub dran und gönnten uns ein wunderbares Touristenprogramm.
Wieder daheim freuten wir uns nicht nur über tolles Wetter im Garten, sondern auch über die Rückkehr der Tochter und deren wunderbare Geschichten über erlebte Abenteuer.
Wir wanderten weiterhin als Trainingsprogramm durch die Gegend, bekamen Besuch, feierten ein wenig unseren 21. Hochzeitstag und ein Bißchen wünschte ich mir, dass die Zeit einfach stehenbleiben könnte, in diesem perfekten Mai.
Juni

Im Juni war ich schrecklich mutig, denn ich setzte mich in ein Flugzeug. Ganze zwei Stunden lang biss ich die Zähne zusammen, bis wir endlich in Dublin landeten. Irland! Vor einigen Jahren hatten wir bereits einen Irlandurlaub mit den Kindern geplant, doch damals kam das Leben dazwischen. Dieses Jahr erfüllte sich also unser Traum. Und wie das mit Träumen so ist, die Erfüllung ist dann doch ein bißchen anders als gedacht. Statt bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir durch Nebel, Regen und Wolken den Wicklow Way entlang. Manchmal wollte ich erschöpft, nass und frierend ein bißchen weinen, meistens aber schaffte es nicht einmal ein fieser Regenschauer, mir das Dauergrinsen aus dem Gesicht zu waschen. Ein rundum gelungener Urlaub und es war passiert: ich, die ich daheim immer am Glücklichsten war, war vom Reisefieber gepackt worden. Und jetzt stehen noch viele Ziele auf einer „wo ich noch hin will“-Liste.
Daheim warteten der Sommer, Alltag und zwei verwilderte Gärten auf mich. (und Kinder, die sich freuten, viele Pflichten wieder abgeben zu können)
Juli

Der Niersteiner Weltladen wurde renoviert und bekam neues Mobiliar. Das Einräumen der Waren übernahm ich zusammen mit Oma Eis. Drei Tage lang balancierte ich zwischen Umzugskisten, Zeitungspapier und Noppenfolie. Es schien kein Ende zu nehmen, doch schließlich war der Laden fertig eingeräumt und ein Wiedereröffnungsfest konnte gefeiert werden.
Wir erlagen alle gründlich dem pokémon go – Fieber und ich muss gestehen, ich leide noch immer daran. Erst wenn ich alle Pokémons gefangen habe, werde ich zufrieden sein :)
Für ein paar Stunden lebten zwei Hunde in unserem Haus, doch der eingefangene Streuner konnte schon am Abend seiner Familie zurückgegeben werden, gerade als ich mir einen hübschen Namen ausgedacht hatte.
Der Sommer war toll, wir lebten fast nur draußen und schon wieder hatte ich leise Zeit-anhalte-Gedanken.
August

Die erste Hälfte des Monats verbrachte ich fast alleine mit der Tochter, denn die Söhne waren im Zeltlager und der beste Vater meiner Kinder arbeitete. Zusammen bekämpften wir Reisefieber und Zweifel, genossen Spannung und Vorfreude auf Afrika. Mittes des Monats brachten wir die Tochter an den Flughafen. In einem Jahr werden wir sie dort wieder abholen.
Der Rest des Monats verging geruhsam. Wir eröffneten mit dem Schreinerfreund und der ehemaligen Freitagsfreundin die Selbsthilfegruppe „Eltern von Töchtern in Afrika“, doch regelmäßige Treffen waren nicht mehr nötig, unseren Töchtern ging und geht es sehr gut.
Ende August reiste ich erneut fast bis an die niederländische Grenze, um ein Gartenhüttchen einzuweihen. Ein wunderbares Wiedertreffen von liebgewonnen Internetbekanntschaften bei brüllend heißen Temperaturen.
Die Gärten verwilderten vor sich hin, mein grüner Daumen war dieses Jahr etwas unmotiviert und oft mit anderen Dingen beschäftigt.
September

