Fastenzeit!

1. März 2017

Bisher habe ich jedes Jahr gefastet. Ich habe zweimal komplett auf Nahrung verzichtet, ich habe Zucker gemieden und Alkohol sein lassen. Mit kleineren Ausnahmen. Weitergebracht hat mich das Fasten nicht, weder spirituell noch physisch. Beim (Heil)Fasten habe ich drei Kilo ab und direkt wieder zugenommen, beim Zuckerfasten hatte ich die schrecklichste Gier auf Schokolade und beim Alkoholfasten wurde jeden dritten Tag etwas gefeiert und man stieß mit Sekt an. Oder halt mit Wasser. Dieses Jahr faste ich nicht indem ich auf irgendetwas Ess- oder Trinkbares verzichte. Das macht mir keinen Spaß, was ja irgendwie der Sinn des Verzichtes sein soll, führt aber letztlich auch zu nichts. Außer zu schlechter Laune bei Zuckermangel, aber die schaffe ich auch mit Schokolade. 

Diesmal mache ich es anders, diesmal versuche ich etwas, das dann vielleicht Gewohnheit wird. Ich verzichte auf Impulskäufe. Diese Käufe, über die man später entschuldigend „Ich bin halt ein Verpackungsopfer“ sagt. Oder „Das sprang mir so in den Wagen“. Vielleicht auch „das sehe ich im Moment ständig überall, da muss toll sein“. Und natürlich die Dinge, die ich nur gekauft habe, weil sie rosa sind, glitzern oder mit Einhörnern bedruckt sind. Das bedeutet, dass in der Dusche nur noch ein Duschgel und ein Schampoo stehen werden, im Badschrank nur noch eine Bodylotion und eine Gesichtscreme. Der 25. Nagellack bleibt im Laden, auch wenn er eine Nuance heller rot als der in meinem Schrank ist. Eine Sorte  Waschmittel reicht, ein Spülmittel auch, putzen, waschen, spülen muss ich trotzdem.

Ich versuche seit Jahren meinen Müll überschaubar zu halten. Coffee-to-go meide ich, Plastikwasserflaschen versuche ich so selten wie möglich zu nutzen. Smoothies und der ganze Mist zum Unterwegstrinken kommt mir nicht in den Einkaufswagen, dreifach verpackte Lebensmittel ebenfalls nicht. Aber im Drogeriemarkt eskaliere ich regelmäßig. Schluß damit. Schluß auch mit den „nebenbei“-Käufen. Ich brauche keine GeschirrhandtücherKerzenServiettenDosenScherenKnof-,Garn-und Haushaltssortimente mehr. Hab ich alles in ausreichenden Mengen, manchmal halt nicht in der passenden Farbe. Das lässt sich aushalten, denke ich.

Ausnahme: Supermarkttulpen. Jedenfalls so lange, bis ich sie auf dem Acker selbst pflücken kann.

So weit zu meinen Plänen, jetzt ein Schwenk zu denen anderer Menschen. Ich sag ja immer, jeder soll so wie er mag. Verstehen mag ich es trotzdem und so fragte ich gestern Abend, warum Menschen freiwillig Gluten fasten. Nach vielen spöttischen Antworten traute sich dann eine Frau doch noch nach vorne. „Neues ausprobieren, den Horizont erweitern“ argumentierte sie. Natürlich lässt sich da jetzt prima draufhauen, denn wer gesundheitsbedingt auf Gluten verzichten muss, rollt vielleicht die Augen und fragt sich, warum jemand freiwillig diese Erfahrung machen will? Aber so ist das nun mal beim Fasten: auf etwas verzichten, auch wenn es weh tut.

Ich versuche somit nicht zu unterstellen, dass hier ein neuer Gesundheitstrend unter dem Deckmäntelchen „Fastenzeit“ ausgelebt wird, obwohl mir das wirklich schwer fällt: Weizen ist ja schon lange in Verruf, weil er so hochgezüchtet ist und Gluten? Das ist doch irgendwas mit Kleber. Kleber in meinem Körper kann nicht gut sein, das bildet bestimmt Schlacken im Darm und die Schwester der Freundin meiner Nachbarin hat immer Bauchweh, wenn sie vier Stück Kuchen gegessen hat. Lactose ist auch ganz schlimm! Da ist in Milch und Milchprodukten und es muss ja einen Grund geben, warum es so viele lactosefreie Lebensmittel gibt. Alles was xy-frei ist, ist erstmal gesund. Oder wenigstens gut für den Körper. <- Für diese Aussagen gebe ich keine Quellen an, doch es ist nicht schwer sie im www zu finden. 

