Regen auf Schnee

22. Dezember 2009

und die pudrigen zehn Zentimeter von heute nacht verwandeln sich in braunen Matsch. So ist das hier im milden Rheintal. Um so mehr freut es mich, dass die Kinder gestern Schlitten fahren konnten.

(und vielleicht gibt´s ja noch mal Schnee, jetzt wissen die Niersteiner Wolken ja, wie´s geht)

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Als ich gestern abend, nach einem erfreuten Blick in die schneiende Nacht hinaus, enthusiastisch in mein Bett sprang, passierte es: der Sprungrahmen krachte und ich saß in einer Kuhle. Zwar vesicherte mir der beste Vater meiner Kinder, dass dies normale Materialermüdung sei, aber wahrscheinlich hat er mir, nur weil Weihnachten vor der Tür steht, nur nicht sagen wollen, dass das Ding unter meinem Gewicht zusammengebrochen ist.

Geschlafen habe ich dann doch noch, sogar sehr gut, auf einer Tischplatte, die der beste Vater meiner Kinder auf den gesprengten Sprungrahmen gelegt hatte.

(muss mal nachsehen, ob die jetzt Sprünge hat, die Tischplatte. Weil dann esse ich nie wieder was.)

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Gestern erfuhren wir, dass die römischen Jungs nicht, wie verabredet, heute abgeholt werden, sondern doch erst morgen und ich reagiere da erstmal mit einen unflexiblen Wutanfall. Nicht weil mich die Jungs stören, sondern weil ich diese Situation in den letzten Jahren viel zu oft erlebt habe und weil es für mich bedeutet, einen weiteren Tag in Habachtstellung verbringen zu müssen, denn eine Abholuhrzeit … gibt es nie. Grmpf.

(familieninterne Querelen, aber das dachten Sie sich garantiert schon)

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Der beste Vater meiner Kinder und das Töchterelein sind auf der Suche nach dem perfekten Baum und ich bin wirklich sehr gespannt, ob sie sich einigen können.

(der perfekte Baum für mich wäre in diesem Jahr: winzig. Und schmal. Und nicht-nadelnd. Und umsturzsicher an die Wand getackert.)

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Während ich täglich hierhin klicke, in freudiger Erwartung auf ein neues Kind (und von Treppenstürzen will ich nix mehr lesen!), wage ich es kaum, in einem anderen Blog das Passwort zu tippen. Dort bangt eine Mutter um ihr Kind und hohle Worte sind das einzige, was ich zum Trost anbieten kann. Freud und Leid in einer Blogrunde, das Leben ist ganz schön gestrafft, in Kleinbloggersdorf. Bleiben die großen Entfernungen. Mal eben zum Gratulieren rübergehen klappt leider genausowenig, wie die Frau, bei der wir einst einen wundervollen Urlaub hatten, mal in den Arm zu nehmen. Und das ist der Punkt, an dem ich das Bloggen und das Lesen in Blogs verfluche. Diese scheinbare Nähe, diese Anteilnahme, dieses Mitleben … lässt sich nicht konsequent zu Ende bringen.

(es ist gerade nicht drin, diesen Gedanken zu Ende zu bringen, die Jungs sind erwacht und wollen den Kühlschrank leerfuttern)

Fakten.

21. Dezember 2009

Sechs Menschen drängen sich im Flur der Grünen Villa und versuchen gleichzeitig ihre dicken Winterschuhe anzuziehen.

Drei der sechs Menschen sind über 175cm groß.

Drei der sechs Menschen tragen dicke Schneehosen und passende Jacken, die anderen drei sind zu cool dafür.

Es dauert 39 Minuten vom Beschluss “Wir gehen zur kleinen Steig Schlitten fahren” bis zur Umsetzung dieses Beschlusses.

Die Aussentemperatur ist auf mollige 2,5°C gestiegen, weswegen das, was da gerade vom Himmel fällt, sehr dünner Schnee mit sehr viel Regen ist.

In ca. einer halben Stunde wird es wahrscheinlich richtig regnen, was dem Traum von einer weißen Weihnacht ein jähes Ende setzen wird. Und meinem Traum von ruhigen zwei Stunden hier im Haus, während die vielen anderen Bewohner des Hauses sich draußen austoben, auch.

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Vier Fäden sind aus meinem Knie gezogen worden und ein Krüstchen ist mit abgegangen. Es hat geblutet. (jaul!)

Der Orthopäde sprach: “Ich hab wohl nix mehr zu tun.”

Frau … äh … Mutti sprach: “Hurra, ich kann gehen!”