Der Herbst nahte unbeirrbar. Die ersten Trauben schmeckten, Walnüsse reiften, unser Apfelbaum hing voll und wir ernteten sehr, sehr viele Kartoffeln. (Kartoffeln sind eigentlich prima für faule Gärtner, weil sie geringstmöglichen Einsatz für größtmögliche Ausbeute bieten. Perfekt.)
Wir ließen uns zum Essen einladen und luden selbst ein, ich erledigte zusammen mit Oma Eis die Bestellung der Weihnachtsartikel für den Weltladen, was bei den hohen Außentemperaturen ein klitzekleines Bißchen schwierig war und verärgerte einen Kooperationspartner, indem ich einen eigentlich netten Blogartikel über Pausenbrote schrieb, im Nachsatz aber wenig Freundliches über Nahrungsergänzungsmittel zu sagen hatte. Ich bekam kein Honorar, da Ihnen aber der Artikel gefiel, ließ ich ihn stehen. (um endlich mit dieser Bloggerei reich zu werden bin ich einfach nicht skrupellos genug. Verflixt.)
Wir feierten den neunzehnten (19!!) Geburtstag der Tochter per Skype, was komisch aber trotzdem schön war. Wunderbar war die Idee, nachts durch das Maislabyrinth zu wandern. Genau die richtige Portion Grusel und Spannung bei Vollmond (nachdem man eine Staffel „The Walking Dead“ inhaliert hat).
Zwei Tage danach ließ ich mir mit 42 Schnitten das Bein aufschlitzen, damit die kaputte Vene entfernt werden konnte. Das Bein heilte gut und nach sechs Wochen konnte ich – sehr zum Leidwesen des besten Vaters meiner Kinder – die halterlosen Stützstrümpfe mit dem erotischen Spitzenrand wieder in die Schublade packen. (es gibt noch zwei, drei Problemchen mit dem Bein, doch die werden im Januar hoffentlich behoben)
Oktober

Ich startete ein organisierte Nähprogramm (mit Listen und Plänen und allem Drumherum) für den Weihnachtsmarkt und verfiel nach drei Tagen in das Chaos des „heute hab ich Lust auf Engel oder doch was anderes“ – Nähens zurück. Produktiv war ich trotzdem, auch ohne Organisiertheit.
Das diesjährige Federkuchenfest fand nur in kleinstem Rahmen mit den hiesigen Freunden statt, Schuld war natürlich das Bein. (zum Ausgleich für das ausgefallene Fest erwachte der Gedanke an eine erneute Gartyparty.)
Wir feierten den Geburtstag des besten Vaters meiner Kinder, radelten durch herbstliche Wingerte und ich räumte ständig im Weltladen herum.
Das Allertollste in diesem Monat aber war, dass ich mich über Deutschlands längste Hängebrücke getraut habe! Ich würde gerne sagen, dass das ein Klacks war und ich nun beim nächsten Mal einfach singend im Hopserschritt drüber hüpfen werde, doch nein, dem war und ist nicht so. Beim Gedanken an die Brücke bekomme ich erneut Herzrasen, bin aber sehr, sehr stolz, dass ich da eine persönliche Grenze überschritten habe. (zweimal, hin und zurück nämlich)
November

Wenn ich mir die Instagrambilder meines Novembers anschaue, so bestand dieser im Wesentlichen aus Essen, Hunderunden und Durcheinander im Nähzimmer. Das war tatsächlich auch so. Ich verbrachte täglich viele Stunden an Näh- oder Stickmaschine und hatte tatsächlich großen Spaß dabei!
Ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag etwas gegen das Novembergrau zu bloggen, doch wirkliche Tagesaufheller in Form von links und Empfehlungen gab es nicht, ich schrieb über das tägliche Einerlei und auch das brachte mir plötzlich wieder große Freude. Vielleicht sollte ich mich daran erinnern, wenn es an das große „was nehme ich mir denn fürs neue Jahr so vor?“ geht.
Der Große feierte seinen einundzwanzigsten (21!!!) Geburtstag, d.h. dass es nun nicht mehr lange dauert, bis er so alt ist, wie ich bei seiner Geburt und ja, dann bin ich wirklich alt. Sehr alt. Sein Geschenk an uns ist übrigens, dass er sich richtig, richtig wohl in seiner Ausbildung zum Chemielaboranten fühlt, das Chemiestudium abzubrechen war also der richtige Weg.
Dezember