Warum? Woher kommt die Sorge, dass Bestandteile der Nahrung plötzlich schädlich sind? Ein fertig gepampschter Smoothie aber nicht, weil da steht ja Bio oder gesund oder grün oder vital oder sogar Kokoswasser drauf.

Abgesehen von der Sinnlosigkeit ohne zwingenden Grund Inhaltstoffe zu meiden, kostet der Spaß auch richtig Geld. „Ersatzprodukte“ sind nämlich ganz schön teuer. Und wenn man es nicht schafft sich ein bißchen zu informieren, wird man gründlich verarscht, denn „lactosefrei“ steht auch oft da drauf, wo noch nie Lactose drin war. Dann lässt sich das Produkt gleich teurer verkaufen. 

Das Thema Gesundheit ist groß und gerade zur Fastenzeit ist es präsent. Wäre nur die Bereitschaft nicht blind irgendwelchem Trends hinterherzueiern genauso groß. 

Also. Kein nach Einhorn riechendes Duschgel für mich, und wenn Sie es mir noch so oft in die Instagramtimeline posten.

12 Kommentare zu “Fastenzeit!”

  1. Birgit sagt:

    Auch dann nicht, wenn das Einhorn-Duschgel gluten- und lactosefrei ist???😉

  2. Sibylle sagt:

    *seufz* Das Einhornduschgel hat das größte Kind angeschleppt und spätestens nachdem ich ihr das ausgelaufene Duschgel aus der Tasche putzen musste ist der Geruch für mich untragbar :) In unserem dm kann man sich übrigens Einhornaufkleberettiketten drucken und auf das „normale“ Duschgel kleben, Einhorn mit Wunschgeruch sozusagen. Geht bestimmt auch mit schon daheim vorhandenen Flaschen :)

    Und dieses auf bestimmte Stoffe in Lebensmitteln verzichten weil das grad in ist oder man es nicht vertagen könnte oder es plötzlich böse ist macht mich ganz fuchsig. Ich sage mir zwar immer jeder nach seiner Art und es geht mich nichts an, aber das fällt für mich an Unsinnigkeit fast in die gleiche Kategorie wie nicht Impfen. Ausnahme ist natürlich eine ärztlich attestierte echt Unverträglichkeit/Allergie auf gewisse Inhalte. Aber da ich im Chemie LK einen echte Menschen mit echter Glutenunverträglichkeit neben mir hatte, bei dem Gluten zu ernsthaften wenn nicht sogar lebensbedrohlichen Reaktionen geführt hätte, schüttel ich über sogenannte „eingeredete Unverträglichkeit“ milde den Kopf. Nichts für ungut :)

  3. Brigitte sagt:

    Ich bin ganz vorne dabei: der Rotwein in dem Glas vor mir ist Laktose- UND Gluten-frei! So ein Blödsinn, das alles. Denn die Menschen, die mit Unverträglichkeiten leben müssen, haben es echt schwer. Nicht nur die Einschränkungen, sondern auch die körperlichen Beschwerden.
    Ich faste nach Anregung der Grünen „Auto“. Da ich seit 4 Jahren keins habe, ist das nicht so schwer. Liebe Grüße Brigitte

  4. Frau-Irgendwas-ist-immer sagt:

    Ich bin ja froh das Sie, Frau…äh…Mutti, nicht aufs Blog schreiben verzichten wollen!!
    Ansonsten soll doch jeder wie er will und Menschen die freiwillig auf was verzichten und dann ihre Umwelt nerven sind mir (sehr) fremd und werden weggefastet. ;-)

  5. Gedankenadler sagt:

    Da haben wir ja unabhängig voneinander ganz ähnliche Fastenvorsätze gefasst. Ich bin an Tag zwei meines Konsumverweigerungsplans noch sehr gut dabei, auch wenn ich schon ein bisschen Angst habe, dass mir hier im nahezu bücherfreien Haushalt meines Freunds der Lesestoff ausgehen könnte, bevor ich wieder auf meinen eigenen Büchervorrat zugreifen kann…
    Liebe Grüße,
    Doris

  6. Seifenfrau sagt:

    Das haben Sie wunderbar geschrieben!

