Eine Freundin, eine Flasche Rotwein und Zeit.

Nicht mehr, aber halt auch nicht weniger.

So sehr ich echte Kerzen in Martinslaternen liebe, so sehr gruselt es mir in Weihnachtsbäumen und Adventskränzen davor. Unser Weihnachtsbaum wird also immer von einer elektrischen Lichterkette illuminiert und ich finde das eigentlich auch ganz hübsch. Für den Adventskranz gibt es zwar echte Kerzen, doch nicht mehr in Kombination mit Nadelgestrüpp, nachdem uns ein Adventskranz in Flammen aufging. Zum Glück saßen wir gerade am Tisch und konnten rasch löschen. Es ist unglaublich, wie schnell und hoch Flammen lodern können!


Dieses Jahr habe ich die Kerzen in eine alte Gugelhupfform gestellt und jede Menge kleine Kugeln dazu gepackt. Auf Instagram wurde angemerkt, dass die Kerzen sich gegenseitig schmelzen werden. Das warte ich mal ab :)

Als der Jüngste noch sehr viel jünger war und deutlich längere Haare hatte, beugte er sich über den brennenden Adventskranz und verlor sehr schnell einige Strähnen seines wunderschönen Haares. Er (und wir) kam mit dem Schrecken davon, doch den Geruch der brennenden Haare habe ich noch immer in der Nase. Ich bin also in der besinnlichen Kerzen-Zeit nicht ganz entspannt und romantisch gestimmt.

Im Nähzimmer habe ich heute noch ein paar Gläser „umnäht“.


Man kann Kerzen in die Gläser stellen oder kleine Lichterkette  reinstopfen, hübsch sieht beides aus.


Von den Pinguin-Lichtsäcken wird es noch einige mehr für den Weihnachtsmarkt gegen, ich habe schon elf weitere Pinguine gestickt, doch dann rief der Abendhunger und hinterher das Sofa. Morgen also! (Die Pinguin-Stickdatei ist von Anja Rieger!)

Morgen werde ich fertig mit der Weinachtsmarktnäherei, danach nähe ich mir Röcke aus den wunderschönen Stoffen die in dem Päckchen sind, das unglücklicherweise noch in der Postfiliale liegt.

Ich nahm mir gestern abend vor, heute morgen mit dem Hund zu joggen. Und nachdem ich mich endlich unter dem kuscheligen Deckbett hervorgequält hatte, tat ich das auch. Gehen, rennen, traben – immer schön abwechselnd. Anderthalb Stunden waren wir unterwegs, ich war deutlich erschöpfter als der Hund, der fröhlich neben mir her hüpfte, während ich den Hügel hoch keuchte.

Daheim erledigte ich einen Teil der Weihnachtsgeschenke und telefonierte mit Oma Eis, die völlig begeistert aus dem Weltladen anrief: die Schaufenster werden leergekauft, wir können jede Menge Waren nachbestellen. (und ich darf wieder dekorieren). Nach ihrem Dienst schaute sie kurz rein und brachte mir Kaffee mit. Schon praktisch, so ein Einkaufslieferdienst.

Der Tag verging mit Haushaltskram und kurz vor der abendlichen Hunderunde schaffte ich es, die Küche komplett mit Weihnachtsschnickeldi vollzuräumen. Immerhin habe ich jetzt eine Art Adventskranz, die zeige ich Ihnen morgen.

Die Hunderunde fand im Dunkeln statt. Sehr aufregend, denn es raschelte und knisterte in den Wingerten. Ab und zu flog ein Käuzchen über uns hinweg und erschreckte mich zu Tode. (und prompt fiel mir jeder Horrorfilm, jede Gruselserie die ich je gesehen hatte wieder ein) Ich bog also lieber wieder Richtung Ortsmitte ab und holte den besten Vater meiner Kinder vom Bahnhof ab.