Der Dezember ist ja schon immer mein Lieblingsmonat. Zuerst natürlich, weil ich Geburtstag habe. Binzessinnentag! Außerdem darf ich im Dezember in Schnickeldis schwelgen, denn das Haus wird weihnachtlich geschmückt. (letztendlich sind es dann aber doch immer nur die wenigen heißgeliebten Stücke, die immer wieder hervorgeholt werden, dem totalen Kitsch verfalle ich nur in Gedanken). Ebenfalls im Dezember ist der Niersteiner Weihnachtsmarkt, der nun auch eine kleine Tradition geworden ist. Allerdings werde ich nächstes Jahr dort zum letzten Mal stehen, denn eigentlich ist mir der Aufwand doch zu viel. Nächstes Jahr gibt es aber noch mal einen Stand, denn Nierstein feiert 1275jähriges Jubiläum mit Jubiläumsweihnachtsmarkt. Was auch immer das zu bedeuten hat, ich will dabei sein.
Neben Weihnachten ist das schönste Fest im Dezember das Niersteiner Weihnachtsblasen. Am 23. Dezember trafen wir uns mit Freunden im Park, der Posaunenchor blies Weihnachtslieder und beinahe konnte man mitsingen, wenn die Tonlage nicht so komisch gewesen wäre. Danach gibt es schlechten Glühwein von der freiwilligen Feuerwehr und ganz danach einen Absackersekt bei den Freunden im Wohnzimmer. So beginnt und begann auch dieses Jahr Heilig Abend ein bißchen verkatert, aber sehr erfüllt mit warmen Gedanken an wunderbare Freunde, die uns nun schon so lange begleiten.
Neben einem entspannten Weihnachtsfest gab es im Dezember auch noch einen 40. Geburtstag in der Schweiz zu feiern und auch da in der Schweiz hatte ich einen klitzekleinen, sentimentalen Anfall von „meine Güte, die kennen wir jetzt aber auch schon richtig lange!“. Schuld an der Sentimentalität war bestimmt der schlechte Crapefruit-Thymian-Cocktail.
Vor uns liegt jetzt nur noch Silvester, das wir hier in der Grünen Villa feiern. Zusammen mit Freunden und ordentlichem Geböller um Mitternacht.
Vorsätze habe ich tatsächlich schon ein paar, vielleicht werden es noch mehr, wer weiß das schon.
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2016 war ein gutes Jahr für uns. Wir sind gesund, unsere Kindelein sind alle auf einem guten Weg und glücklich, der beste Vater meiner Kinder und ich können uns immer noch ziemlich gut leiden. Mein Vorsatz für 2016 wieder mehr zu bloggen war einfach zu vage, vermutlich muss ich mir „2017 wird jeden Tag gebloggt!“ mit fancy Kreidemarkern ans Fenster schreiben. Den anderen Vorsatz „mutiger sein“ habe ich aber erfüllt. Ich habe Fremde in mein Haus gelassen, habe Sprachbarrieren überwunden, mein Herz geöffnet, bin über Abgründe gelaufen und habe Smalltalk geübt. Das wird doch noch was mit mir. Sport gab es nicht mehr als früher, aber gerade vorhin beim Schreiben und Bilder sichten dachte ich, dass ich ab erstem Januar mal die Kilometer zähle, die ich jeden Tag so hinter mich bringe. Hunderunden sei Dank sind das wirklich sehr, sehr viele und ich mag die Zahl gerne mal vor mir sehen. (Frau Knie ist übrigens sehr glücklich über die regelmäßige Bewegung, ich bin absolut schmerzfrei!)
Bleibt nur noch ein Dank an treue LeserInnen und ein „Rutschen Sie gut ins neue Jahr, wir lesen uns!“. Immer die Ihre.