Die Krücken dürfen in die dunkle Ecke und ich beginne mit dem Wiederaufbau der Muskulatur. Vollbelastung erlaubt, wenn´s abends dick wird, war´s zuviel. Aber kaputtgehen … kann nix mehr. (ist nix mehr drin, was kaputtgehen kann)

Der Orthopäde erwähnte, dass mein Knie ja nun in ähnlichem Zustand sei wie seines und man sich überlegen könne, ob man sich in zehn Jahren gemeinsam künstliche Kniegelenke zulegen wolle. Und die Reha hinterher gemeinsam durchstehen wolle. Hm. Ich find ihn ja schwer sympathisch, den Orthopäden, aber das künstliche Kniegelenk habe ich für frühestens in dreissig Jahren erst auf der To-Do-Liste.

Mittlerweile habe ich mir auch brav die zwölf Minuten Filmmaterial der letzten Arthroskopie angesehen und bin sehr beeindruckt, mit welcher Brutalität in so einem zarten Knie herumgestochert wird. Diesmal war´s sogar ein bißchen blutig, aber ich bin ja durch diverse Arztserien abgehärtet.

Frau Knie … tschüß.

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Mittlerweile fällt doch deutlich mehr Schnee als Regen und ich höre augenblicklich auf zu jammern.

Guten Morgen, weiße Welt

21. Dezember 2009

Ich habe Urlaub, weil die Kindelein haben Ferien.

Das ist ein ausreichender Grund, schon um sieben Uhr morgens auf zu sein.

Ich genieße die Ruhe vor dem Sturm, denn das Haus ist beinahe voll. Die Jungs aus Rom kamen gestern abend an.

(und weil Sie fragten: die Jungs aus Rom sind die beiden Söhne (13 und 15) meines Schwagers aus erster Beziehung)

Geweckt hat mich allerdings nicht mein total irre ausgeschlafener Körper, sondern die Nachbarin, die das tat, was so mancher Autofahrer eben tut: Eis kratzen. Das “schrrp, schrrp, schrrrp” auf der Frontscheibe ist ein Wintergeräusch :-) Macht mir eigentlich auch nix aus. Wütend wurde ich, weil sie noch vor dem ersten “schrrrp” den Motor startete und das Auto somit satte fünfzehn Minuten im Leerlauf ratterte, bis sie es endlich freigeschaufelt hatte. Ist mir unbegreiflich, wie man so etwas tun kann.

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Apropos ausgegraben:  erwähnte ich schon, dass ich beschlossen habe, den Winter zu lieben? Bisher macht er es mir auch leicht ihn zu lieben, der Winter. Wenn es jetzt jeden Tag ein paar Zentimeterchen schneit, werde ich ihm vielleicht im Januar regelrecht verfallen sein.

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In einer knappen Stunde besuche ich zum letzten Mal in diesem Jahr (ich hoffe es und klopfe auf Holz) meinen Orthopäden, lasse die Fäden aus dem Knie zupfen und hoffe auf aufmunternde Sprüchlein wie “na dann mal los, es gibt kein Halten mehr”. Oder wenigstens “prima, jeden Tag ein Stückchen weiter”.

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Die Weihnachtsplanung hat sich nun doch geändert: wie gehabt werden die Jungs aus Rom am Dienstag von ihrer Mutter abgeholt und Schwager mit Familie reist am 23. an. Doch statt bei uns wird die Schwagerfamilie bei den Großeltern wohnen, deren Wohnung deutlich krabbelbabysicherer und, wegen Teppichboden, auch -wärmer ist. Am 27. oder 28. ziehen sie dann aber doch zu uns, weil dann kommen auch die Jungs aus Rom zurück und bleiben über Silvester.

Ich freue mich aber, dass Heilig Abend nun genauso enden wird wie jedes Jahr: in allergemütlichsten Klamotten weinselig mit der allerliebsten Freundin auf dem Sofa. Einzig neu in diesem Jahr: ein flackernder Ofen.

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Die Sache mit den Weihnachtskarten ist so eine Sache. Wenn Sie Ihren Briefkasten aufmachen, dann tun Sie doch einfach so, als sei das neueste Aldiblättchen eine Weihnachtskarte von mir. Das aufwändige Basteln habe ich mangels Zeit aufgegeben (Notiz für´s kommende Jahr: Produktion im Juli starten), andere Karten … habe ich nicht. Sicherlich gibt es Wichtigeres als olle Weihnachtskarten. Aber ich wäre eben so gerne solch ein Weihnachtskartenmensch. So ein “schau mal, ich hab an dich gedacht”-Mensch. Stattdessen bin ich wieder einfach nur der rotierende Kreisel, der eine Million Dinge gleichzeitig anfängt und drei davon fertigkriegt.