Daheim gab es das Wunschessen des Jüngsten (Farfalle al Gorgonzola) und für die Hüften eine Schüssel noch warmen Schokoladenpudding. Überhaupt Schokoladenpudding! Das allerbeste gegen Novembergrau, ehrlich!

Der Blick aus dem Nähzimmer war heute noch ganz wunderbar …


… weil der alte Kirschbaum gegen den Himmel leuchtet. In spätestens drei Tagen ist er aber auch kahl und dann beginnt der Winter für mich. (Wie jedes Jahr hoffe ich auf ein bißchen Schnee, wenigstens eine Woche lang!)

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Beim Durchsuchen der Bilder dieses Jahres für den obligatorischen Photokalender für die Großeltern, blieb ich bei den Bildern unseres Irlandurlaubs hängen. Statt am Kalender zu basteln, schwelge ich jetzt mit dem besten Vater meiner Kinder in Erinnerungen und  das vertreibt sehr zuverlässig das heutige Novembergrau!

Ich war auf alles gefasst, als ich heute morgen die Küche betrat. Immerhin hatte der Große gestern abend dort mit sehr vielen Freunden seinen Geburtstag gefeiert. (Und Trinkspiele gespielt, die ich noch ich kenne, die aber sehr interessant und nachahmenswert klingen.) Das erwartete Chaos blieb allerdings aus. Die Spülmaschine war gelaufen, was nicht hineingepasst hatte, stand ordentlich zusammengestellt darauf. Der Tisch war abgewischt, das Leergut verräumt und die Chipstüte war noch halbvoll. Großartig, er darf jederzeit wieder hier feiern.

Der beste Vater meiner Kinder und ich tranken einen Kaffee und liefen dann mit dem gar nicht mehr so kleinen Hund los. Das trübe Grau verging und die Sonne kam raus. Wir marschierten die große Runde, Lola rannte die Zeilen hoch und runter und ach … mir reicht das wirklich zum Glücklichsein: durch die Gegend stapfen, den Blick schweifen lassen, mit dem Gatten Händchenhalten und dem Hund beim durch die Gegend rasen zusehen.

Wieder daheim buken wir einen eingefrorenen Hefezopf auf und weckten die Söhne. Beide waren nicht verkatert, sondern ausgesprochen gut gelaunt – das Frühstück war gemütlich und lecker. Danach übernahm der Große zur finalen Reinigung die Küche, wir zogen uns aufs Sofa zurück. Lesen, schwätzen, Mittagschläfchen. Und danach auf ein Stück Torte und einen Milchkaffee zu Erni&Illi.

Wieder daheim blieb noch ein bißchen Zeit für das Nähzimmer und die Vorbereitung des Abendessens, bevor der Skypetermin mit der Tochter anstand. Der Opa unterbrach seinen Besuch bei seinem Bruder (der hier um die Ecke wohnt), um seine schwer vermisste Enkelin zu sehen. Eine Stunde berichteten wir uns gegenseitig die Neuigkeiten und ich staunte sehr, weil es nur ein Vierteljahr braucht, bis mein kleines Mädchen ein ganz anderes, viel tafferes geworden ist. Englisch und Afrikaans fließt ins Erzählen mit ein und sie berichtet von einer uns so fremden Welt, in der sie sich wohl mittlerweile mit Leichtigkeit bewegt. Es ist wahnsinnig schön für mich, sie zu hören und sogar zu sehen, doch ich würde sie so gerne wieder in den Arm nehmen. Und „in echt“ sehen, unverpixelt, und ihr ohne Verzögerung zuhören. Diese kluge, strahlende, hellblonde, braungebrannte junge Frau auf meinem Bildschirm ist meine Tochter. Ich platze vor Stolz und freue mich sehr, sehr auf April! (in zwei Wochen Skype wir wieder, darauf freue ich mich auch)

Auch dieser Novembertag hat es nicht geschafft, grau und trist zu werden. Ätsch.