  7. me3ko sagt:

    Sie schreiben mir aus der Seele. Ich habe noch nie so viele Leute mit einer „Unverträglichkeit“ erlebt. Sie glauben es auch und sicherlich sind Fälle dabei, die das rechtfertigen. In regelmässigen Abständen wird eine „neue Sau“ durchs Dorf getrieben: neulich war es der Zucker auf einem Kaffeeklatsch, zum Brüllen: die dickste Zuckerbombe stand auf dem Tisch: der Kuchen…..
    Fein, dass Sie nicht auf das Bloggen verzichten!
    Gruss me3ko

  8. Frau Odersocke sagt:

    Also ich wollte in diesem Jahr eigentlich einmal probieren auf Kaffee zu verzichten. Aber als mir das heute frei habende kleine Kind um 9.30 mit den Worten „ES REICHT MAMA“einen doppelten Espresso in die Hand drückte war das auch erledigt.

    Ansonsten verzichte ich nicht freiwillig auf irgendwelche Lebensmittel. Vertrage eh schon genug nicht.

    Und was die Spontankäufe bei dm angeht- nun ja- gestern wollte ich nur Bartshampoo fürs große Kind kaufen. Fragen Sie lieber nicht womit ich nach Hause gekommen bin :))))

  9. Judith sagt:

    Wir machen in unregelmäßigen Abständen so genannte „Sparmonate“. In denen machen wir genau das was Sie oben beschreiben. Es wird kein unnötiger Tüddel gekauft den man eigentlich nicht braucht sondern wirklich nur strikt das ins Haus geholt was wirklich und tatsächlich benötigt wird. Während der Zeit fällt einem erst auf wie viel man sonst einfach so nebenbei in den Einkaufswagen wandern lässt…
    Netter Nebeneffekt ist die Summe die am Ende des Monats mehr auf dem Konto ist als normal.

    Ich wünsche viel Erfolg beim Tüddel-fasten.

  10. Maufeline sagt:

    Ich habe jetzt leider etwas Lust dazu bekommen, Einhornbilder zu spammen… ;-)
    (Ich verzichte aber darauf, ist ja Fastenzeit… ;-) )

    Das mit dem Impulskäufen ist ne super Sache, da kämpfe ich mit mir auch immer, und wenn man das einmal bewußt angeht kann man sich ja vielleicht daran gewöhnen.

    Liebe Grüße
    Katha

  11. Caramelia sagt:

    Hmmmmm … einerseits bin ich ganz bei Ihnen, was den unnötigen Verzicht auf vermeintlich „böse“ Lebensmittel angeht. Andererseits: je größer die Nachfrage, desto besser die Versorgung nach derartigen ohne-xyz Lebensmitteln, was wiederum den armen Personen, die eine echte Unverträglichkeit haben, zu Gute kommt. Hat also auch eine gute Seite, dieser Modetrend.

    Was ich nun wirklich gar nicht verstehen kann, ist die Beschriftung von an sich ohnehin schon gluten-, lactose-, xyz-freien Lebensmitteln mit ebendiesem …frei. Ich habe letztens im Supermarkt ernsthaft „kalorienfreies Diätwasser“ gesehen und nur noch den Kopf geschüttelt.

  12. rona sagt:

    Mein nachhaltigstes Fastenopfer war der Verzicht auf den Fernseher:

    Es fiel mir entsetzlich schwer. Erst am Sonntag nach Aschermittwoch stellte ich das Gerät in den Keller.
    Mit Bauchweh und Herzschmerz.

    Wie nur – das war die Frage – soll ich die kommenden sechs Wochen überstehen.

    Naja: Ende Juni fragte ich nach, was ich tun muss, um den Fernseher abzumelden.

    Irgendwann endete er beim Spermüll.
    Seit gut 8 Jahren lebe ich wunderbar ohne.