Vorsatz für´s neue neue Jahr: organisiert Leben. Listen schreiben und diese verlegen. Ein besserer Mensch werden. Reich werden und jemanden zum Schreiben der Weihnachtskarten anstellen.

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So. Zeit den besten Vater meiner Kinder zu wecken. Verkehrte Welt heute, denn heute serviere ich den Kaffee am Bett.

Notizen und Skizzen

20. Dezember 2009

Der Himmel hängt grau und schwer beinahe bis in den Kirschbaum. Als Fast-Einheimische wage ich jetzt den bedeutungsschwangeren Blick Richtung Schwabsburg (Nierstein II, von wo unser Wetter kommt) und sage, in fast lupenreinem Dialekt: “Des gibbt noch was.”

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Frau … äh … Muttis Jahresrückblick, Outtakes und Bilder ohne jeglichen künstlerischen Anspruch.

Wie jedes Jahr.

(vgl. Teil I, Teil II, Teil III und Teil IV)

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Hoch die Tasse XVII

19. Dezember 2009

Das Tässchen hat eine turbulente Reise hinter sich, die es leider nicht ohne Blessuren überstand.

“Okeeeh!”, sprach Frau … äh … Mutti, “Dann war das dann wohl das Ende des Kaffeeklatsches.”

“Auf gar keinen Fall!”, sprach Frau was eigenes, leistete erste Hilfe und klebte ein Trostpflästcherchen.

Da.

Hatte ich schon erwähnt,

18. Dezember 2009

dass der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib heute sturmfreie Bude haben? Alle Kindelein schlafen auswärts, Töchterlein sogar bis Sonntag.

Und was macht so ein altes Ehepaar, so ganz alleine in der Grünen Villa?

Zuerst einmal öffnet man eine Flasche Sekt und prostet auf´s Knie. Und zur allerbesten Vorabendprogrammzeit darf man dann eine große Schüssel Feldsalat mit viel Knoblauch (mögen die Kindelein nicht, den vielen Knoblauch) und dazu eine Menge Chips und Flips essen. Als Abendessen sozusagen. Gerne vor der Glotze, in der die Armee der Finsternis tobt. Kein Kinderprogramm.

Und weil der Schnee so verführerisch sanft und wattig auf der Terasse liegt, muss man rausgehen. Und mit nackten Füßen Spuren laufen. (daran hätten die Kindelein sicher auch Spaß)

Die kribbelnden Füße führen zu kribbelnden Händen und Nicht-mehr-Stillsitzen-können.

Zweieinhalb Bleche Schneeflocken haben wir schon gebacken, der Teig für Omis Spritzgebäck liegt zum Kühlen im Schnee.

Das ist alles so herrlich … unaufregend.

:-)

Planung für Anfänger:

18. Dezember 2009

Ich sitze im Haus und kriege Besuch.

Planung für Fortgeschrittene:

Sonntag reisen die Jungs aus Rom an, Montag oder Dienstag, vielleicht auch erst Mittwoch werden sie von ihrer Mutter abgeholt. (die Mutter ist gerade in Holland und nicht erreichbar)

Mittwoch reist der Schwager mit Schwägerin und Mädchenbaby an, fährt dann alleine oder mit seiner Familie am zweiten Feiertag wieder weg und kommt, zusammen mit den Jungs aus Rom am 28. wieder. Alle fünf bleiben bis zum 1. oder 2. Januar.

Die meisten Ungewissheiten sind somit aus der Welt und ich weitestgehend entspannt.

(und zur Beruhigung für die allerliebste Freundin: Töchterlein bietet Dir Asyl in ihrem Zimmer. Und ausserdem habe ich zwei Flaschen Glühwein im Haus. Für alle Fälle. Lass mich nicht im Stich.)

Es schneit immer noch.

Schneit

18. Dezember 2009

und schneit und schneit und schneit und schneit.

Dicke Flocken. (toll, toll, TOLL!)

Und bei Ihnen?

Wenn

18. Dezember 2009

der böse Mann bei der Krankengymnastik seine Finger in mein Knie bohrt und es dabei beugt, dann knackt es, knirscht es, blockiert, schmerzt es. Und tut damit genau das, was es ja nicht mehr tun sollte.

“Nicht schlimm”, sagt er. “Das muss heilen. Das ist alles wund und verletzt.”

Genau so fühle ich mich.

(mit Chips und Tee im Bett. Zum trösten.)